Im Interview: Denny Apsel

Nach einer Ausbildung zum Landschaftsgärtner hat Denny Apsel an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ein Studium im "Landschaftsbau und Landschaftsmanagement" begonnen. Im Frühjahr 2022 hat er seine Bachelorarbeit mit dem Titel "Konflikte und Umgang mit Schottergärten in Hinblick auf den Klimawandel" vorgelegt.

Schotterflächen sind Denny Apsel schon während seiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner unangenehm aufgefallen. Er bezeichnet sie als "künstlich erzeugte Wüsten". Bild: BGL/Apsel.

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Basis der Untersuchung von Denny Apsel ist eine umfangreiche Kartierung der Flächennutzung in mehreren Baugebieten sowie Befragungen beteiligter Parteien - Baustoffhandel, Städte/Gemeinden, Planer, Landschaftsgärtner und auch Haus- und Gartenbesitzer. Aktuell ist er als Vorarbeiter in einem GaLaBau-Unternehmen in Baden-Württemberg beschäftigt.

Herr Apsel, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich in Ihrer Bachelorarbeit ausgerechnet mit dem Phänomen der Schotterwüsten vor Häusern zu befassen?

Schotterflächen sind mir schon in meiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner unangenehm aufgefallen - sie sind meines Erachtens ja gar keine Gärten im eigentlichen Sinn, sondern künstlich erzeugte Wüsten. Im Studium haben sie offen gesagt keine besondere Rolle gespielt, aber auf Anregung meines Professors habe ich mich intensiver damit befasst und festgestellt, dass es zu dem Phänomen nur wenig wissenschaftliches Material gibt. Das war für mich der Anlass, dazu eine grundlegende Arbeit zu verfassen, mit Kartierung in einem definierten Gebiet und vor allem mit einer Befragung verschiedener Interessengruppen.

Wo kommen nach Ihren Kartierungen Schotterwüsten häufiger vor: in städtischen oder ländlichen Siedlungsbereichen?

Die Kartierung und die Vor-Ort-Recherche haben für das untersuchte Gebiet ergeben, dass Schotterwüsten eher in ländlichen Gebieten auftreten - dies sowohl bezogen auf die Siedlungsfläche als auch auf die Einwohnerzahl. Eine wirkliche Begründung dafür kann ich nicht geben, denke aber, es hat mit dem zur Verfügung stehenden Platz zu tun. In städtischen Lagen sind oft gar keine Vorgärten vorhanden. Aber aus meinen Befragungen weiß ich, dass viele sich aus Unkenntnis über die Folgen für Schotter entschieden haben.

In den Landes-Bauordnungen aller Bundesländer ist fast wortgleich die überwiegend gärtnerische Nutzung der nicht bebauten Flächen vorgeschrieben: Wie definieren Sie die Abgrenzung von Schotterwüsten zum Steingarten oder zur Verwendung von Splitt als Mulchmaterial?

Die Grenzen sind fließend, aber bei Steingärten liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der Bepflanzung. Dort geht es beispielsweise um die Nachbildung eines natürlichen, alpinen Lebensraums unter Verwendung standorttypischer Pflanzen. Ähnlich gilt das für Pflanzflächen mit Splittmulchung. Ziel ist hier, unerwünschten Aufwuchs, insbesondere in der Startphase zu verhindern, die Verdunstung zu minimieren oder einen Kontrast zur Pflanzung zu schaffen. Aber all diese Aspekte gelten eben nicht für das, was man Schotterwüste nennt. Wenn dort die ein oder andere Pflanze verwendet wird, dann als Fremdkörper, der Fokus liegt dort eben nicht auf Lebendigkeit und Fülle, sondern auf nüchterner Leere.

Was ist nach Ihrer Einschätzung der Hauptgrund für die Anlage von geschotterten Vorgärten?

