Süddeutschland: Bilanz zur Erdbeersaison 2026

Die Hitzewelle hat die Erdbeerhauptsaison in Süddeutschland schneller beendet als erwartet. Bereits vergangenes Wochenende hat ein großer Teil der süddeutschen Betriebe aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen die Ernte eingestellt. Denn bei hochsommerlichen Temperaturen ist es schwierig, durchgehend gut Qualitäten zu produzieren.

Durchschnittlich kaufte jeder Haushalt seit Jahresbeginn bis Ende Mai laut AMI rund 2,66 kg Erdbeeren. Bild: GABOT.

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In Süddeutschland werden jetzt noch Spätsorten wie beispielsweise 'Marieka' und 'Malwina' geerntet. Auch ist das ein oder andere Selbstpflückfeld noch geöffnet. Es wird den Sommer über bis in den Herbst hinein Erdbeeren von wiedertragenden Erdbeerpflanzen, so genannten Remontierern, geben. In Norddeutschland geht die Ernte noch weiter.

Gut gestaffelte frühe Saison sorgt für kontinuierliche Erdbeererntemenge

Die Erdbeersaison hat im Vergleich zu den Vorjahren durchschnittlich früh begonnen. Die Frühsaison ist durch überwiegend optimale Witterungsbedingungen gut verlaufen, und die Staffelung der unterschiedlichen Verfrühungssysteme hat gut funktioniert, so dass es kontinuierlich Erdbeeren gab. Die kühle, regnerische Phase in KW 20 / 21 hat das Reifen der Erdbeeren sowie auch die Erdbeerlust ausgebremst. Insgesamt begünstigte das schöne Wetter den Appetit auf frische Erdbeeren, so dass die Nachfrage nach heimischen Erdbeeren seit Saisonbeginn groß war.

Preispolitik im Lebensmitteileinzelhandel gefährdet Existenz von Erdbeerbetrieben

„Der Erdbeerpreis ist im Handel schon vor Pfingsten eingebrochen, und das, obwohl Erdbeeren gesucht waren. Leider hat sich der Preis danach nicht mehr wirklich erholt. Das ist angesichts der gestiegenen Produktionskosten ein harter Schlag für die Betriebe, die überwiegend über den Lebensmitteleinzelhandel vermarkten. Bereits in der vergangenen Saison hatten wir dieses Problem. Leider hat es sich in dieser Saison nochmals verschärft. Wenn der Handel noch heimische Erdbeeren verkaufen will, dann sollte er diese vom Markt entkoppelte Strategie schleunigst ändern, denn die Betriebe sind bereits aufgrund der gestiegenen Produktionskosten enorm unter Druck“, kritisiert Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE) Bereits in den letzten zehn Jahren haben mehr als 25% der Erdbeererzeuger in Deutschland ihren Anbau aufgegeben.

Stabile Preise in der Direktvermarktung zeigen Wertschätzung der regionalen Produktion

„Leider konnte ein Teil der Betriebe aufgrund der Hitze die Erdbeeren der späten Sorten nicht zu Ende pflücken. Das ist schade, da die Saison sicherlich unter anderen Witterungsbedingungen noch eine Woche gedauert hätte. Die Selbstpflücke war in diesem Jahr gefragt. Viele Betriebe sind mit der Direktvermarktung zufrieden – im Gegensatz zur Handelsvermarktung. Die Erdbeererzeuger sind gerade dabei, für die Saison 2027 neue aromatische Erdbeersorten zu pflanzen. Obwohl das bei der Hitze nicht so einfach ist, geben sie bereits jetzt ihr Bestes für das kommende Jahr“, erklärt Christian Wach, Erdbeeranbauberater für Süddeutschland.

„Die meisten Betriebe haben mit der großen Hitze aufgehört, also etwas früher als erwartet. Jetzt wird noch ein wenig die Spätsorte 'Malwina' und Erdbeeren von Remontierern gepflückt. Die Erdbeererzeuger sind angesichts der Direktvermarktung mit ihren stabilen Preisen sehr positiv gestimmt. Hingegen war der Erdbeerpreis im Lebensmittelhandel in der letzten Zeit sehr stark unter Druck, was ein großes Problem für die Betriebe ist, die ihre Erdbeeren darüber vermarkten“, bilanziert Katrin Hetebrügge, Erdbeeranbauberaterin in Südhessen.

