Fachkräftesicherung: Netzwerktreffen mit Blick ins Nachbarland

Fachkräftesicherung endet nicht an der Grenze. Wie Unternehmen, Behörden und Bildungseinrichtungen in Deutschland und den Niederlanden voneinander lernen können, zeigte das Netzwerktreffen Arbeit und Ausbildung Südkreis Kleve, das bereits zum dritten Mal bei der Landwirtschaftskammer NRW in Straelen tagte.

Die Akteure des Netzwerktreffens Arbeit und Ausbildung Südkreis Kleve mit Gästen aus den Niederlanden. Bild: Agrobusiness Niederrhein.

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Erstmals nahmen auch Vertreter niederländischer Arbeitsmarktinstitutionen an dem Austausch teil.

Wie grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Praxis funktioniert, stellte das deutsch-niederländische Unternehmen Mercuur Smart Logistics b.v. & Schiffer Pflanzenlogistik vor. Die Spedition beschäftigt an den Standorten in Venlo, Herongen, Kaldenkirchen und Kevelaer Mitarbeitende aus 15 Nationen und setzt bei der Einarbeitung neuer Fahrer auf die Begleitung durch erfahrene Mentorfahrer. 

Standortleiter Andrew Gallik begrüßte die Gäste und verband dies mit der Einladung, zeitnah einen Blick hinter die Kulissen des Versuchszentrums Gartenbau zu werfen.

In ihrer Eröffnung blickte Initiatorin Saskia Elders vom Kommunalen Integrationsmanagement des Kreises Kleve auf die Entwicklung des Netzwerks zurück. Seit mehr als zwei Jahren treffen sich die Beteiligten quartalsweise, um aktuelle Herausforderungen rund um Arbeit, Ausbildung und Integration zu diskutieren. Zu den Partnern gehört auch Agrobusiness Niederrhein e.V., der an der Organisation der Veranstaltung beteiligt war. „In Straelen wird es immer ein bisschen grüner“, sagt Marcus Trappe von Agrobusiness Niederrhein mit Blick auf die Referenten aus der Grünen Branche.

Im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts "Agropole Innovates", das durch das Interreg VI A-Programm Deutschland-Nederland gefördert wird, brachte der Verein erstmals auch Akteure aus den Niederlanden nach Straelen. Vertreten waren die niederländische Arbeitsagentur UWV, der Grenzinfopunkt sowie das regionale Projektmanagement der Euregio Rhein-Maas-Nord.

Gemeinsam ein Team

Anne Vandeberg (HR Business Partner) und Eef Verhoeckx (V.A.L. Mangager) von Mercuur & Schiffer Groep berichteten aus dem Alltag eines Unternehmens, in dem unterschiedliche Kulturen und Arbeitsweisen selbstverständlich zusammenkommen.

„Wir sind gemeinsam ein Team. Wir profitieren voneinander durch die verschiedenen Kulturen“, erklärt Anne Vandeberg zu Beginn ihres Vortrags. Gleichzeitig beschreibt sie typische Unterschiede zwischen beiden Ländern: „Wir Niederländer sind direkt beim Du, treffen schnellere Entscheidungen und haben eine flache Struktur. Bei den Deutschen hingegen gibt es mehr Organisation, Planung und Klarheit. Die Hierarchie ist wichtiger als im Nachbarland.“

„Bei uns werden mehr als zehn Sprachen gesprochen“, berichtet Vandeberg. Bei über 90 Beschäftigten aus 15 Nationen sind nicht nur sprachliche Unterschiede eine Herausforderung. Auch verschiedene Gewohnheiten, Generationen und Erwartungen prägen den Arbeitsalltag.

Um neue Fahrerinnen und Fahrer erfolgreich in den Beruf zu begleiten, setzt das Unternehmen auf ein strukturiertes Onboarding. Da vielen Berufseinsteigern praktische Erfahrung fehlt, werden sie in den ersten Wochen von speziell geschulten Mentorfahrern begleitet. So können sie Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen.

„Das Ergebnis ist eine höhere Bindung und Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber und vor allem gut eingearbeitete Mitarbeiter“, sagt Eef Verhoeckx.

Eine fundierte Qualifizierung sei unverzichtbar, ergänzt er: „Zum einen sind das sehr teure Fahrzeuge, zum anderen kann mangelnde Erfahrung gefährlich auf der Straße sein.“ Die Logistik von Mercuur & Schiffer Groep befindet sich unter anderem auf dem Gelände der Veiling Rhein-Maas in Herongen.

Die fachliche Vorbereitung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Bildungspartner. Die Teilnehmenden lernen zunächst betriebliche Abläufe, die Kommissionierung, den Umgang mit Lieferscheinen, das Bedienen von Flurförderfahrzeugen sowie die Verladung von Waren kennen. Parallel absolvieren sie den Theorieunterricht für den Lkw-Führerschein und sammeln schrittweise Fahrpraxis.

„Niemand kann das alleine“

Für Anne Vandeberg steht fest, dass erfolgreiche Fachkräftesicherung nur gemeinsam gelingen kann: „Niemand kann das alleine. Auch wir verfügen über ein Netzwerk, zu dem Kommunalverwaltungen, die niederländische Arbeitsagentur, STL werkt, Schulen und Initiativen wie 'Meet the Youngsters' gehören.“

Die Diskussion machte auch Unterschiede bei der Integration von Menschen aus Nicht-EU-Staaten deutlich. Während entsprechende aufenthaltsrechtliche Fragen in den Niederlanden häufig über Personaldienstleister begleitet werden, unterstützen in Deutschland unter anderem Jobcenter, soziale Träger und das Kommunale Integrationsmanagement.

Eins wurde deutlich: Beide Länder stehen vor vergleichbaren Aufgaben. „Ein Termin für einen weiteren deutsch-niederländischen Austausch mit der Agentur für Arbeit, UWV, Euregio, Logistikern beider Länder, dem Kreis Kleve, Agrobusiness Niederrhein sowie weiteren Dienstleistern ist bereits in Planung“, freut sich Saskia Elders. Im Mittelpunkt soll dann die Frage stehen, wie aus gemeinsamen Herausforderungen konkrete grenzüberschreitende Lösungen entstehen können.

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