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Erfurt: Gartenbauwissenschaftliche Jahrestagung
Technologische Innovation ist im modernen Unterglasgartenbau keine Option mehr, sondern Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Auch in den Grußworten zur Tagung wurde allseits der immense Stellenwert der Gartenbauwissenschaften für eine Weiterentwicklung gartenbaulicher Produktionssysteme für die Anpassung an sich ändernde Rahmenbedingungen betont. Ohne Gartenbauwissenschaften sei keine gesunde Ernährung und keine Anpassung urbaner Lebensräume an den Klimawandel möglich.
Mit rund 200 teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ganz Deutschland war die 58. Gartenbauwissenschaftliche Jahrestagung zum Thema „Ressourceneinsparung im Gartenbau: Wie Technologie den Gartenbau nachhaltiger gestaltet“ Anfang März 2026 in Erfurt ein großer Erfolg. Drei Tage lang tauschten sich Forschende aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Beratung über aktuelle Ergebnisse und Herausforderungen im Gartenbau aus.
Zum Generalthema der Tagung gaben zwei Keynotevorträge unterschiedliche Perspektiven. Der internationale Gartenbauberater Marco Joseph beleuchtete in seinem Vortrag „Innovative Technik im weltweiten Unterglasgartenbau“ aktuelle Entwicklungen in der globalen Gewächshausproduktion und stellte praxisnahe Beispiele für Innovationen aus verschiedenen internationalen Märkten vor. Giuseppe Carlo Modarelli widmete sich in seiner Keynote den wissenschaftlichen Strategien zur Steigerung von Nachhaltigkeit und Produktivität in kontrollierten Anbausystemen (Controlled Environment Agriculture). Gemeinsam spannten beide Beiträge den Bogen zwischen praxisnahen Entwicklungen in der internationalen Produktionslandschaft und aktuellen wissenschaftlichen Ansätzen. Dabei wurde deutlich: ohne technologische Innovation geht es im modernen Unterglasgartenbau nicht mehr! Sie ist zwingende Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend ist dabei ein stärkerer, auch internationaler Wissenstransfer und die enge Zusammenarbeit zwischen Betrieben, Technikfirmen und Forschung, um die aktuellen Herausforderungen der Produktion zu bewältigen.
Als Hausherr begrüßte der Präsident der FH Erfurt, Prof. Dr. Frank Setzer die Tagungsteilnehmer sehr herzlich. Er zeigte sich erfreut, dass die Gartenbauwissenschaftliche Tagung nach nunmehr 19 Jahren wieder an der FHE stattfinden könne. Zum Auftakt der Tagung betonte der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt, Andreas Horn, in seinem Grußwort die besondere Bedeutung der Stadt als traditionsreichen Gartenbaustandort. Seit Jahrhunderten prägen Samenhandel, Züchtung und Erwerbsgartenbau die Entwicklung Erfurts. Einrichtungen wie der egapark, das Deutsche Gartenbaumuseum sowie die gartenbauliche Forschung und Ausbildung an der Fachhochschule Erfurt stünden bis heute für die enge Verbindung von Praxis, Ausbildung und Wissenschaft. Gleichzeitig verwies der Oberbürgermeister auf aktuelle Herausforderungen für den Gartenbau, darunter Klimawandel, Ressourcenschonung, Energieeffizienz, Wasserverfügbarkeit und Flächenkonkurrenz. Innovationen und neue Technologien seien wichtige Instrumente, um nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionssysteme zu entwickeln.
Ulrich Haage, Präsident des Gartenbauverbandes Thüringen, der in Vertretung des Zentralverbandes Gartenbau e.V. sprach, hob die Bedeutung des Dialogs zwischen Wissenschaft, Beratung und Praxis hervor. Gerade in wirtschaftlich und strukturell herausfordernden Zeiten sei eine enge Verzahnung dieser Bereiche entscheidend, um tragfähige Lösungen für die Zukunft des Gartenbaus zu entwickeln. Peter Ritschel, Präsident des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR), spannte in seinem Grußwort den Bogen von der Tradition des Gartenbaus in Thüringen hin zum hohen Engagement seines Hauses für angewandte Forschung und Ausbildung auf Landesebene am Lehr- und Versuchszentrum für Gartenbau Erfurt, das die Tagung mit Räumlichkeiten ebenfalls unterstützte.
