Heizungsausfall im Gewächshaus: So sichern Betriebe ihre Kulturen

Fällt im Winter die Heizung im Gewächshaus aus, sollten Sie sofort Energieschirme und Lüftung schließen, die Ursache an Brenner, Brennstoff, Pumpen und Stromversorgung prüfen und parallel Ersatzwärme bestellen. Dauert die Reparatur länger als ein paar Stunden, überbrückt ein gemieteter Heizcontainer, der warmes Wasser ins vorhandene Rohrnetz speist. Gasstrahler und Petroleumöfen aus dem Hobbybereich reichen dafür nicht.

Fällt die Heizung aus ist guter Rat gefragt. Bild: GABOT.

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Ein Glashaus hält Wärme schlecht. Nach Untersuchungen der Leibniz Universität Hannover verbraucht ein einfach verglastes Gewächshaus 7,6 Watt Wärme je Quadratmeter Hüllfläche und Kelvin Temperaturdifferenz. Mit geschlossenem Energieschirm sind es rund 4,6 Watt, also etwa 40% weniger. Ein Haus mit 2.000 Quadratmetern Grundfläche braucht bei minus zehn Grad draußen schnell mehr als 300 Kilowatt, nur um 16 Grad zu halten. Fällt diese Leistung weg, sinkt die Innentemperatur in kurzer Zeit.

Ersatzwärme in dieser Größenordnung liefern spezialisierte Vermieter. Bei Mobile Notheizung etwa reichen die ölbefeuerten Heizcontainer von 640 bis 1.400 kW, laut Anbieter sind sie innerhalb von 24 Stunden vor Ort und werden vom eigenen Personal installiert. Damit die Überbrückung im Ernstfall klappt, sollte ein Betrieb vorher wissen, wie viel Leistung er braucht und wo ein Container angeschlossen werden kann.

Welche Temperaturen vertragen die Kulturen?

Viele Gewächshauskulturen stammen aus warmen Regionen. Sie nehmen schon bei Temperaturen deutlich über null Schaden. Fachleute sprechen von Kälteschäden oder Chilling. Die Grenze hängt von Art, Sorte und Entwicklungsstadium ab. Einige Richtwerte aus der Beratung:

Kultur Kritischer Bereich Quelle
Gurke Unter 10 °C Wachstumsstörungen, Blätter hängen, bei stärkerer Kälte weißliche Verfärbung Hortipendium (DLR Rheinpfalz)
Tomate Nach einer Nacht unter 5°C erste Schäden, Jungpflanzen besonders empfindlich Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Poinsettie Unter 20°C deutlich verzögerte Entwicklung; nur geeignete Sorten vertragen in der Kurztagphase eine auf 15°C abgesenkte Heiztemperatur Hortipendium; LVG Hannover-Ahlem (LWK Niedersachsen)

Für die Praxis heißt das: Der Alarmgrenzwert gehört zur Kultur, nicht zum Gefrierpunkt. Wer Gurken oder Jungpflanzen fährt, sollte schon bei einigen Grad unter Sollwert alarmiert werden. Bei Poinsettien kostet schon eine zu kühle Phase Entwicklungszeit, die vor dem Saisongeschäft fehlt.

Was in der ersten Stunde nach dem Alarm zu tun ist

  1. Wärme im Haus halten. Energieschirme schließen, Lüftungsklappen zu, Tore und Türen geschlossen halten. Der Schirm senkt den Wärmeverlust nach den Hannoveraner Werten um rund 40%. Das verschafft Zeit.
  2. Ursache eingrenzen. Liegt eine Brennerstörung vor, ist der Brennstoff knapp, steht eine Umwälzpumpe oder fehlt Strom? Ohne Strom laufen auch intakte Kessel nicht, weil Pumpen, Mischer und Klimacomputer stillstehen.
  3. Kundendienst und Ersatzwärme parallel anfragen. Warten Sie nicht auf die Diagnose des Technikers. Ist absehbar, dass die Reparatur Ersatzteile braucht, sollte die Mietheizung schon unterwegs sein.
  4. Prioritäten setzen. Welche Abteile tragen die wertvollsten oder empfindlichsten Kulturen? Reicht die verbleibende Leistung nicht für alle, wird dort zuerst geheizt.
  5. Dokumentieren. Uhrzeit des Alarms, gemessene Temperaturen, Fotos der Bestände. Das brauchen Sie später für die Versicherung.

