Feldtag in Schlachters 2014: Obstbauforschung trifft auf Praxis und Beratung

Beim traditionellen Feldtag der Versuchsstation für Obstbau Schlachters, einer Außenstelle der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in der Gemeinde Sigmarszell am Bodensee, werden aktuelle Obstbauforschung und neueste anbautechnische Erkenntnisse einem breiten Fachpublikum vermittelt.

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Beim traditionellen Feldtag der Versuchsstation für Obstbau Schlachters, einer Außenstelle der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in der Gemeinde Sigmarszell am Bodensee, werden aktuelle Obstbauforschung und neueste anbautechnische Erkenntnisse einem breiten Fachpublikum vermittelt.

Nach dem Neubau einer Maschinenhalle präsentierte sich die Versuchsstation beim diesjährigen Feldtag am 19.07.2014 mit neuem Gesicht. Bei den Führungen am Vormittag informierten sich vor allem Bewohner der Gemeinde Sigmarszell und Verantwortliche aus Politik und Verwaltung. Bei einem anschließenden Frühschoppen mit musikalischer Untermalung durch den Musikverein Sigmarszell war reichliche Gelegenheit, sich auszutauschen.

Die Führung am Nachmittag richtete sich an das Fachpublikum. Prof. Dr. Hans-Ulrich Helm, wissenschaftlicher Leiter der Versuchsstation, Helmut Jäger, Vorsitzender der Obstregion Bodensee e.V. und Vorstand des Bayerischen Erwerbsobstbauverbands e.V. sowie Bürgermeister Jörg Agthe konnten zahlreiche Interessierte begrüßen. Christian Knaus, Betriebsleiter in Schlachters, führte durch das Programm und übergab zunächst das Wort an Dr. Egon Treyer, Geschäftsführer der Marktgemeinschaft Bodenseeobst eG., der die aktuelle Situation am Obstmarkt erläuterte.

Schwerpunktthemen des Feldtages in diesem Jahr waren Entwicklungen in der Technik sowie neue Erkenntnisse über altbekannte und neue Schaderreger im Obstbau.

Die Hagelabwehr trägt dazu bei, die Existenz der Obstbaubetriebe zu sichern. Neue Entwicklungen im Hagelnetzbau sollen einen sicheren Schutz der Kulturen bieten und weniger Nachteile durch die Beschattung mit sich bringen. Herr Wagner von der gleichnamigen Firma aus Ehrenkirchen zeigte das Whailex-Schutz-Netz-System . Gegenüber herkömmlichen Systemen mit einer stabilen Unterkonstruktion kommt es mit einer Einzelreihenabspannung aus. Beeindruckend die Vorführung: Das Netz eines Hektars kann bei Bedarf in wenigen Minuten heruntergelassen werden. Das Aufrollen der Netzbahnen dauert nur wenig länger, ohne dass dafür Hebebühnen benötigt würden. Durch enge Maschenweiten (0,8 mm) könnten die Netze zusätzlich gegen Sonnenbrand und Schädlinge genutzt werden. Das Netzsystem ist nicht nur für kleine Anlagen interessant, auch bei großen Flächen beeinträchtigt das Netz das Bild der Landschaft weniger.

Eine andere Strategie der Hagelabwehr ist die Einbringung von Kristallisationskernen in die Gewitterwolke, um viele kleine Hagelkörner zu erzeugen, die eine geringere Zerstörungskraft besitzen. Dafür wird üblicherweise Silberjodid verdampft, das mit Flugzeugen am Rand der Gewitterwolke in die Aufwinde verteilt wird. Juerg Thuering von der Schweizer Firma Spacetec stellte in Schlachters ein Raketensystem vor, um Silberjodid vom Boden aus in die Gewitterwolken zu schießen. Dabei wirkt auch die Explosion auf die Hagelbildung. Eine Hürde stellt die Flugsicherung dar. Sofern ein Flughafen in der Nähe ist, müssen die Bedingungen der Luftüberwachung eingehalten werden. Ein entscheidender Vorteil ist, dass keine teuren Flugzeuge und Piloten ständig abrufbereit zum Einsatz sein müssen.

