Hamburg: Sommerfest der Landschaftsgärtner

Verkehr, Flüchtlingsarbeit und Tarifabschluss: Das waren die Themen beim Sommerfest der Hamburger Landschaftsgärtner am 16. August.

Rund 120 Vertreter von Mitgliedsbetrieben, Politik, Verbänden und Institutionen kamen beim Sommerfest zusammen. Bild: FV HH/Kottich.

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Beim traditionellen Sommerfest des Fachverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg e. V. (FV HH) kamen am 16. August rund 120 Gäste im Hamburger Haus des Landschaftsbaus (HHL) zu angeregten Gesprächen zusammen. Die Themen des Abends: Der neue Tarifabschluss, die angespannte Verkehrssituation in der Elbmetropole und die Verabschiedung der Willkommenslotsin Özge Acar, die mehr als drei Jahre in Hamburg und Schleswig-Holstein erfolgreich Kontakte zwischen arbeitssuchenden Flüchtlin-gen und Fachbetrieben des Garten- und Landschaftsbaus geknüpft hatte.

Im Februar 2019 beging der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg 50-jähriges Jubiläum und zog mit seiner Chronik ein überaus positives Resümee. Beim diesjährigen Sommerfest, das erstmals in den Abendstunden im Außengelände des HHL gefeiert wurde, war erneut eine optimistische Grundstimmung unter den Fachbetrieben der Hansestadt zu spüren: „Unseren Unternehmen geht es gut, die Auftragsbücher sind voll und wir benötigen mehr qualifizierte Fachkräfte denn je“, sagte Ludger Plaßmann, stellvertretender Vorsitzender des FV HH. Dementsprechend, ergänzte Sebastian Hildebrandt, Tarifexperte im Vorstand des Fachverbandes, seien Mitarbeiterbindung und Fachkräftemangel in der Metropolregion Hamburg ein besonders großes Thema. Den im Juli dieses Jahres mit der IG Bau geschlossenen Tarifvertrag für die bundesweit rund 120.000 gewerblichen und angestellten Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner bezeichnete er als maßvoll. „Wenn man sieht, was für Tarifverträge teilweise in anderen Branchen geschlossen werden, können wir mit einer Lohnerhöhung von 3 Prozent für ein Jahr und einem weiteren Anstieg um 2,75 Prozent ab Juli 2020 durchaus zufrieden sein. Darüber hinaus bietet uns der neue Tarifvertrag eine Planungssicherheit für fast zwei Jahre.“

„Ein gutes Arbeitsklima ist ebenso wichtig wie eine faire Entlohnung.“ In der Diskussion um den neuen Tarifabschluss betonte Sebastian Hildebrandt die große Bedeutung eines gesunden Arbeitsklimas für die Bindung von Fachkräften an die Unternehmen: „Wer seine Leute halten bzw. neue Arbeitskräfte gewinnen möchte, muss ihnen die Kompetenz zugestehen, eigene Entscheidungen zu treffen und eigenverantwortlich zu agieren. Das ist mindestens genauso wichtig wie eine angemessene Bezahlung.“ Die heutige Digitalisierung, so Hildebrandt weiter, ermögliche es zum Beispiel dem Baustellenleiter, über einen persönlichen Mail-Account direkt mit dem Kunden zu kommunizieren und die eigenen Projekte zu steuern. Der Vorarbeiter könne selbstständig Material beim Lieferanten bestellen. „All dies sorgt dafür, dass sich die Mitarbeiter gefordert und gefördert fühlen und in ihrer Arbeit Erfüllung finden“, so der GalaBau-Unternehmer.

„Der Verkehr im Hamburg ist eine kaum zu kalkulierende Herausforderung.“ Die geplante, aber aufgrund der Wetterlage kurzfristig abgesagte Vollsperrung der A7 bei Hamburg sorgte am Abend des Sommerfestes unter den Gästen einmal mehr für Zündstoff in der Verkehrsdebatte: „Hamburg steckt im Dauerstau, das kostenfreie Handwerkerparken wurde vom Senat abgeschmettert, wir haben Dieselfahrverbote auf zwei Hauptverkehrsachsen, und nun möchte die Politik in Hamburg die autofreie Innenstadt. Diese Situation gerät zu einer Herausforderung, die kaum mehr zu kalkulieren ist“, brachte es Ludger Plaßman auf den Punkt. „In Hamburg ist jahrelang nichts getan worden, bevor unter Bürgermeister Olaf Scholz die große Sanierungswelle einsetzte. Das ist grundsätzlich gut, aber aufgrund der Mammutbaustellen im gesamten Stadtgebiet kommen wir zu normalen Tageszeiten kaum noch vorwärts“, sagte auch Michael Louwien, Mitinhaber der Louwien Garten- und Landschaftsbau KG. Anfahrtskosten pauschal zu kalkulieren, so der Unternehmer, käme inzwischen einem Lotteriespiel gleich. „Wir versuchen damit umzugehen, indem wir unsere Mitarbeiter entweder vor der Rush Hour losschicken oder danach. Dies führt immer wieder dazu, dass wir uns beim Kunden erklären müssen.“

„Das Projekt ´Willkommenlotse` war ein Segen für viele GaLaBau-Betriebe.“ Nach ihrer mehr als dreijährigen Arbeit für die landschaftsgärtnerischen Fachverbände der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein verabschiedete der FV HH während des Sommerfestes die Flüchtlingslotsin Özge Acar. Im Rahmen eines durch den Bundesverband Garten- und Landschaftsbau und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanzierten Pilotprojektes hatte Acar mehr als 100 GaLaBau-Unternehmen hinsichtlich einer betrieblichen Integration von Geflüchteten beraten. „Die Bilanz von Özge Acar ist beeindruckend! Sie konnte mehr als 150 Flüchtlingen Praktika, Einstiegsqualifikationen oder eine Ausbildung in einem unserer Mitgliedsbetriebe vermitteln. So gibt es heute im Großraum Hamburg 22 Auszubildende mit einem Flüchtlingshintergrund und mehr als doppelt so viele Geflüchtete, die einen festen Arbeitsplatz in einem landschaftsgärtnerischen Fachbetrieb bekommen haben. Es war das richtige Projekt zum richtigen Zeitpunkt und für alle Beteiligten ein echter Segen“, sagte Ludger Plaßmann bei der Verabschiedung der Flüchtlingslotsin. (FV HH)

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