Düsseldorf: Erster Landwirtschaftsgipfel in der Staatskanzlei

Ministerpräsident Armin Laschet und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser haben am 13. Januar 2020 zu einem in dieser Form ersten Landwirtschaftsgipfel in Nordrhein-Westfalen in die Staatskanzlei eingeladen.

Armin Laschet beim ersten Landwirtschaftsgipfel in der Staatskanzlei Düsseldorf. Bild: Land NRW / Günther Ortmann.

Anzeige

Ministerpräsident Laschet: 2020 ist wegweisend für die Zukunft der Landwirtschaft. Unser Ziel ist eine nachhaltige Landwirtschaft, die auf Wertschätzung und Wertschöpfung basiert

Die Landesregierung will die starke, vielfältige und vitale heimische Landwirtschaft erhalten und stärken. Um sich mit der Branche über aktuelle Herausforderungen auszutauschen, haben Ministerpräsident Armin Laschet und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser heute (13. Januar 2020) zu einem in dieser Form ersten Landwirtschaftsgipfel in Nordrhein-Westfalen in die Staatskanzlei eingeladen. An dem Gipfel zur Zukunft der Landwirtschaft haben rund 20 Verbände von Landwirtinnen und Landwirten teilgenommen.

Ministerpräsident Armin Laschet sieht 2020 als wegweisendes Jahr für die Landwirtschaft. „In diesem Jahr müssen wir in Europa, im Bund und auch bei uns in Nordrhein-Westfalen die Weichen für eine nachhaltige Landwirtschaft stellen, die auf Wertschätzung und Wertschöpfung basiert. Eine unsichere Finanz- und Ertragslage, der Klimawandel, Artenschwund und damit verbundene Erwartungen an Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz bringen notwendige Veränderungen mit sich.” Der Ministerpräsident weiter: „Wir unterstützen die Landwirtschaft bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen. Zuhören, antworten, wertschätzen – das ist unser Selbstverständnis. Ob beim Artenschutz, beim Wald oder jetzt in der Landwirtschaft: Wir treten in den Dialog mit Vereinen, Verbänden und Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, um die richtigen Weichen für unser Land zu stellen.”

Im ersten Halbjahr 2020 wird das Landwirtschaftsministerium eine Landwirtschaftskonferenz ausrichten, um den Austausch über gemeinsame Lösungen und Wege für die drängenden Probleme der Branche fortzuführen. „Wir stehen vor einer Umstrukturierung des Landwirtschaftssektors. Dabei werden wir die Landwirtinnen und Landwirte nicht alleine lassen, sondern setzen uns da, wo wir Einfluss nehmen können, für verlässliche Rahmenbedingungen ein. Dies betrifft etwa die Überprüfung der Grundwassermessstellen und eine stärkere Binnendifferenzierung als Basis für eine weitergehende Düngeregulierung“, erklärte Ministerin Heinen-Esser.

Gemeinsame Europäische Agrarpolitik

Die Landesregierung setzt sich für eine Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) ein, die Planungssicherheit und Verlässlichkeit schafft. Die GAP nach 2020 muss einfacher für die Landwirtschaft und wirksamer für die Umwelt werden. In die Verhandlungen hat Nordrhein-Westfalen ein gemeinsames, mit Landwirtschafts-, Natur- und Umweltverbänden abgestimmtes Positionspapier eingebracht. Ziel der Landesregierung ist es, dass sowohl die erste als auch die zweite Säule in ihrer Finanzstärke erhalten bleiben. Die GAP muss die Landwirtinnen und Landwirte durch effektive Rahmensetzung durch eine gezielte Agrarförderung unterstützen und durch weniger Bürokratie entlasten. Auch zur Entwicklung der ländlichen Räume ist eine gute Finanzausstattung erforderlich.

Grundwasserschutz und Düngeregulierung

Die Nitratbelastung des Grundwassers ist insgesamt erfreulicherweise rückläufig. Aber es gibt nach wie vor Gebiete, in denen die Nitratgrenzwerte im Grundwasser deutlich überschritten werden. Dort ist es das Ziel, das Grundwasser zu schützen – gleichzeitig die Landwirtinnen und Landwirte in ihrem Engagement zu unterstützen. Das Landwirtschaftsministerium bereitet derzeit eine stärkere Binnendifferenzierung bei der Betrachtung und Bewertung der Grundwasserkörper vor. Zum Schutz des Grundwassers setzen wir uns dafür ein, die Nitrat-Belastungsschwerpunkte zu ermitteln und mit zusätzlichen Maßnahmen dort gezielt anzusetzen. Im Rahmen einer Überprüfung des Messnetzes werden Schwachstellen ermittelt. Wo erforderlich, werden zusätzliche Messstellen errichtet. Darüber hinaus werden die erfolgreichen Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschat weiter gefördert.