Da gibt es nicht den einen Grund, vielmehr kommt hier verschiedenes zusammen: Es gibt eine zeitliche Komponente, viele Menschen geben an, sie hätten zu wenig Zeit, um ihre Vorgärten zu versorgen bzw. zu pflegen. Dazu kommt, dass der Platz vor dem Haus kaum mehr genutzt wird, die Menschen ziehen sich lieber in den Garten hinter dem Haus zurück und wollen möglichst wenig öffentlich werden. Andere nennen ästhetische Gründe: Schotterflächen strahlen für sie eine Klarheit und Ordnung aus, die ihnen tatsächlich gefällt. Dass diese Ordnung nur von kurzer Dauer ist, ahnen sie nicht und manche haben mir auch gesagt, dass sie die Entscheidung im Nachhinein bereuen. Dennoch, dieses Motiv muss man sehr ernst nehmen, zumal es für die Beratung einen wichtigen Ansatz bietet.

Können Sie uns auch etwas sagen zur Verteilung privater, gewerblicher und öffentlicher Schotterflächen, die Sie untersucht haben?

Innerhalb des kartierten Gebiets waren über 80% der Schottergärten in privater Hand, knappe 11% gewerblich und rund 8% kommunale Flächen. Auf den ersten Blick gibt es hier also einen starken Schwerpunkt im privaten Bereich. Wenn man aber die Schotterflächen summiert und dann gegenüberstellt, zeigt sich ein anderes Bild: Rund 45% liegen auf privaten Flächen, aber mit mehr als 22% im öffentlichen und sogar 32% im gewerblichen Bereich, gibt es dort in Summe mehr Schotterflächen. Wohlbemerkt, dies liegt daran, dass dort die Flächen einfach größer sind. In den Interviews wurde naheliegenderweise von Privatpersonen mehrfach auf das „Beispiel" von Kommunen und Gewerbetreibenden hingewiesen ...

Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um die Information und Beratung über die Nachteile von Schotterwüsten wirkungsvoller zu machen?

Ich denke, es ist unbedingt wichtig, aufzuzeigen, dass Pflanzflächen nicht pflegeaufwändig sein müssen und je nach Situation auch finanziell günstiger sind als Schotterwüsten. Es wäre hilfreich, Pflanzbeispiele zu zeigen, die Privatpersonen und Gewerbetreibende überzeugen. Umgekehrt könnte man Vergleichsflächen zeigen, wie Schotterwüsten nach einigen Jahren aussehen. Wichtig wäre in jedem Fall auch ein geschlossenes Auftreten aller Akteurinnen und Akteure gegen Schotterwüsten. Angesprochen sind hier zunächst Planende und Ausführende, aber auch die Verantwortlichen für Investitionen, Projektentwicklung und nicht zuletzt in den Kommunen.

Sie stellen in Ihrem Fazit unter anderem fest, dass in der Beratung der Privatkundinnen und -kunden eine möglichst hohe Pflanzenkenntnis der Fachleute des Garten- und Landschaftsbaus wichtig sei. Was empfehlen Sie hier Ihren Berufskolleginnen und -kollegen?

Landschaftsgärtner und Landschaftsgärtnerinnen, die sich mit Pflanzen auskennen, bauen eindeutig die schöneren, nachhaltigeren, interessanteren Gärten. Pflanzen sind meines Erachtens nicht einfach nur ein Baustoff neben anderen, sondern sie sollten im Fokus stehen. Sie machen unseren Beruf aus, sie bieten das größte Differenzierungspotenzial zu anderen Gewerken. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass, wenn einmal das Interesse an Pflanzen geweckt ist, sich eine Begeisterung entwickelt, die weiterwächst und das Thema immer interessanter und vielfältiger macht. Ich empfehle jedem Landschaftsgärtner und jeder Landschaftsgärtnerin sich schon in der Ausbildung intensiv mit Pflanzen zu beschäftigen, wenn die Pflanzplanung und Pflanzung funktionieren, ist das das größte Erfolgserlebnis.

Vielen Dank!

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