PotatoEurope und SugarBeet Expo 2026: 290 Aussteller

Mit einer gemeinsamen Bühne für die Wertschöpfungsketten Kartoffel und Zuckerrübe sind die PotatoEurope 2026 und die erstmals veranstaltete SugarBeet Expo am Mittwoch, 9. September, auf dem Rittergut Gestorf 1 in Springe bei Hannover eröffnet worden.

DLG-Präsident Hubertus Paetow: Produktionssysteme resilient für den globalen und innerbetrieblichen Wettbewerb aufstellen. Bild: DLG / T. Jaworr.

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Die PotatoEurope feiert ihr 20-jähriges Bestehen, die SugarBeet Expo findet erstmals statt: In der Form einer kombinierten Plattform für die beiden marktbedeutenden Hackfrüchte genießt die Freiluft-Messe ein Alleinstellungsmerkmal in Europa. Im Mittelpunkt von PotatoEurope und SugarBeet Expo stehen Lösungen für einen effizienten, ressourcenschonenden und klimaangepassten Hackfruchtanbau. DLG-Präsident Hubertus Paetow betonte zur Eröffnung, dass die Branche ihre Produktionssysteme an veränderte klimatische und wirtschaftliche Bedingungen anpassen müsse und dafür praxistaugliche Technik, innovative Forschung und verlässliche politische Rahmenbedingungen brauche. Volatile Märkte und Klimafolgen seien die Realität, auf die Branche und Betriebe mit effizienten und wettbewerbsfähigen Prozessen antworten müssten. 

Kartoffeln und Zuckerrüben hätten in besseren Zeiten gute Erlöse ermöglicht und in hohem Maße zur Risikostreuung sowie Stabilität landwirtschaftlicher Betriebe beigetragen, sagte DLG-Präsident Hubertus Paetow in seinem Grußwort zur Eröffnung von PotatoEurope und Sugarbeet Expo. Heute dagegen setzten Hitze, Dürre und invasive Schädlinge Anbau und Prozessketten für beide Hackfrüchte unter Druck. Die Wertschöpfungsketten für Kartoffeln und Zuckerrüben zukunftsfähig aufzustellen, hat Paetow zufolge hohe Priorität über die Branchengrenzen hinaus: Beide Kulturen zusammen erwirtschafteten rund 16% des Umsatzes der deutschen Pflanzenproduktion. Von jeher seien Kartoffel und Rübe bedeutsame Energielieferanten in Deutschland und Europa und würden somit erheblich zur Ernährungssicherung beitragen.

Dürre mit angepasster Produktionstechnik begegnen

„Unsere Hauptaufgabe ist aktuell die Anpassung unserer Produktionssysteme“, unterstrich der DLG-Präsident. Der Klimawandel sei viel schneller in der landwirtschaftlichen Realität angekommen als erwartet. Für die Betriebe sowie Agribusiness und Forschung sei vor diesem Hintergrund eine zentrale Aufgabe, Ertrag und Qualität auch unter veränderten Bedingungen zu sichern – von der Fruchtfolge über die tägliche Bewirtschaftung bis zur Sortenwahl: „Gegen Dürre und Bakterien können wir uns mit angepasster Produktionstechnik wehren“, stellte Paetow fest. Was Kartoffel- und Zuckerrübenanbau darüber hinaus bräuchten: Resistenzzüchtung und eine Pflanzenschutzpolitik, die eine dem Schädlings- und Krankheitsdruck angemessene Behandlung ermögliche.

Verlässliche Insektizid-Strategien für SBR- und Stolbur

Beim Umgang mit SBR und Stolbur sowie bei der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade als Überträgerin dieses ertragsgefährdenden Krankheitskomplexes bestehe noch Handlungsbedarf. Die Landwirtschaft brauche gangbare und verlässliche Insektizid-Strategien – ein „Hangeln von Notfallzulassung zu Notfallzulassung“ sei das Gegenteil von Verlässlichkeit und Planbarkeit. Zugleich zeige der Umgang mit dem SBR- und Stolbur-Komplex, dass ein systematisches Vorgehen und das Zusammenwirken von Landwirtschaft, Industrie, Beratung sowie Forschung und Entwicklung tragfähige Lösungen ermöglichen könnten. Erforderlich sei daher eine innovations- und forschungsfreundliche Politik, die in vertretbarem Umfang auch den Mut aufbringe, neue Lösungswege zuzulassen.

Weltmarkt ist Maßstab für die Zuckerbranche

Marktfaktoren seien demgegenüber weder durch Landwirtschaft, Agribusiness und Forschung, noch durch Politik und Verwaltung direkt steuerbar. Der DLG-Präsident verwies in dem Zusammenhang auf die volatile Lage am liberalisierten und global beeinflussten Zuckermarkt. Der Weltmarkt sei aber „nach dem Ende der Zuckermarktordung unser Maßstab“, stellte Paetow dazu fest. Zwar habe der Weltmarktpreis für Zucker sich global nach den Krisenjahren 2023 bis 2025 heute wieder auf niedrigem Niveau stabilisiert: „Das ist aber ein Niveau, zu dem in der EU kein Zucker erzeugt werden kann, zumindest nicht bei den hiesigen Flächen-, Arbeits- und Energiekosten.“ Das bekäme aktuell insbesondere der Zuckeranbau im Süden zu spüren, wo die Dürre im Sommer 2026 den Beständen besonders zugesetzt habe: „Wenn dann die Erträge nicht stimmen, wird der einstige Vorzeigebetriebszweig zur Belastung“, analysierte Paetow. Anders sei die Lage am Kartoffelmarkt, der Preisschwankungen schon lange kenne.

Die Gesetze des regionalen Marktes ermöglichten für die Wertschöpfungskette Kartoffel einen „ausgleichenden Zusammenhang zwischen Ertrag und Preis. Und so kann man hoffen, dass nach dem Tief des letzten Jahres in der kommenden Saison eine bessere Rentabilität zu erwarten ist.“

Neue Systeme unter freiem Himmel und Praxisbedingungen erleben

Für beide Kulturen gelte aber aus Sicht der Betriebe eines: Wenn Rübe und Kartoffel langfristig einen Einkommensbeitrag leisten sollen, dann muss die Produktion sowohl im innerbetrieblichen als auch im globalen Wettbewerb bestehen, betonte Paetow. PotatoEurope und SugarBeet Expo legten passend dazu ihren Fokus auf Trends in Produktionssystemen. Die Freilichtmesse biete somit den Rahmen, neue technische Lösungen, Innovationen und Anbaukonzepte unter realen Praxisbedingungen in Augenschein zu nehmen. Branchenteilnehmer erhielten in den kommenden zwei Tagen die Gelegenheit, neue Konzepte und Technologien vor dem Hintergrund volatiler Märkte, der Klimafolgenanpassung und steigenden Anforderungen an Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität zu diskutieren. Die neuesten Lösungen für das präzise Legen und Säen, die Ernte, den Transport, die Reinigung und die Verladung stehen dabei im Mittelpunkt. Versuchsfelder und Demoflächen machen Sorten sowie Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen vergleichbar. Digitalisierung, Automatisierung und Robotik können ihren Beitrag leisten, Stückkosten zu senken, den Fachkräftemangel abzufedern und die Widerstandsfähigkeit der Betriebe zu erhöhen. 

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