Artenvielfalt und Vertragsnaturschutz

Neben dem Klimawandel stellt der Artenschwund eine ökologische Bedrohung unserer Zeit dar. Durch gemeinsame Anstrengungen kann der Verlust der Biodiversität gestoppt werden. Die Vielfalt blütenbestäubender Insekten ist entscheidend auch für eine reiche Ernte. Forschen und Fördern ist die Devise der Landesregierung: Nordrhein-Westfalen untersucht derzeit als erstes Bundesland in einem Langzeit-Monitoring bis 2022 die künftige Entwicklung der Biomasse von Fluginsekten auf 120 repräsentativ ausgewählten Probeflächen. Das Programm „Ländlicher Raum 2014-2020“ bietet mit seinen zahlreichen Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutzmaßnahmen ein breites Spektrum an Fördermaßnahmen. Unter anderem haben das Landwirtschafsministerium und die Landwirtschaftskammer unter www.biodiversitaet-nrw.de ein Internetangebot etabliert, das auf einen Blick, welche Maßnahmen zur Stärkung der Artenvielfalt für einen Betrieb infrage kommen, welche Förderungsmöglichkeiten es gibt und welche Auflagen sie dafür erfüllen müssen.

Nachhaltige Nutztierstrategie

In den zurückliegenden Monaten wurden gemeinsam mit Vertretern der Landwirtschaft, mit Tierschutz-, Umwelt- und Verbraucherverbänden erste Eckpunkte einer nachhaltigen Nutztierstrategie erarbeitet. Ziele werden gesetzt, Maßnahmen umgesetzt, Zielkonflikte angegangen. In der Schweinehaltung soll zum Beispiel gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer ein „Stall der Zukunft“ Landwirten neue und bereits praxiserprobte Haltungsformen aufzeigen. Die geplante Tiergesundheitsdatenbank hat Ende 2019 einen ersten Probelauf bestanden. Vorhandene Daten sollen zusammengeführt und als Frühwarnsystem zur Verbesserung der Tiergesundheit dienen. Ein wichtiger Baustein für den Transformationsprozess in der Nutztierhaltung ist das staatliche Tierwohlkennzeichen. Mit einer eindeutigen Kennzeichnung können die Verbraucherinnen und Verbraucher eine bewusste Kaufentscheidung treffen – und noch stärker als bisher in die Mitverantwortung genommen werden.

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Heinen-Esser nimmt auch die Verbraucherinnen und Verbraucher mit in die Pflicht: „Wer höhere Standards einfordert, muss bereit sein, diese auch durch faire Preise zu würdigen. Mehr Umwelt- und Tierschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben. Die Wertschätzung unserer Lebensmittel und derer, die sie erzeugen, darf nicht an der Supermarktkasse aufhören“, so Heinen-Esser weiter. Ministerin Heinen-Esser appelliert an die Landwirtinnen und Landwirte, nicht vor einer neuen Marketingstrategie für ihre Produkte zurückzuscheuen: „Seien Sie stolz auf die von Ihnen erzeugten Lebensmittel und bewerben Sie diese Mittel zum Leben und die von Ihnen erbrachte Leistung auch für die Umwelt und den Ländlichen Raum offensiv.“

Internationale Grüne Woche in Berlin beginnt am Donnerstag

Unter dem Motto „Stadt.Land.Fluss“ präsentiert sich Nordrhein-Westfalen auch in diesem Jahr wieder auf der Internationalen Grünen Woche. „Wir sind das Zuhause einer leistungsstarken Land- und Ernährungswirtschaft mit vielfältigen Erzeugnissen und begeisterten Menschen, die hinter diesen Erzeugnissen stehen“, sagte Ministerin Heinen-Esser. In Berlin werden auf der knapp 1.200 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche an 27 Messeständen die vielfältigen Produkte aus Nordrhein-Westfalen präsentiert. Neben regionalen Spezialitäten, Bieren, Fruchtsäften und Fischgenüssen, Käse und Spargel werden Blumen und Zierpflanzen vom Niederrhein, die Erlebnisangebote des Naturparks Hohe Mark oder das Leben auf dem Lande mit Projekten aus dem Förderprogramm LEADER des Umweltministeriums präsentiert. (Umweltminesteruim NRW)

Der GABOT-Newsletter

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.