„Es war ein durchschnittliches und in der Handelsvermarktung preislich angespanntes Jahr. In der Direktvermarktung konnten stabile Preise erzielt werden. Die Tunnelsaison war lange durch Nachtfrostgefahr geprägt mit entsprechend aufwendigem Lüftungsmanagement. Vor allem die nasse Phase im Mai zu Beginn der Freilandsaison war eine große Herausforderung für die Erdbeerbetriebe in Nordrhein-Westfalen. Die Strohverspätung im Freiland hat zunächst gut funktioniert; die Hitze in den letzten Tagen hat die Ernte jedoch nochmal verkürzt. Jetzt werden noch die letzten Mengen Erdbeeren der Spätsorten im Freiland gepflückt“, resümiert Sarah Meyer, Beerenobstberaterin in Nordrhein-Westfalen. In Nordrhein-Westfalen werden auf ca. 200 Hektar Fläche Remontierer auf Stellage angebaut. Auf diesen Flächen beginnt nun die zweite Erntewelle und die Ernte wird bis in den Herbst fortgesetzt.

Verbraucherpreise für Erdbeeren werden im Schnitt unter denen des Vorjahres liegen

Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) lagen die durchschnittlichen Verbraucherpreise für deutsche Erdbeeren über alle Vermarktungswege von Jahresbeginn bis einschließlich Mai nur 1% über dem Vorjahresniveau. „Wir gehen aber davon aus, dass der durchschnittliche Erdbeerpreis mit den Zahlen vom Juni sogar unter den Durchschnittspreis von letztem Jahr fallen wird, und dies trotz der stark gestiegenen Produktionskosten“, erklärt Eva Würtenberger, Marktexpertin der AMI. Der Preisverfall in KW 21 und KW 22 war nicht durch die Marktlage erklärbar, denn es gab keine Übermengen. Auffällig in diesem Jahr war, dass Angebotsaktionen mit Importerdbeeren aus Südeuropa, vor allem Spanien, länger im Vergleich zu den Vorjahren im Lebensmitteleinzelhandel liefen.

Heißbegehrte Früchtchen – nur Witterung kann Erdbeerlust bremsen

Durchschnittlich kaufte jeder Haushalt seit Jahresbeginn bis Ende Mai laut AMI rund 2,66 kg Erdbeeren, das entspricht in etwa dem Spitzenniveau von 2,7 kg aus dem Jahr 2025. Sowohl die Einkaufsmenge deutscher Erdbeeren als auch die der Import-Erdbeeren fiel etwas schwächer aus. Nicht nur die Einschnitte in Südeuropa aufgrund der witterungsbedingten Produktionsausfälle sind im Fall der Importbeeren (Einkaufsmenge Februar/März) dafür verantwortlich, im Mai haben die Eisheiligen auch etwas auf die Kauflust gedrückt.

Am Wochenende werden Erdbeeren selbst gepflückt

Auch in diesem Jahr nutzten Erdbeerfans die Selbstpflückangebote der Erdbeererzeuger sehr gut. Der Ansturm auf die Selbstpflückfelder war vor allem an den Wochenenden und bei besonderen Events und Aktionen groß.

Erdbeersaison noch auskosten und verlängern

Gerade bei heißen Temperaturen sorgen Erdbeeren mit Joghurt oder Quark für eine leichte und sättigende Mahlzeit. Wer jetzt noch Erdbeermarmelade kochen möchte, sollte in den nächsten Tagen noch Erdbeeren besorgen. Erdbeeren lassen sich auch gut einfrieren und als Eiswürfel oder für Erdbeereis nutzen.

Darüber hinaus gibt es noch in den wärmeren Monaten regionale Erdbeeren von besonders lang tragenden Erdbeersorten, die von Spezialisten im geschützten Anbau produziert werden.

Im Norden geht die Saison noch weiter

In Norddeutschland sind die Betriebe über 50% der Haupternte hinweg. „In den Hauptkulturen wird es mit der Hitze schnell zu Ende gehen. Wir beginnen jetzt mit der Pflücke der Spätsorten, der Frigopflanzen – je nach Pflanztermin – und je nach Sorte wieder mit den Remontierern. Diese Saison war geprägt durch Kapriolen: die Kältephase mit der dadurch bedingten fehlenden Nachfrage und den Preiskämpfen im Großhandel“, erklärt Tilman Keller, Erdbeeranbauberater für Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Vorbereitungen für Erdbeersaison 2027 laufen

Fast ein Jahr Vorlauf benötigt die Erdbeersaison. So pflanzen die Erdbeererzeuger aktuell trotz der großen Hitze einige neue aromatische Erdbeersorten für die Saison 2027. 

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