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Experten trafen sich zum 8. Pillnitzer Rosentag
Der 8. Pillnitzer Rosentag wurde in diesem Jahr statt im Hochsommer nun im Frühherbst veranstaltet. Die Pillnitzer Demonstrationsanlagen für Klein- und Großstrauchrosen waren Bezugspunkt für Referenten und Gäste.Die Hauptveranstaltung beim Pillnitzer Rosentag mit Vorträgen und der Besichtigung des Rosenfelds findet traditionell am Freitag statt. Aber es ist inzwischen üblich, dass sich speziell eingeladene Experten in kleiner Runde bereits am Vortag treffen. Neben Lehrern und Dozenten von Hochschulen und Landesanstalten waren in diesem Jahr Vertreter aller wichtigen Rosenzüchter anwesend. Außer den „Stammgästen“ aus den Firmen Kordes, Noack, Rosen-Union, Strobel und Tantau waren diesmal Georg Steinhauer, der die Firma Poulsen (Dänemark) in Deutschland vertritt, Jacques Mouchotte als Repräsentant der Firma Meilland (Frankreich) sowie Ann Velle aus der belgischen Rosenschule Louis Lens vertreten.
Die Demonstrationspflanzung
Friedrich Möllmann, Referatsleiter an der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft (SLfL), Fachbereich Gartenbau und Landespflege, erläuterte den Teilnehmern das Konzept der Demonstrationspflanzung, die derzeit 133 Sorten aus der Gruppe der Kleinstrauchrosen umfasst. Sie ist damit, wie Strobel betonte, die einzige derartig umfangreiche und nahezu vollständige Aufpflanzung dieser Rosengruppe nicht nur in Deutschland, sondern wahrscheinlich sogar in Europa. Sie ermöglicht auf kurzem Wege den Vergleich der einzelnen Sorten hinsichtlich Wuchs, Widerstandsfähigkeit und Blütenentwicklung unter den am Standort Pillnitz gegebenen Bedingungen. Auch wenn sich Rosen an verschiedenen Standorten unterschiedlich entwickeln, schmälert das nicht den Wert der Pillnitzer Vergleichspflanzung. Jeder Rosenverwender kann sich hier ein Bild von den Eigenschaften der einzelnen Sorten machen, das mehr aussagt als die knappen Katalogtexte.
Pflanzung, Pflege und Bewertung erfolgen nach einem einheitlichen Konzept. Die Pflanzabstände der einzelnen Sorten richten sich jeweils nach den Empfehlungen der Züchter. Die Pflege wird auf ein Minimum reduziert. Nur in der ersten Vegetationsperiode werden die Rosen gewässert und der Boden gelockert. Später auftretende Wildkräuter werden durch Ziehen entfernt. Auf Pflanzenschutzmaßnahmen wird völlig verzichtet, um die Widerstandsfähigkeit der einzelnen Sorten beurteilen zu können.
Der September ist bei Rosen der Monat der Wahrheit. Zu diesem Zeitpunkt zeigt sich, anders als im Juni oder Juli, sehr deutlich die unterschiedliche Widerstandsfähigkeit der einzelnen Sorten. Die Düngung erfolgt nur mit einem N-K-Dünger, da Phosphor reichlich im Boden vorhanden ist. Dieses Jahr wurde im Spätwinter ein scharfer Rückschnitt bei allen Sorten (mit Ausnahme der Rosa-rugosa-Sorten) durchgeführt. Das führte zu einem stärkeren Auftreten von Wildkräutern im Frühjahr, da der Deckungsgrad geringer war als nach einem gemäßigten Rückschnitt.
Kleinstrauchrosen – was gehört dazu?
Im Vortragsthema „Kleinstrauchrosen – eine neue Rosengruppe oder Sammelsurium verschiedener Typen?“ von Thomas Proll (bei W. Kordes und Söhne verantwortlich für die Freilandrosenzucht) spiegelt sich die lange Diskussion um eine treffende Bezeichnung für diese Rosengruppe wider. Der frühere Begriff „Bodendeckerrosen“ suggerierte eine einseitige und eingeschränkte Verwendung, die diesen Rosen nicht gerecht wird. Dieser Begriff hielt zum Beispiel Hobbygärtner häufig vom Kauf ab.