Organisiert wurde die Tagung von der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft e. V. (DGG) und dem Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e. V. (BHGL) gemeinsam mit der Fachhochschule Erfurt. Die Leitung vor Ort lag bei Prof. Dr. Paul Lampert (FH Erfurt) und Dr. Conny Tränker (FH Erfurt / Forschungsstelle für gartenbauliche Kulturpflanzen) gemeinsam mit der DGG und dem BHGL.
DGG-Präsident Dr. Walter Dirksmeyer und BHGL-Präsident Marc-Guido Megies betonten bei ihren Begrüßungen die Bedeutung des aktuellen, intensiven politischen Prozesses für einen Neustart der Gartenbauwissenschaften. Megies stellte heraus: „Alles politische Wirken fußt auf dem „Maßnahmenpaket Zukunft Gartenbau“ des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) und unserem wichtigen Teil darin, dem Konzept zum „Neustart der Gartenbauwissenschaften“ sowie dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Wir fordern die Bundesregierung nachdrücklich auf, den „Neustart der Gartenbauwissenschaften“ aus dem Koalitionsvertrag mit dem Haushalt 2027 endlich umzusetzen!“ Megies und Dirksmeyer forderten die Unterstützung aller Gartenbauwissenschaftlerinnen und Gartenbauwissenschaftler, die Ihre Kontakte zu Politikerinnen und Politikern in Bund und Ländern nutzen mögen, um diesem Konzept Nachdruck zu verleihen! Dirksmeyer verwies in diesem Kontext mit Blick auf die geplante Schließung der Forschungsstelle für gartenbauliche Kulturpflanzen darauf, dass noch bestehende Strukturen der Gartenbauwissenschaften unbedingt zu erhalten seien.
Das wissenschaftliche Programm der 58. Gartenbauwissenschaftlichen Jahrestagung spiegelte die gesamte Bandbreite der Gartenbauwissenschaften wider. In zahlreichen Vorträgen und Postersessions wurden aktuelle Forschungsarbeiten aus Bereichen wie Pflanzenzüchtung, Phytomedizin, Substrat- und Ressourceneffizienz, Gartenbautechnik, Produktionssystemen, Digitalisierung sowie ökonomischen Fragestellungen vorgestellt.
Ein besonderer Schwerpunkt lag zudem auf der Förderung des gartenbauwissenschaftlichen Nachwuchses. Beim studentischen Wettbewerb der DGG Green Challenge präsentierten zehn Teams aus verschiedenen Hochschulen ihre Konzepte für eine nachhaltige Produktion im Gartenbau. Den ersten Preis und das von der Gartenbauzentrale Papenburg ausgelobte Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro gewann das Team „Low-Input-Basil“ der Humboldt-Universität zu Berlin mit einem Konzept für eine ressourcenschonende Basilikumproduktion.
Der BHGL-Förderverein lobte vier Posterpreise aus. Die Gewinnerinnen und Gewinner sind: 1. Platz (400 €): Kim Kyra Brüntjen, Hochschule Osnabrück, 2. Platz (300 €): Lea Kochmann, Hochschule Osnabrück und 3. Platz (200 €): Lara Bürig, Julius Kühn-Institut, Sonderpreis Studierende (100 €): Linus Arlt, Hochschule Osnabrück.
Die Veranstaltenden DGG und BHGL ziehen insgesamt eine sehr positive Bilanz der Tagung. Neben dem intensiven wissenschaftlichen Austausch trugen insbesondere die starke Beteiligung des Nachwuchses und die große thematische Vielfalt zum Erfolg der Veranstaltung bei.
Die Organisatoren bedanken sich ausdrücklich bei allen Sponsoren und Unterstützern der Tagung. Besonders hervorgehoben wurden die Hauptsponsoren DH Licht, Aurora Europe und die Gartenbauzentrale Papenburg. Weitere Unterstützung kam unter anderem von RAM Mess- und Regeltechnik, der Messe Essen, LIMERA Gartenbauservice, der TASPO Stiftung sowie der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH.

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