Italien: Städte geben zu wenig für Grünanlagen aus

Pflanzen sind wertvolle Verbündete im Kampf gegen die Umweltverschmutzung, aber die Gemeinden geben mit 60 Cent pro Quadratmeter immer noch zu wenig für öffentliche Grünanlagen aus.

So grün wie in Vigodarzere sieht es in Italien nicht überall aus. Bild: GABOT.

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Die Städte in Italien sind für 70% der Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre verantwortlich. Die Pflanzen, die 20 bis 50 kg Kohlendioxid in einem Jahr aufnehmen können, sind wertvolle Verbündete im Kampf gegen die Umweltverschmutzung, aber die Gemeinden geben mit 60 Cent pro Quadratmeter immer noch zu wenig für öffentliche Grünanlagen aus, wie der Verband der Blumengärtner Asproflor auf der 43. EIMA feststellte.

90% der Weltbevölkerung atmet verschmutzte Luft ein. Und der Smog ist laut der Weltgesundheitsorganisation für den Tod von 7 Millionen Menschen pro Jahr verantwortlich, mit globalen Kosten von 1.700 Mrd. Dollar. Dramatische Zahlen, die auch in Italien zu beklagen sind, mit 90.000 Toten pro Jahr, von denen 66.000 auf den Feinstaub entfallen. Die Pflanzen, die in einem Jahr 20 bis 50 kg Kohlendioxid aufnehmen können, sind wertvolle Verbündete im Kampf gegen die Umweltverschmutzung, und trotzdem investiert die öffentliche Hand noch immer viel zu wenig Geld in öffentliches Grün. Denn die Gemeinden geben im Durchschnitt lediglich 60 Cent pro Quadratmeter aus, und 96 von 116 Provinzhauptstädten haben weniger als 5 % der Gemeindefläche mit öffentlichen Grünanlagen besetzt. Nur 11 Gemeinden haben einen Plan oder eine Regelung für ihr öffentliches Grün. Diese alarmierenden Fakten gab der Verband der Blumengärtner auf dem internationalen Agrarmaschinensalon EIMA in Bologna bei der Tagung “Die Wohltat der Farben der Natur in den Städten” bekannt. An der Tagung nahmen Wissenschaftler des italienischen Forschungsrates CNR teil, die den aktuellen Stand der Forschung darlegten. So ist zum Beispiel bewiesen, dass eine Grünfläche vor einem Spital die Dauer der Krankenhausaufenthalte um 20% verringert. So wie auch belegt ist, dass die Städte mit 70% des Gesamtwertes die Hauptverantwortlichen für die Emission von Treibhausgasen in die Atmosphäre sind. Deshalb fördert Asproflor zahlreiche Initiativen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit. “Öffentliche Grünanlagen sind kein Kostenfaktor, ganz im Gegenteil: sie senken die Gesundheits- und die Energiekosten”, erläutert Sergio Ferraro, Vizepräsident des Verbandes, für den die Privatwirtschaft an der Gestaltung der öffentlichen Grünanlagen mitwirken und als Gegenleistung Steuererleichterungen bekommen sollte. Um auch in den Städten grüne Lungen zu schaffen, wurde das Projekt Comuni Fioriti (blühende Gemeinden) von Asproflor ins Leben gerufen, mit dem Ziel, kleine und mittelgroße Städte wieder lebenswerter zu gestalten. Und es gibt immer mehr Initiativen, die eine Vergrößerung der Grünflächen anstreben. Neue Möglichkeiten eröffnen vertikale Lösungen, wie die Teilnehmer an den zwei heutigen von der Stiftung BioHabitat gesponserten Gesprächsrunden zu den Themen vertikales Grün und Hängegärten sowie Landschaftsgestaltung im urbanen Bereich im Rahmen der Fachsalons EIMA M.i.A. und EIMA Green hervorhoben. Viele nachahmenswerte Beispiele kommen auch aus dem Ausland: Stuttgart fördert das Anlegen von Dachgärten und in Singapur wurde ein begrüntes Spital errichtet. Auch in Italien wird das Konzept der smarten Städte neu überdacht und der Fokus vermehrt auf Umwelt und urbanes Grün gerichtet. Von der Nachkriegszeit bis heute – erklärten die an den zwei Gesprächen am runden Tisch beteiligten Planer – hat nur Trentino-Südtirol als einzige Region Italiens ihr Landschaftserbe bewahrt. Und jeden Tag werden in Italien 70 Hektar Boden zerstört. Ein Zustand, der nach einer integrierten Strategie verlangt, nach einer modernen Stadtplanung, mehr öffentlichen Grünflächen, effizienten Öffis und einer 100%igen Mülltrennung. (Quelle: EIMA)

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