Bei der Technik im Pflanzenschutz stehen Anwender und Umweltschutz im Vordergrund. Die Firmen Bayer und agrotop entwickelten das System easyFlow, um den Umgang mit hochkonzentrierten Wirkstoffen für den Landwirt sicherer zu machen. Mit dem Gerät können flüssige Pflanzenschutzmittel ohne Spritzer und Schmierereien aus handelsüblichen Kanistern in den Brühetank der Pflanzenschutzspritze gefüllt werden. Es bietet eine exakte Dosierung ohne Messbecher, verhindert Spritzer und Verschütten bei der Entnahme, öffnet die Verschlussfolie und reinigt den leeren Kanister und alle Kontaktflächen des Geräts.

Die Firma Wanner stellte eine Spülvorrichtung vor, um eine Verschmutzung des Bodens und des Wassers beim Reinigen der Geräte zu reduzieren und Verstopfungen durch angetrocknete Spritzbrühe zu vermeiden. Alle Zuleitungen zu den Düsen und der Pumpe spült das Gerät unmittelbar nach der Ausbringung des Pflanzenschutzmittels mit Frischwasser, selbst bei noch gefülltem Brühetank.

Bei der Applikationstechnik sollen neue Entwicklungen Energie und Zeit sparen und zu weniger Verlusten durch Abdrift der Spritzbrühe führen. An der schorfanfälligen Sorte 'Gala' wurde in Schlachters in Zusammenarbeit mit Dr. Peter Trilof (MaBo) die einseitige Behandlung der Baumreihe mit zwei Spritzen-Prototypen getestet. Die biologische Wirksamkeit der Pflanzenschutzmittel bei der neuen, einseitigen Applikation wurde mit der betriebsüblichen zweiseitigen Ausbringung verglichen. Es zeigten sich bei einem Prototyp Wirkungsverluste auf der abgewandten Baumseite, die wahrscheinlich von einem zu geringen Abstand der zwei Gebläseströme hervorgerufen wurde. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Weiterentwicklung der Geräte notwendig und erfolgversprechend ist.

Neue Ergebnisse zum Schorf: Das Frühjahr 2014 bot für die Schorfsporen gute Keimungsbedingungen. Ohne Pflanzenschutzmittel wurden in Schlachters bei der hoch anfälligen Apfelsorte 'Golden Delicious' 20 von 100 Blättern befallen. Ursache waren in erster Linie starke und anhaltende Niederschläge Ende April bis Anfang Mai. Dies zeigte die gezielte Infektion von getopften Bäumen, die im Folientunnel kultiviert wurden und für die Dauer einer Regenperiode der natürlichen Witterung ausgesetzt wurden. Durch die verwendeten Prognoseprogramme (Welte und RIMpro) wurde diese kritische Situation sehr gut angezeigt. Eine frühe Infektion Anfang April war zwar gut durch einen Fungizidbelag zu verhindern, führte aber ohne Schutz zu einer starken Infektion. Diese Situation wurde durch das Welte-Programm angezeigt, jedoch nicht genügend von RIMpro beachtet. Die frühen Schorfflecken verursachten durch ihre Konidien schon Ende April sekundären Schorfbefall.

Maike Hechinger stellte den Stand der Forschung zur Kirschessigfliege dar. In dem Interreg geförderten Projekt werden Fangfallen und Lockstoffen sowie Bekämpfungsstrategien entwickelt. In den vergangenen Jahren wurde ein zunehmender Befall bei Weichobst festgestellt, teilweise führte dieser zum Totalausfall der Ernte. Die Bekämpfung beschränkt sich derzeit auf die Vernichtung faulenden Obstes. Eine chemische Bekämpfung ist wegen zu geringer Wartezeit und möglichen Rückständen auf dem Obst noch nicht möglich. 

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