Ist Biotechnologie unverzichtbar?

Die Anwendung von Biotechnologie bei der Veredelung von Zierpflanzen findet bisher nicht in großem Umfang statt. Züchter vertrauen in der Regel auf alte, bewährte Verfahren und nutzen nur in geringem Ausmaß die Möglichkeiten der Biotechnologie.

 

Grund dafür ist, dass der Einsatz teurer Technologien im Zierpflanzenbau häufig nicht rentabel ist, da es sich meist um kleine Produktionsmengen handelt, wenn man einen Vergleich mit den „großen” Kulturen in der Landwirtschaft wie Soja, Mais, Reis, Getreide und Kartoffeln zieht. Auch die Angst, das Vertrauen der Konsumenten zu bisher so sympathischen Produkten wie Blumen und Pflanzen zu verlieren, spielt dabei eine Rolle.

 

Maarten Jongsma von Plant Research International (PRI), eine Abteilung der Wageningen UR ist der Meinung, dass die niederländischen Züchter mit dieser Zurückhaltung ein gefährliches Spiel spielen.

 

Blumenbüro Holland: Besteht für die Niederlande die Gefahr, den Anschluss bei der Entwicklung neuer Sorten zu verlieren und gilt das auch für den Zierpflanzenbau?

 

Maarten Jongsma:„Ja, meiner Meinung nach schon. Rund um den Bereich der genetischen Modifikation verändert sich viel. China lanciert in Kürze genetisch modifizierten Reis. Und Monsanto, weltweit führend auf diesem Gebiet, hat im vergangenen Jahr das größte Gemüsezuchtunternehmen der Welt aufgekauft. Diese zwei Fakten markieren eine Wende, die darauf hinweist, dass große Teile der Welt, begonnen mit Asien, genetisch modifizierte Nahrungsmittel akzeptieren und konsumieren.

 

Es ist sehr interessant zu sehen, dass durch die Übernahme von Seminis durch Monsanto einige europäische und auch niederländische Gemüsezüchter sich plötzlich nicht mehr negativ zur Biotechnologie äußern und neue Forschungsprogramme auf diesem Gebiet initiieren. Sie hätten dies, denke ich, lieber nicht getan, da sie auf dem konventionellen Markt gut positioniert sind. Nun da die Möglichkeit besteht, dass ein großer und starker Konkurrent wie Monsanto-Seminis Produkte biotechnologischer Herkunft auf den Markt bringen wird, hat sich das Kräfteverhältnis geändert und sie müssen reagieren. Die großen Kulturen wie Mais, Baumwolle und Soja haben gezeigt, dass die Akzeptanz für genetische veränderte Pflanzen blitzschnell vorhanden war.

 

Vergleichbares vollzieht sich nun auch im Zierpflanzensektor. Florigene bringt in diesem Jahr aktiv, genetisch modifizierte Nelken auf den europäischen Markt. Die Nelken sind violettblau, eine Farbe, die in der Natur nicht vorkommt. Eine ähnliche Farbe gibt es bereits bei Rosen. Niederländische Züchter und Produzenten können dieses Material nicht verwenden und aufgrund des Patentschutzes auch nicht einkreuzen. Die Pflanze wurde in Australien entwickelt und wird nun in Ecuador produziert. Durch die neue Farbe Blau werden andere Farben Einbußen hinnehmen müssen und der Zierpflanzensektor verliert Marktanteile direkt an ausländische Konkurrenten, die zu einem früheren Zeitpunkt in Biotechnologie investiert haben.”

 

Blumenbüro Holland: Biotechnologie soll sehr kostspielig sein. Ist das nicht Grund genug, um sie nur sehr eingeschränkt einzusetzen?

 

Maarten Jongsma: „Man muss natürlich immer gut mit seinem Geld umgehen und nicht zu früh in neue Entwicklungen investieren. Die Einführung der blauen Nelken und in Kürze der blauen Rosen auf dem europäischen Markt markiert eine echte Trendwende, aus der man seine Schlüsse ziehen muss. Ich bin überzeugt davon, dass diese Kulturen schon bald sehr gewinnbringend sein werden. Da man viel besser in der Lage sein wird, seine Investitionen wieder zu erwirtschaften. Züchterschutz ist eine schöne Sache.

 

Aber er macht es recht schwierig die eigene Konkurrenzposition länger als ein oder zwei Jahre zu festigen. Der Preisverfall, der dann folgt, mindert die Investitionsmöglichkeiten und führt dazu, dass der Sektor nur kleine Gewinnmargen zulässt. Die Einführung von Hybrid-Sorten im Gemüsebau hat viele Betriebe in die Lage versetzt, die eigene Position länger zu sichern und die Investitionen leichter zu erwirtschaften. Und man sieht auch, dass der Zuchtsektor ökonomisch erfolgreicher ist als der Zierpflanzenbau.

 

Mit Patentrecht auf Pflanzeneigenschaften wird sich dies noch verstärken und man kann die eigene Position 20 Jahre lang behaupten. Die Kostenbasis ist für Zierpflanzen übrigens viel günstiger als bei Nahrungsmitteln. Man muss sich nur mit den Umweltauflagen auseinandersetzen und diese sind im Gewächshaus, mit in bestimmten Gebieten produzierten Kulturen, viel leichter zu erfüllen als für in Feldkultur produzierte landwirtschaftliche Produkte, die weltweit große Flächen einnehmen. Ein Sprecher von Florigene schätzt die Kosten für die Zulassung für eine blaue Rose in Japan zum Beispiel auf hunderttausend Euro. Dass ist ein Bruchteil der Summe, die in der Regel für Nahrungsmittelkulturen verlangt werden.”

 

Blumenbüro Holland: Welche sind die wichtigsten Problembereiche bei der Veredelung von Zierpflanzen, die mit Hilfe der genetischen Modifikation gelöst werden können?

 

Maarten Jongsma: „Ich glaube, dass Botrytis- und Trips-Resistenz Eigenschaften sind, die der Sektor auf breiter Ebene benötigt. Dies sind Probleme, die den Wert des Endproduktes stark beeinflussen und für die es im Allgemeinen keine gute bezahlbare Lösung gibt. Plant Research International hat eine Anzahl guter Patente auf diesem Gebiet, die wir gerne zusammen mit dem Zierpflanzenbau breit auf den Markt bringen wollen, damit sie von möglichst vielen Gärtnern genutzt werden können. Das Innovationsprogramm „Flowers en Food“ ist dafür ein guter Ausgangspunkt. Doch auch das neue Pflanzenschutzprogramm von LNV wird sich programmatisch für diese Themen einsetzen können.” (bbh)

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