Hamburg: Fachtagung und Jubiläum in der Hansestadt

Seit einem halben Jahrhundert bringen der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg e. V. (FV HH) und seine aktuell 110 Mitgliedsunternehmen das Grün in der Elbmetropole Hamburg nach vorn.

Mehr als 300 Experten und Entscheider aus Stadtplanung, „Grüner Branche“ und Politik waren der Einladung zum Jubiläum und zur 36. GalaBau-Fachtagung des FV HH gefolgt. Bild: Kottich/FV HH.

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Am 8. Februar kamen anlässlich des Jubiläums mehr als 300 Experten und Entscheider aus der Stadtplanung, „Grünen Branche“ und Politik zur 36. GaLaBau-Fachtagung in der Handwerkskammer Hamburg zusammen. Sie diskutierten über die Zukunft der Branche, über Chancen, aber auch über Herausforderungen im Zusammenhang mit einer zielgerichteten Begrünung urbaner Räume.

Die vom FV HH organisierte GaLaBau-Fachtagung ist seit mehr als drei Jahrzehnten eine feste Institution in Hamburg. In diesem Jahr fielen das 50-jährige Verbandsjubiläum und die Tagung nahezu auf einen Tag: Am 21. Januar 1969 wurde der FV HH offiziell aus der Taufe gehoben. Am 8. Februar 2019 fand die 36. GaLaBau-Fachtagung statt. Eine gute Gelegenheit also, um prägende Köpfe aus 50 Jahren Verbandsgeschichte Bilanz ziehen und einen Blick in die Zukunft des Hamburger Grüns und Garten- und Landschaftsbaus werfen zu lassen.

Landschaftsbau im Wandel: Podiumsdiskussion packt Kernthemen an der Wurzel

Fachkräftemangel und Einwanderungspolitik: Wie funktioniert erfolgreiche Integration in landschaftsgärtnerischen Fachbetrieben heute, und wie war es während der Migrationswellen in den frühen 1970er und 1990er Jahren? Welche Möglichkeiten bringt die Digitalisierung im Garten- und Landschaftsbau mit sich? Braucht Hamburg nach der igs 2013 weitere gartenbauliche Großprojekte, oder sollte bestehendes Grün im Zuge der Verdichtung qualifiziert werden? Diese und weitere zentrale Fragen standen im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion zum Auftakt der GaLaBau-Fachtagung 2019.

Hanns-Jürgen Redeker, ehemaliger Vorsitzende des FV HH und Wegbereiter der Hamburger igs 2013, sprach sich für eine zielgerichtete, überlegte Weiterentwicklung und Pflege der bestehenden Hamburger Grünflächen aus: „Mit Großprojekten wie der igs undfrüheren Gartenschauen haben wir in Hamburg Parks für Generationen gebaut. Es geht aber nicht darum, immer größer, höher und weiter zu planen. Wir brauchen vor allem nachhaltige, durchdachte Konzepte und finanzielle Mittel für den Erhalt der bestehenden grünen Infrastruktur. Nur dann kann diese ihre Aufgaben erfüllen, erholsame Frei- und Lebensräume für Menschen und Tiere zu schaffen und das Klima in Städten positiv zu regulieren“, sagte Redeker. Im Gegensatz zu Bauwerken aus Stein und Beton, so der Fachmann, entwickele sich Grün immer weiter. Dies müsse man entsprechend der individuellen Funktion jeder einzelnen Grünfläche langfristig mit berücksichtigen.