Proll wies auf die Vielfältigkeit dieser Rosengruppe hin. Die fünf unterschiedlichen Wuchsgruppen eröffnen ein breites Spektrum im Hinblick auf die Verwendung. Neben der klassischen Pflanzung als Bodendecker im öffentlichen Grün eignen sich die kompakt wachsenden Sorten sehr gut zur Vergesellschaftung mit Stauden, anderen Blütensträuchern oder zur Erziehung als Hochstammrose. Die langtriebigen Sorten lassen sich neben der Verwendung als stark wachsende Bodendecker auch sehr gut als Kletterrosen einsetzen. Das wird in Pillnitz bei der Begrünung der Grundstückszäune vorbildlich demonstriert.
Die Unterschiede innerhalb dieser Rosengruppe machen eine Abgrenzung zu den anderen Rosengruppen schwierig. Die Übergänge zu den Strauch-, Floribunda- und Kletterrosen sind fließend. Proll warnte vor einem „Schubladendenken“, das die Phantasie unnötig einengt. Rosen sind trotz der intensiven Züchtungsarbeit immer noch Naturprodukte, die sich schwer einordnen lassen.
Gesündeste Rosengruppe
Die Resistenz gegen Pilzkrankheiten ist eine immer wieder vorgetragene Forderung an die Züchter. Proll wies darauf hin, dass die Gruppe der Kleinstrauchrosen inzwischen die gesündeste Rosengruppe ist. Als Quelle für die Resistenz dienen bei der Züchtung Wildrosen sowie alte gesunde Kleinstrauchrosen-Sorten. Durch die Kreuzung mit Strauch-, Floribunda- und Kletterrosen-Sorten wird versucht, die Blüten (Form, Farbe, Reichblütigkeit) und den Pflanzenaufbau zu verbessern.
Zuchtziele bei Meilland
Jacques Mouchotte, Zuchtleiter der Firma Meilland in Südfrankreich, stellte in seinem Vortrag „Meidiland-Rosen für den Hausgarten“ vor. 1853 wurde mit ‘Perle d’Or"" die erste Meilland-Sorte in den Handel gebracht. Meilland-Sorten sind vor allem in Südeuropa und Kalifornien sehr erfolgreich. Deutschland ist hingegen nach Aussage von Mouchotte ein schwieriger Markt.
Seit vielen Jahren werden die Meidiland-Rosen hier in bewährter Partnerschaft von der Baumschule BKN Strobel vertrieben. Bekannte Sorten sind zum Beispiel "Lovely Meidiland", "Purple Meidiland" oder "Bingo Meidiland", die sowohl ADR-Rose ist als auch von der All American Rose Society (AARS) prämiiert wurde.
Die Züchtung erfolgt traditionell ohne Genmanipulation und zielt auf folgende Eigenschaften hin:
- Gesundheit
- Vermehrbarkeit über Stecklinge (keine Veredelungen)
- ökologischer Wert
- Blüte
- ganzjährige Attraktivität.
Mouchotte stellt sich die Frage, ob es wirklich Pflanzen ohne Krankheiten gibt. Ein geringer Befall stört das Bild kaum, sofern die Rose dennoch wuchskräftig bleibt und in der Lage ist, den Schaden zu überwachsen. Um die Gesundheit der neuen Rosen zu prüfen, werden bei Meilland seit 1975 keine Pflanzenschutzmaßnahmen mehr angewandt. Auch auf einen Frostschutz wird seitdem verzichtet.
Die Vermehrbarkeit über Stecklinge ist ein wichtiges Selektionskriterium. Wurzelecht vermehrte Sorten bilden keinen Wildtriebe, sparen dadurch Pflegekosten und lassen sich durch einen tiefen mechanischen Schnitt im Abstand von mehreren Jahren problemlos verjüngen. Außerdem stellte man bei Meilland fest, dass die Symptome der Bodenmüdigkeit bei wurzelecht vermehrten Rosen geringer sind als bei veredelten. Seit 20 Jahren gibt es auf den Flächen keine Nachbauprobleme. Dennoch werden alle Sorten vier Jahre parallel sowohl als Veredelung als auch stecklingsvermehrt geprüft.
Der ökologische Wert von Rosen besteht in einem wildnishaften Charakter mit offenen Blüten, Hagebutten und einem überhängendem Wuchs, der Versteckmöglichkeiten bietet. Ein schwieriges Zuchtziel ist die Kombination von gesundem Laub und einer lang andauernden Blüte. Kleinstrauchrosen sollen den zweiten Flor ohne Rückschnitt entwickeln. Außerdem soll dem Verwender eine komplette Farbpalette zur Verfügung gestellt werden. Der Duft hat, im Gegensatz zu den Edelrosen, für die Kleinstrauchrosen nur eine geringe Bedeutung. Wenn einzelne Sorten, zum Beispiel "Magic Meidiland", duften, so ist das ein willkommene Ergänzung.
