Freihandel für Landwirtschaft und Lebensmittel: EU-Exporte und -Importe steigern

Wenn ein transatlantisches Freihandelsabkommen (TTIP) alle Zölle und anderen Handelshemmnisse um 25% verringert, könnten die EU-Exporte bei Landwirtschaft und Lebensmitteln um 60% steigen.

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Wenn ein transatlantisches Freihandelsabkommen (TTIP) alle Zölle und anderen Handelshemmnisse um 25% verringert, könnten die EU-Exporte bei Landwirtschaft und Lebensmitteln um 60% steigen. Die Importe aus den USA könnten jedoch um 120% wachsen. Dieses würde den EU-Überschuss im Handel von derzeit 6 Mrd. Euro auf null reduzieren. Diese Berechnungen stammen aus einer neuen Studie des ifo Instituts für das EU-Parlament. “Während die Wachstumsraten beeindruckend aussehen, so ist doch der absolute positive Effekt von TTIP auf diese Branche vergleichsweise niedrig, verglichen mit der verarbeitenden Industrie oder den Dienstleistungen“, sagt Prof. Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft. EU-Exporte in die USA in der Agrar- und Ernährungsbranche betragen 15 Mrd. Euro, was nur vier Prozent aller EU-Exporte in dieses Land darstellt.

“TTIP könnte eine hochwillkommene Gelegenheit für EU-Produzenten bei Milch, speziellen Fleischprodukten oder Wein sein“, fügte Felbermayr hinzu. Doch TTIP könnte auch zu Marktverwerfungen führen; nämlich dort, wo der gegenwärtige EU-Zollschutz hoch ist und wo europäische Produzenten einen Kostennachteil wegen strenger EU-Regeln haben. Das betrifft hauptsächlich Rohprodukte, vor allem Geflügel, Rindfleisch, Isoglukose oder bestimmte Getreidesektoren. Weil eine Absenkung der EU-Standards politisch unmöglich erscheint, wird TTIP Mengenbeschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen enthalten für einige Produkte, um derartige Negativ-Effekte zu vermeiden.

Die Schlüsselfrage sind die nicht-tarifären Handelshemmnisse. Sie stammen von Mengenbeschränkungen, Importquoten, regulatorischen Unterschieden und bürokratischen Anforderungen. Die meisten werden begründet mit dem Tier- und Pflanzenschutz sowie mit der Gesundheit der Bevölkerung. Alle begrenzen den Marktzugang und den Handel. Schätzungen des Ausmaßes der nicht-tarifären Handelshemmnisse sind schwierig, aber die meisten Studien schätzen, dass sie im Schnitt einem Zoll von 50% entsprechen. Die Herausforderung für die Verhandler besteht darin, jene Hemmnisse zu identifizieren und zu beseitigen, die den Handel unnötig behindern.

Eine Aufweichung der US-Inspektionsprozeduren, eine Vereinfachung der US-Lebensmittel-Sicherheitsregeln und geringere bürokratische Anforderungen könnten Handelskosten senken. Ein besserer Schutz von europäischen Herkunftsbezeichnungen könnte ein Marketingvorteil für EU-Produzenten sein.

Bei Rohprodukten wie Getreide, Ölsaaten, Fleisch hat die EU in den vergangenen Jahren ein systematisches Handelsdefizit gegenüber den USA gehabt, wenn auch mit abnehmender Tendenz, zuletzt in der Höhe von 3 Mrd. Euro. Dies wurde mehr als ausgeglichen durch einen wachsenden Handelsüberschuss bei verarbeitenden Produkten wie Wein, Bier und anderen Lebensmitteln, der derzeit etwa 9 Mrd. Euro ausmacht. Die EU hat also einen Wettbewerbsvorteil bei verarbeiteten Lebensmitteln, aber einen Wettbewerbsnachteil bei Rohprodukten.

Die EU-Agrar-Exporte in die USA machen 15 Mrd. Euro aus, was nur vier Prozent aller Exporte von Gütern und Dienstleistungen ausmacht. Maschinen-Exporte allein sind zum Beispiel fast vier Mal so groß. Außerdem ist der Anteil der in die USA exportierten EU-Agrarprodukte von 20% auf 13% zurückgegangen. Der Anteil der Importe dieser Branche ist noch stärker gefallen von 20 auf 8%. Dies zeigt den Aufstieg neuer Giganten auf dem Markt wie Brasilien, aber es zeigt auch die weiterbestehende Bedeutung des transatlantischen Handels.

Die durchschnittlichen Importzölle für Agrarprodukte betragen 12% in der EU und 7% in den USA, was etwa vier Mal so hoch ist wie im der verarbeitenden Industrie. Und während bestimmte Produkte wie Getreide zollfrei sind, unterliegen andere hohen Zöllen, wie Fleisch, Zucker und Milchprodukte. (CESifo)

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