Grünkohl: Auf Umwegen zum Trendgemüse

Als "Kale" hat sich Grünkohl in den USA zum Superfood und zum Inbegriff einer gesunden Ernährung gemausert. Auch hierzulande hat sich der Konsum in den letzten zehn Jahren mehr als verzehnfacht.

Tatsächlich ist Grünkohl eigentlich nichts Neues. Bild: GABOT.

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Wenn es draußen kalt wird, wächst in den Schweizer Gärten nicht mehr all zu viel. Unter anderem der sattgrüne Grünkohl trotzt aber der Kälte und hält Temperaturen bis -15 Grad Celsius aus. Die Kälte tut dem typischen und robusten Wintergemüse sogar gut, denn Frost bringt den angenehm süßlichen Geschmack der schnellwüchsigen Blattkohlart zum Vorschein.

Plötzlich im Trend

Tatsächlich ist Grünkohl eigentlich nichts Neues und wird seit mehr als 2.000 Jahren rund um den Globus angebaut. Als eine der ersten Kohlsorten verbreitete es sich bereits sehr früh auf dem eurasischen Kontinent und von dort in die ganze Welt. Bis heute ist das in Deutschland als Grünkohl bekannte Gemüse besonders im Norden ein typisches Nahrungsmittel: Grünkohl mit Pinkel, einer groben Grützwurst, ist eine traditionelle deutsche Speise. Während des Zweiten Weltkriegs rief Grossbritannien im Rahmen der Kampagne "Dig for Victory" – die britische Anbauschlacht – unter anderem zum Anbau von Grünkohl auf. Zuletzt fristete der Grünkohl vielerorts aber lange ein Schattendasein und auch hierzulande geriet das Wintergemüse nach dem Zweiten Weltkrieg dann immer mehr in Vergessenheit. Bis es Anfang der 2010er-Jahren in Amerika plötzlich zum Inbegriff von Coolness wurde.

2011 backte Filmstar Gwyneth Paltrow in der Talkshow von Ellen DeGeneres Grünkohlchips und Sängerin Beyoncé trug ein Sweatshirt mit Grünkohl darauf. Das Gemüse wurde quasi über Nacht zum Hipsterstatement – ja berühmt – und landete 2012 auf der Liste der 10 wichtigsten Lebensmitteltrends des renommierten Time-Magazins. Nach Angaben des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums stieg die Grünkohllproduktion in den USA zwischen 2007 und 2012 um fast 60%. Und der Trend schwappte schließlich nach Europa und in die Schweiz über. Im großen Stil wird Grünkohl in der Schweiz zwar nach wie vor nicht angebaut, trotzdem hat sich der Anbau von Schweizer Grünkohl zwischen 2010 und 2020 mehr als verzehnfacht: Letztes Jahr wurden in der Schweiz auf 27 Hektar rund 560 Tonnen Federkohl geerntet und daneben 296 Tonnen importiert. 2010 betrug die Anbaufläche lediglich gut 3 Hektar, auf denen 45 Tonnen Grünkohl geerntet wurde und daneben wurden noch 9 Tonnen importiert.

Superfood

Grünkohl ist aber nicht nur Trendzutat, sondern auch besonders nährstoffreich und sehr vielseitig in Gerichten einsetzbar. Roher Grünkohl gehört zu den Lebensmitteln mit dem höchsten Vitamin-C-Anteil. Er macht darum in Smoothies, Eintöpfen oder Suppen eine besonders gute Figur. Nebst Vitaminen liefert der gesunde Kohl auch verschiedene lebenswichtige Nährstoffe, Eisen, pflanzliches Eiweiß und Antioxidantien. Grünkohl macht sich blanchiert gut als Beilage oder Salat und passt traditionell zu deftigen Gerichten oder in Eintöpfe. (lid)

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