FNR: Vitalität der Douglasie ernsthaft gefährdet

Die optimale Vitalität der inzwischen durch zahlreiche biotische und abiotische Faktoren gefährdeten Douglasie steht im Mittelpunkt eines Forschungsvorhabens, das zu Jahresbeginn 2022 an den Start ging. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt das Vorhaben mit Mitteln aus dem Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe.

Die Fruchtkörper der Rußigen Douglasienschütte geben befallenen Nadeln eine rußgraue Färbung. Die Sporen der Fruchtkörper infizieren bei feuchter Witterung wiederum junge Nadeln. Bild: FVA Baden-Württemberg/Abt. Waldschutz.

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In dem Projekt werden die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF), die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA-BW) und die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen (NW-FVA) Vitalitätseinschränkungen an der Douglasie (Pseudotsuga menziesii) untersuchen. Zu den Untersuchungsschwerpunkten gehören der Einfluss der pilzverursachten Rußigen Douglasienschütte und der Befall mit Douglasiengallmücken.

Das Forschungsprojekt VitaDou zielt u. a. darauf ab, Zusammenhänge zwischen Erkrankungshäufigkeit, Zuwachsleistung und Waldbewirtschaftung aufzudecken, die Physiologie der Douglasienschütte und des Gallmückenbefalls unter dem Aspekt der Douglasien-Herkünfte zu charakterisieren und die Schadenstoleranz von Douglasien zu analysieren. Außerdem soll die Gefahr durch mögliche weitere Krankheits- und Schaderreger beurteilt und das Risiko biotischer Störungen ökonomisch bewertet werden.

Schadkomplexe stellen Douglasien-Bestände in Frage

„In jüngster Zeit häufen sich Hinweise auf Vitalitätsstörungen durch Rußige Douglasienschütte, Douglasiengallmücken und Sekundärerkrankungen, die die Vitalität ganzer Bestände in Frage stellen“, erklärt Dr. Stefan Seegmüller von der FAWF Rheinland-Pfalz. Erforderlich seien waldbauliche und ökonomische Konzepte, um den Douglasien-Anbau stabil zu halten. Doch bislang wurden Schadkomplexe und ihre Entwicklung kaum untersucht. „Noch ist unklar, wie Douglasien physiologisch mit der Erkrankung umgehen und ob sich die Douglasien-Herkünfte oder -individuen in ihrer Schadenstoleranz unterscheiden“, so der Projektkoordinator. Hier setzt das Verbundprojekt VitaDou an.

Auf zwölf mindestens einen Hektar großen Flächen im Pfälzerwald, Schwarzwald und Moselgebiet beproben die Projektpartner Bestände mit 20- bis 29-jährigen Douglasien, außerdem Areale mit stark und schwach geschädigten Douglasien aus zwei regionalen Herkunftsversuchen. Auf den Untersuchungsflächen wird das Ausmaß der Devitalisierungen quantitativ erhoben und das Ergebnis mit verschiedenen wissenschaftlichen Methoden analysiert.

Waldbauliche Empfehlungen für Forstbetriebe geplant

Die Untersuchungsergebnisse sollen die Basis liefern, um mit geeignetem forstlichen Vermehrungsgut den Erhalt der Douglasie für die Zukunft zu sichern. Für die Forstpraxis entwickeln die Projektpartner u. a. einen Schlüssel zur Vitalitätsansprache stehender Douglasien – also zur optischen Beurteilung der Baumgesundheit, basierend etwa auf Kronenzustand und Benadelungsgrad. Zudem veröffentlichen sie Waldschutz-Informationen zur Rußigen Douglasienschütte und zur Douglasiengallmücke. Zum Abschluss des Forschungsvorhabens stellen sie waldbauliche Empfehlungen zur künftigen Behandlung der Douglasie für Forstbetriebe bereit.

Hintergrund:

Die im Westen Nordamerikas beheimatete, schnellwüchsige Douglasie (Pseudotsuga menziesii) eroberte sich ab 1827 zunächst ihren Platz in europäischen Gärten und Landschaftsparks und wurde bald auch im Forst angepflanzt. Inzwischen ist sie in hiesigen Wäldern eine ökologisch wie ökonomisch bedeutsame Baumart.

Der Erreger der Rußigen Douglasienschütte (Nothophaeocryptopus gaeumannii) stammt aus dem pazifischen Nordosten Nordamerikas und galt dort als bedeutungsloser Schwächeparasit. In Europa trat die Rußige Douglasienschütte erstmals 1925 als Baumkrankheit auf. Ab den 1930er Jahren breitete sie sich stark in Südwestdeutschland aus. Inzwischen gilt Rheinland-Pfalz als das am stärksten betroffene Bundesland.

Der Erreger infiziert im Frühjahr und Frühsommer die jungen Douglasiennadeln und wächst in den Nadeln zunächst symptomfrei heran. Im folgenden Spätwinter und Frühling dringen seine kugelförmigen schwarzen Fruchtkörper an den Nadelunterseiten nach außen, was den Nadeln eine rußgraue Färbung gibt. Die Sporen der Fruchtkörper infizieren bei feuchter Witterung wiederum junge Nadeln. An den befallenen Nadeln bricht die CO2-Assimilation ein, und sie verdorren wie bei Trockenstress. Neben kalten Wintern fördern feuchte, windarme Standorte den Pilzbefall der Douglasien.

Die Douglasiengallmücke (Contarinia pseudotsugae) aus Nordamerika ist in Europa als gebietsfremde und invasive Art eingestuft. Sie wurde 2015 in Belgien und in Brandenburg, seit 2016 auch in Rheinland-Pfalz und 2018 in Hessen nachgewiesen.

Die adulten Tiere leben nur wenige Tage. Die Eiablage erfolgt von Ende Mai bis Juni an jungen Douglasiennadeln und aufgehenden Knospen des jüngsten Triebes. Die Larven bohren sich in die Nadeln und verursachen durch ihren Fraß eine Aufhellung, dann ein vorübergehendes Anschwellen – die Gallenbildung – der Nadel. Die Nadeln werden braun und fallen ab; die Larven überwintern ab Oktober in der abfallenden Nadel oder in der Nadelstreu im Boden. Im März bis April verpuppen sich die Larven. Die adulten Mücken schlüpfen im Zeitraum von Ende Mai bis Juni.

Douglasiengallmücken treten öfter gleichzeitig mit der Rußigen Douglasienschütte auf. Außerdem siedeln Schadorganismen heimischer Baumarten zunehmend auf die Gastbaumart Douglasie um, darunter Wurzelfäulepilze und Hallimasch. Pilzliche Erreger der Fichtentriebkrankheit und des Diplodia-Triebsterbens der Kiefer wurden an Douglasien ebenfalls beobachtet. Auch einige Fichtenborkenkäfer sind inzwischen als „Umsteiger“ auf die Douglasie bekannt. (FNR)

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