Kastanien: Miniermotten in der Hormonfalle

Sie sind der Kastanie ärgster Feind: Die Larven der Kastanien-Miniermotte befallen im Frühjahr mit Vorliebe die weißblühende Rosskastanie und lassen sie innerhalb weniger Wochen alt und welk aussehen. Linderung schaffen Pheromonfallen, die paarungsbereite Männchen in die Irre führen und rechtzeitig aus dem Verkehr ziehen.

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Sie sind der Kastanie ärgster Feind: Die Larven der Kastanien-Miniermotte befallen im Frühjahr mit Vorliebe die weißblühende Rosskastanie und lassen sie innerhalb weniger Wochen alt und welk aussehen. Linderung schaffen Pheromonfallen, die paarungsbereite Männchen in die Irre führen und rechtzeitig aus dem Verkehr ziehen. 

Mit den Blüten kommen die Motten: Kaum beginnen die Rosskastanien Ende April ihre weiße Pracht zu entfalten, paart sich auch ihr größter natürlicher Gegenspieler, die Kastanien-Miniermotte. Sobald sie befruchtet sind, legen die Weibchen des Kleinstschmetterlings ihre Eier auf der Oberseite der Blätter ab. Es kommt, wie es kommen muss: Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Larven des Schädlings und haben kurz darauf die Rosskastanie fest im Griff. Denn in ihrer Eigenschaft als "Saftschlürfer" lassen sie sich das Gewebe zwischen Ober- und Unterseite des Blattes schmecken. Hierfür bohren sich die Larven zunächst in das Blatt und fressen sich dann genüsslich fort. Satt und zufrieden verpuppen sie sich schließlich in den Blattminen, die sie hinterlassen haben, und überlassen die angegriffene Kastanie ihrem Schicksal. Und das ist alles andere als rosig.  

Der Mai ist gekommen, die Blätter werden braun
Als sei es bereits Herbst, verfärben sich die Blätter der Wirtsbäume bei starkem Befall durch die Kastanien-Miniermotte innerhalb kürzester Zeit rostbraun, verkrümmen sich nach innen, vertrocknen und fallen zu Boden. Im schlimmsten Fall kann die Kastanie bereits im Juli komplett braun sein. Das Vergilben des Laubes ist keineswegs nur ein Schönheitsfehler. Ohne Laub ist die Rosskastanie nicht mehr in der Lage Photosynthese zu betreiben. Durch die alljährliche Wiederkehr der nur fünf Millimeter großen Falter und den begleitenden Verlust seiner Ernährungsgrundlage kann der Baum auf Dauer so stark geschwächt werden, dass er letztendlich eingeht.  

Immer der Nase nach: Lockstoffallen helfen Rosskastanien
Die gute Nachricht: Es ist dem Menschen möglich, die Kastanien-Miniermotte in ihre biologischen Schranken zu verweisen. Ein effektives Mittel, um den Schädling in Schach zu halten, sind Pheromonfallen, weiß Dr. Helmut Haardt, der im auf ökologische Techniken spezialisierten Unternehmen re-natur für den biologischen Pflanzenschutz zuständig ist. Mitte April in einer Höhe ab zwei Metern in der inneren Kastanienkrone angebracht, locken die Trichterfallen männlichen Miniermotten auf Paarungssuche mit dem weiblichen Sexuallockstoff an. Einmal in die Falle geflogen, verenden die fortpflanzungswilligen Motten rasch in mit Spülmittel versetztem Wasser. Die Folge: Zahlreiche Mottenweibchen bleiben unbefruchtet und belasten den Baum nicht mit dem Appetit ihrer Nachkommenschaft, erläutert Haardt das Prinzip.  

Nach der Motte ist vor der Motte
Werden die Weibchen hingegen Ende April nicht an ihrer Begattung und an der Eiablage gehindert, schlüpfen schon im Juni aus den in den Rosskastanien-Blättern verpuppten Larven neue Falter. Nach kurzer Paarung schließt sich der Kreislauf erneut mit einer Eiablage der zweiten Mottengeneration. Bei günstigen Bedingungen kann die Kastanien-Miniermotte bis zu vier Generationen pro Jahr entwickeln, die sich bis zum Herbst durch die gesamte Baumkrone fressen. Deshalb sollten die Lockstoffallen zum Schutz der Bäume bis Ende Oktober hängen bleiben. Alle vier bis sechs Wochen wird die Falle mit einer frischen Pheromonkapsel bestückt. Im Winter frostfrei gelagert, kann sie im Frühjahr des darauffolgenden Jahres wieder verwendet werden.  

Zu guter Letzt hat der Nützlingsexperte von re-natur noch einen alles entscheidenden Tipp: Wer die Kastanien-Miniermotte auf lange Sicht an ihrer Vermehrung hindern möchte, sollte unbedingt auch das Laub der befallenen Kastanie einsammeln und verbrennen. Denn in den gefallenen Blättern befinden sich noch zahlreiche Puppen des Schädlings, die im Laub überwintern und im Frühjahr sofort wieder zum Angriff auf die Rosskastanien übergehen.  

Die Pheromonfallen können im Onlineshop von re-natur unter www.re-natur.de bestellt werden. (Quelle: re-natur) 

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