Wie viel Ersatzleistung braucht das Haus?

Die Heizleistung lässt sich grob mit der Formel aus der Gewächshausforschung abschätzen: Wärmeverbrauchskoeffizient mal Hüllfläche mal Temperaturdifferenz zwischen innen und außen. Die Hüllfläche ist größer als die Grundfläche, weil Dach, Stehwände und Giebel zählen. Im Versuchshaus in Hannover-Ahlem war die Dachfläche etwa 7,5% größer als die Grundfläche.

Zwei Beispiele, jeweils mit 4 Meter hohen Stehwänden, Einfachglas und minus zehn Grad Außentemperatur:

Haus Hüllfläche (ca.) Solltemperatur Ohne Schirm (7,6 W/m²K) Mit Energieschirm (4,6 W/m²K)
2.000 m² (50 × 40 m) 2.870 m² 5°C ca. 330 kW ca. 200 kW
2.000 m² (50 × 40 m) 2.870 m² 16°C ca. 570 kW ca. 340 kW
1 ha (100 × 100 m) 12.350 m² 5°C ca. 1.410 kW ca. 850 kW
1 ha (100 × 100 m) 12.350 m² 16°C ca. 2.440 kW ca. 1.480 kW

Die Werte sind eine Planungshilfe, keine Auslegung. Bei Wind steigt der Wärmeverbrauch eines Hauses ohne Schirm deutlich an, das zeigen die Hannoveraner Messreihen. Moderne Häuser mit Isolierglas oder zwei Schirmen liegen dagegen weit darunter. Die eigene Heizungsplanung oder der Energieberater kennt den tatsächlichen Wert Ihres Hauses. Fragen Sie danach, bevor es kalt wird.

Aus der Tabelle lässt sich die Gerätegröße ablesen. Ein kleineres temperiertes Haus kommt mit einem Gerät der 640-kW-Klasse aus, für einen Hektar Warmhaus reicht selbst ein 1.400-kW-Gerät nur knapp oder gar nicht, dann laufen zwei Container parallel. Auch der Brennstoff will geplant sein: Ein 640-kW-Container verbraucht unter Volllast nach Herstellerangabe rund 64 Liter Heizöl pro Stunde. Läuft er mit etwa halber Last, sind das grob 800 Liter am Tag.

Warum Gasstrahler und Petroleumöfen keine Lösung sind

Ratgeber für Hobbygärtner empfehlen bei Heizungsausfall Grablichter, Wassereimer oder Camping-Gasheizer. Für ein Kleingewächshaus mag das eine Nacht retten. Im Erwerbsbetrieb fehlt diesen Geräten die Leistung, wie die Rechnung oben zeigt.

Dazu kommt ein zweites Problem: Abgase. Geräte ohne Abgasführung geben Verbrennungsprodukte direkt ins Haus ab, darunter Ethylen. Nach einer Übersicht der North Carolina State University ist Ethylen aus schlecht gewarteten oder defekten Heizgeräten eine der Hauptursachen für Totalverluste im Gewächshaus. Sichtbare Effekte treten bei vielen Kulturen schon zwischen 0,01 und 0,1 ppm auf. Tomaten reagieren besonders empfindlich und lassen die Blätter hängen, obwohl sie ausreichend Wasser haben. Ein Heizcontainer verbrennt das Öl dagegen im eigenen Gehäuse und gibt die Wärme über einen Wärmetauscher an das Heizwasser ab. Ins Haus gelangt nur warmes Wasser.