Migration als Chance: So funktioniert erfolgreiche Integration

Um eine professionelle, ganzheitliche Entwicklung der grünen Infrastruktur gewährleisten zu können, seien außerdem mehr Fachkräfte nötig, sagte der amtierende Vorsitzende des FV HH, Thomas Schmale. Im Hamburger Fachbetrieb Rudolf Schmale Garten- und Landschaftsbau beschäftigt seine Familie seit zwei Generationen viele Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. „Aktuell haben genau 50% unserer Beschäftigten ausländische Wurzeln. Sie kommen aus Polen, Portugal und vor allem aus der Türkei“, berichtete Schmale. Die Integration sei im Betrieb nie ein Problem gewesen. „Schon mein Vater hat seit 1958 Gastarbeiter beschäftigt. Im Prinzip ist die Integration von Beschäftigten mit Migrationshintergrund nichts anderes als menschliche Betriebsführung. Wir behandeln alle unsere Mitarbeiter gleich, und es gibt für niemanden Aufstiegsbremsen. Und wir nehmen jeden Mitarbeiter mit seinen individuellen Bedürfnissen ernst“. Das Problem mit der Integration, so Schmale weiter, läge nicht in der Herkunft der Menschen oder in der Bereitschaft der Unternehmen begründet, Mitarbeiter mit Migrationshintergrund einzustellen. „Das Problem ist der politische Umgang mit der Integration. Wir brauchen dringend eine Entbürokratisierung der Ablaufprozesse. Denn unsere Volkswirtschaft wird ohne die Unterstützung von Arbeitskräften aus dem Ausland definitiv die kommenden 20 Jahre nicht überleben“, so Schmales Forderung.

Digitales Grün: So öffnet sich der GaLaBau dem digitalen Wandel

Der Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), Lutze von Wurmb, äußerte sich in der Podiumsdiskussion zum digitalen Wandel im Garten- und Landschaftsbau: „Traditionell haben wir es in der grünen Branche mit einer eher analog geprägten Arbeitnehmerstruktur zu tun. Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht dem Fortschritt öffnen“, betonte der BGL-Präsident. Digitale Leistungs- und Stundenerfassung, die Dokumentation von Tagesberichten und Fotos via Tablet und Softwarelösungen für die Verwaltung seien in nahezu allen landschaftsgärtnerischen Fachbetrieben schon lange Standard. „Es ist ja auch nicht so, dass uns die Digitalisierung wie ein Gewitter ereilt. Zugegebenermaßen ist es eine schnelle Evolution, aber dennoch ein Prozess, der vor mehreren Jahrzehnten seinen Anfang nahm, sich nicht aufhalten lässt und dem sich kein Unternehmen verschließen kann, das zukunftsfähig sein möchte“. Dementsprechend, so von Wurmb, stelle sich auch der Gaten- und Landschaftsbau als analog geprägtes Gewerk dieser Entwicklung nicht entgegen, sondern begreife die Innovationen als Chance.

Fachvorträge thematisieren Trends in Privatgärten und urbane Baumpflege

Neben der Podiumsdiskussion behandelten bei der diesjährigen GaLaBau-Fachtagung zwei Referenten in Fachvorträgen aktuelle, branchenrelevante Themen. Bernd Franzen, Gartenarchitekt bei der Gartenplus GmbH, fasste die aktuellen Trends im Privatgarten zusammen: „Die eigene Persönlichkeit im Garten auszudrücken, ist ein starker Trend. Der Garten wird als erweiterter Wohnraum begriffen, und selbst kleinste Gartenräume werden Teil des gesamten Wohnkonzeptes“, berichtete der Experte. Als Kontrast zum Negativtrend, Gärten komplett zu verkieseln, beobachtet Franzen eine Rückbesinnung auf die Natur und die Pflanze. „Das Naturerlebnis rückt wieder mehr in den Fokus, und es zeichnet sich der Wunsch nach Authentizität ab. Die Kunden möchten keine Palmen im Garten, sondern lieber einen heimischen Apfelbaum“, so Franzen.

Frank Rinn, Baumsachverständiger aus Heidelberg, referierte über kostengünstige Methoden einer urbanen Baumpflege und eine verlässliche Beurteilung und Bewertung der Bruch- und Standsicherheit von Bäumen. Rinn empfahl, für die Beurteilung von Bäumen keine Konzepte wie VTA und SIA, sondern neutrale Informations-Quellen und Inhalte heranzuziehen. So könne eine deutliche Reduzierung von nach VTA und SIA vermeintlich notwendigen Baumpflegemaßnahmen erreicht werden.

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