Schweiz: Tiefste Kartoffelernte seit Messbeginn

Seit Beginn der Aufzeichnungen wurden in der Schweiz nie weniger Kartoffeln geerntet als in diesem Jahr.

Der Hitzesommer wirkt sich auf die Kartoffelernte in der Schweiz aus. Bild: GABOT.

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Als Hauptgrund dafür nennen Expert:innen den Hitzesommer und die langen Trockenphasen. Um in Zukunft auf robustere, klimaresilientere Kartoffeln zurückgreifen zu können, fordert der Branchenverband swisspatat den Bund auf, neue Züchtungstechnologien gleich zu regeln wie die EU.

Der Hitzesommer wirkt sich auf die Kartoffelernte in der Schweiz aus. Schaut man sich die diesjährige Gesamternte an, so wurden noch nie weniger Kartoffeln geerntet als in diesem Jahr (333.000 Tonnen). Zum Vergleich: In den Jahren 2020–2025 wurden im Schnitt fast 20% mehr geerntet (411.000 Tonnen). Historisch tief sind die Werte auch in der Betrachtung der Erträge pro Hektar. Dieses Jahr sind es 29,4 Tonnen pro Hektar. Von 2020 2025 waren es noch 37,9 Tonnen. Weniger Ertrag gab es letztmals vor über 60 Jahren (1965: 23,1 Tonnen/Hektar). Kommt hinzu, das die Kartoffeln dieses Jahr im Verhältnis kleiner sind als in anderen Jahren. Die Qualität aber ist gut. Das ergeben die Hochrechnungen aus den repräsentativen Probegrabungen, die Mitte bis Ende August 2026 in der ganzen Schweiz durchgeführt worden sind.

Es fehlen 130.000 Tonnen Kartoffeln

Der Branchenverband swisspatat errechnet für das Jahr 2026 eine Kartoffelfehlmenge von ca. 130.000 Tonnen. Diese müssen importiert werden. Für den Selbstversorgungsgrad heißt das, das dieser zu rund 70 bis 75% erreicht wird (durchschnittlich sind es 85%). Das wird sich auch in den Regalen und den Preisen bemerkbar machen. Die Kartoffeln können teurer werden und häufiger aus dem Ausland stammen. Eine Kartoffelkrise im Sinne, das es für den Privatkonsum oder die Industrie zu wenig gäbe, droht aber nicht. Dennoch: Der Klimawandel wird zur großen Herausforderung für die gesamte Kartoffelbranche. Hitze, Trockenheit oder auch zu nasse Frühlinge und Sommer begünstigen Krankheiten und Schädlinge. Vor dem Hintergrund, das immer weniger Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen, wird dies zu noch größeren Ertragsschwankungen führen. Die Versorgungszuverlässigkeit nimmt ab.

Bewässerung steigert die Erträge um etwa die Hälfte

Die ausgeprägte Trockenheit von Frühling bis Sommer dieses Jahres zeigt eindrücklich auf, wie sich Wassermangel auf die Erträge der Kartoffelernte auswirkt. Ca. 50% der Schweizer Kartoffelfelder wurden diese Saison bewässert. Diese Felder wiesen im Mittel 55% mehr Ertrag aus als solche, die nicht bewässert werden konnten. Diese Zahlen verdeutlichen, wie stark sich so ausgeprägte Dürren auf die Ernten auswirken. Und wie wichtig der Zugang zu Wasser für die Kartoffelproduktion ist – und in Zukunft sein wird. Die Kartoffel gerät also weiter unter Druck. Auf diese Entwicklung reagiert die Kartoffelbranche seit 2020 und hat entsprechende Maßnahmen ergriffen. Dabei liegt der Fokus auf resilienteren Sorten. Seit 2024 existiert hierzu eine konkrete Zielvereinbarung mit dem Bund. Diese sieht vor, die Kartoffelproduktion bis ins Jahr 2040 zu 80% mit robusteren Sorten leisten zu können. Bereits heute machen diese Sorten 20% der Kartoffelanbauflächen aus. Um den erwartbaren Auswirkungen des Klimawandels in Zukunft noch verstärkt begegnen zu können, sind laut Christian Bucher, Geschäftsführer von swisspatat, zwei Faktoren von zentraler Bedeutung: "Wollen wir auch in Zukunft eine hohe Versorgungszuverlässigkeit mit Schweizer Kartoffeln garantieren, müssen wir in Sachen neue Züchtungstechnologien mit der EU Schritt halten können. Denn die Züchtung neuer, robuster Sorten dauert bis zu 15 Jahre und diese Zeit haben wir nicht. Und: Die Kartoffelbranche muss bei der Ausarbeitung von Wasserstrategien involviert werden. In beiden Fällen ist der Bund gefragt."

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