Heizcontainer anschließen: Was vorher geklärt sein sollte

Am schnellsten geht der Anschluss, wenn der Betrieb die Fragen des Vermieters schon beantworten kann. Diese Punkte gehören in den Notfallordner:

  • Einspeisepunkt: Wo kann ein Container an Vor- und Rücklauf des Heizungsnetzes angeschlossen werden, und welche Nennweite haben die Leitungen? Fehlt ein Anschluss, muss er erst gesetzt werden. Das kostet im Ernstfall Stunden.
  • Stellplatz und Zufahrt: Ein 640-kW-Container wiegt leer rund sechs Tonnen, die großen Geräte rund elf Tonnen. Der Platz muss mit einem Lkw erreichbar und tragfähig sein, auch bei Frost und aufgeweichtem Boden.
  • Strom: Die Container brauchen einen 400-Volt-Anschluss. Fällt der Netzstrom aus, braucht auch die Ersatzheizung ein Aggregat.
  • Brennstoff: Wer liefert nachts und am Wochenende Heizöl? Gibt es Platz für einen Zusatztank?
  • Ansprechpartner: Telefonnummern von Heizungsbauer, Vermieter und Brennstofflieferant, griffbereit und aktuell.

Fragen Sie beim Vermieter nach, ob die Mietheizung Störungen aufs Smartphone meldet. Der Container läuft oft tagelang ohne Aufsicht, und ein zweiter Ausfall soll nicht wieder erst am Morgen auffallen.

Alarm, Notstrom und Versicherung vor dem nächsten Winter prüfen

Teuer wird ein Ausfall vor allem dann, wenn ihn nachts niemand bemerkt. Die Gartenbau-Versicherung nennt eine funktionierende Warnanlage ausdrücklich als Bedingung, um Kulturen gegen technische Verderbschäden versichern zu können. Ihre Empfehlungen:

  • Temperaturfühler an die kälteste Stelle im Haus setzen.
  • Warnanlage, Router und Telefonwahlgerät über eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) puffern. Ein Notstromaggregat braucht Sekunden bis Minuten zum Anlaufen, in dieser Zeit kann die Alarmweiterleitung schon ausfallen.
  • Mindestens einmal im Jahr durch einen Fachbetrieb warten lassen, Batterien jährlich wechseln, Akkus alle vier bis acht Jahre.
  • Im Winter etwa monatlich einen Probealarm mit echter Weiterleitung auslösen und die hinterlegten Telefonnummern prüfen.

Für die Notstromversorgung rät der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, die Anlage auf mindestens 72 Stunden Betrieb auszulegen, stationäre Aggregate monatlich zu testen und einmal im Jahr einen Probelauf unter Last zu fahren. Vor dem Zuschalten sollten alle nicht nötigen Verbraucher vom Netz getrennt werden. Das regelt am besten ein schriftlicher Notfallplan.

Wie teuer ein unbemerkter Ausfall werden kann, zeigt ein Fall aus Österreich. Ein Weihnachtssternbetrieb in Wels verlor durch einen Heizungsausfall Ende November seinen kompletten Bestand, die Österreichische Hagelversicherung zahlte 113.250 Euro. Deren Bedingungen verlangen eine netzunabhängige akustische Alarmanlage, die jedes Jahr von einem Sachverständigen geprüft wird. Lesen Sie Ihre eigene Police auf solche Pflichten hin, denn wer sie nicht erfüllt, riskiert den Versicherungsschutz.

Häufige Fragen

Reicht ein Notstromaggregat als Schutz gegen Heizungsausfall?

Nur, wenn der Strom die Ursache ist. Bei einem Kessel- oder Brennerschaden hilft es nicht. Dann braucht es eine zweite Wärmequelle, etwa einen Mietcontainer.

Ab welcher Temperatur sollte der Alarm auslösen?

Das richtet sich nach der empfindlichsten Kultur im Abteil. Für Gurken liegt die Schadensgrenze bei etwa 10°C, ein Alarm erst knapp über null kommt dann zu spät.

Wie lange kann ein Heizcontainer laufen?

So lange, wie Brennstoff nachkommt und der Mietvertrag läuft. Planen Sie die Heizöllieferung deshalb gleich mit, besonders über Wochenenden und Feiertage.

Ein guter erster Schritt für diesen Winter: Rechnen Sie den Wärmebedarf Ihres größten Hauses nach der Formel oben aus, notieren Sie den Einspeisepunkt und legen Sie beides mit den Notfallnummern in den Heizraum. Im Ernstfall müssen Sie dann nur noch anrufen.

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