Die Attraktivität während des ganzen Jahres ist ein weiteres Zuchtziel. Das lässt sich in erster Linie über eine lange Blütezeit erreichen. Neben den Blüten zählt dazu der interessante Schmuckaspekt durch die Hagebutten, unterschiedliche Zweigfarben sowie ein früher Austrieb. Dieser ist je nach Sorte unterschiedlich gefärbt. Die Palette reicht hier von Hellgrün bis zu Dunkelrot.
Großstrauchrosen in Pillnitz
Neben der Aufpflanzung der Kleinstrauchrosen besteht in Pillnitz seit 1996 eine Demonstrationsanlage für Großstrauchrosen. Diese werden in Kombination mit passenden Stauden und Gehölzen gezeigt. Knut Strothmann stellte nun zum Thema „Großstrauchrosen für öffentliche Grünanlagen“ nach über vier Jahren erstmalig seine Erfahrungen und Empfehlungen vor. Diese wurden auch in einer Informationsschrift zusammengefasst.
Gegenwärtig sind 123 Sorten aufgepflanzt, von denen nach den zwei harten Wintern 1996/97 und 1998/99 zwischenzeitlich 53 Sorten nachgepflanzt worden sind. Das Sortenspektrum umfasst sowohl alte Sorten wie "Fatin Latour" (1900), "Mozart" (1937) oder "Fritz Nobis" (1940) als auch moderne Sorten wie "Northern Lights" (1997) oder "Postillion" (1998).
Die Rosen wachsen auf dem örtlich anstehenden Auenlehm mit einer Bodenzahl von 40-50. Der pH-Wert bewegt sich im Bereich von 6,4 bis 6,6. In den bindigen Boden wurden zur Vorbereitung 30 Vol.% Perlite sowie Kompost eingearbeitet. Der Standort liegt in der Winterhärtezone 7a nach Heinze und Schreiber. Die zwei harten Winter sowie auftretende Spätfröste führten teilweise zu erheblichen Schäden an den Rosen.
Die Pflege wird hier auf das Mindestmaß beschränkt. In Anlehnung an die Situation im öffentlichen Grün werden weder verblühte Blüten noch Hagebutten abgeschnitten, sondern nur abgestorbene Triebe entfernt. Ein erster kräftiger Verjüngungsschnitt wird 2002 durchgeführt werden. Bewässert wird nach der Anwachsphase nur in Ausnahmesituationen wie bei länger andauernder Trockenheit. Auflaufende Wildkräuter werden regelmäßig entfernt. Eine Mulchdecke aus Lava 2/12 oder Porphyrsplitt 2/12 verringerte den Unkrautwuchs deutlich.
Die Beobachtungen an den Großstrauchrosen werden in Form von Bonituren erstellt. Bewertet werden die Winterhärte, die Widerstandsfähigkeit gegen Blattkrankheiten, das Blühverhalten sowie das Wuchsverhalten. Nach diesen Beobachtungen empfiehlt Strothmann von den 65 Rosensorten, die jetzt über vier Jahre dort wachsen, 45 Sorten zur Verwendung im öffentlichen Grün. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Rosen nicht vom Straßenmeister, sondern von einem ausgebildeten Gärtner gepflegt werden. Diese robusten Sorten eignen sich selbstverständlich auch für den Privatgarten, wo die Pflege in der Regel viel intensiver ist. Die verbleibenden 20 Sorten sind nur für den Privatgarten oder geschütztere Lagen geeignet. Über die anderen Sorten liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor, so dass gegenwärtig dazu keine Empfehlungen ausgesprochen werden können.
Bis zum späten Nachmittag standen die Experten der Landesanstalt den Besuchern auf dem Rosenfeld für Fragen zur Verfügung. Die Verbindung von Theorie und Praxis ist der besondere Vorzug des Pillnitzer Rosentags und macht ihn so attraktiv. Hier kann sich der Pflanzenverwender einen schnellen Überblick verschaffen, der aussagekräftiger ist als die Bilder und Beschreibungen in den Katalogen.
Dr. Philipp Schönfeld,
Bay. Landesanstalt f, Weinbau u. Gartenbau (LWG) Würzburg/Veitshöchheim
Aus Deutscher Gartenbau

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