Raps- oder Palmöl: "Die Frage stellt sich nicht"

Interview mit Felix Meier, Geschäftsführer der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) über die Produktion von pflanzlichen Ölen in der Schweiz.

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Interview mit Felix Meier, Geschäftsführer der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) über die Produktion von pflanzlichen Ölen in der Schweiz.

Herr Meier, sollen wir Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal folgen und aufhören, Nutella zu essen?
Felix Meier: Für die Produktion von Palmöl benötigt man im Vergleich zu Rapsöl rund fünf Mal weniger Fläche. Ein Palmölverbot würde also riesige Flächen mit intensiv betriebener Landwirtschaft erfordern. Die Produktion von Palmöl ist daher grundsätzlich sinnvoll und effizient. Zurzeit liegen die großen Probleme in der Produktion von pflanzlichen Ölen in der Abholzung von wertvollen Tropenwäldern. Grund dafür ist die große Nachfrage, welche zur Umwandlung der Wälder zu Plantagen führt.

Wie kann die Schweiz helfen, die Zerstörung der wertvollen Wälder zu verhindern? Verhindert ein Verbot von Palmöl die Abholzung?
Kaum, denn die Nachfrage im Ausland ist zu groß im Vergleich mit dem Schweizer Konsum. Die noch kleinen, aber positiven Entwicklungen hin zu einer nachhaltigeren Produktion würden mit einem generellen Importverbot wohl im Keim erstickt, denn gerade die Nachfrage von Schweizer Unternehmen wie der Migros, dem Coop und heute auch Nestlé unterstützen diesen Weg. Mit einem Importstopp würde diese positive Entwicklung wohl wieder verschwinden.

Trägt die Förderung von RSPO-zertifiziertem Palmöl/fett zur Verdrängung des Rapsöls bei?
Die bereits erwähnte hohe Effizienz der Palmölpflanze schlägt sich nebst den günstigen Produktionskosten in Ländern des Südens natürlich auf den Preis nieder. Im Gegenzug ist die Schweizer Landwirtschaft hoch subventioniert. Auch der Raps wird in intensiven Kulturen angebaut, was nicht sonderlich umweltfreundlich ist. Ob nun also Raps- oder Palmöl die ökologischere Variante ist, hängt von der Betrachtungsweise ab. Es stellt sich also nicht die Frage Raps oder Palmöl. Viel wichtiger als ein solcher Vergleich wäre eine möglichst ökologische Produktion beider Öle. Und hierzu braucht es die vermehrte Nachfrage nach zertifizierten Ölen – egal ob Raps- oder Palmöl.

Oder verteuert die WWF-Förderung im Gegenteil das Palmöl/-fett und fördert damit einheimische Quellen zumindest indirekt?
Zurzeit gibt es keine gesetzlichen Anforderungen an die Produktion von importiertem Palmöl. Das heißt, der Preis am Markt ist wohl das wichtigste Kriterium für den Entscheid, welches Öl man einsetzt. Zertifiziertes Palmöl muss entlang des Lieferweges überwacht oder separat gelagert und transportiert werden. Das führt zu höheren Preisen. Das heißt, das teurere zertifizierte Palmöl verdrängt das Rapsöl weniger als unzertifiziertes.

Gemäß welchen Anbaubedingungen ist die Rapsöl-Produktion in der Schweiz sinnvoll?
Grundsätzlich ist Rapsöl mit dem IP-Suisse -, Terra Suisse - oder noch besser mit einem Bio-Label zu begrüßen. Die Labels gewähren einen sorgsamen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und die Förderung der Biodiversität in der Landwirtschaft.

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