BMEL: Offizieller Erntebericht vorgestellt

Am Freitag wurde der Erntebericht 2020 von Julia Klöckner vorgestellt. Für diese repräsentative Ertragsermittlung werden die tatsächlich festgestellten Erträge herangezogen.

Aus dem deutschen Erwerbsanbau wird eine Apfelernte von rund 951.000 t erwartet. Bild: GABOT.

Anzeige

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat am Freitag den Erntebericht 2020 vorgestellt. Grundlage des Berichts sind - anders als bei den bisher vorgestellten Ernteprognosen - die tatsächlich festgestellten Erträge der bisher ausgewerteten Probeflächen aus allen Teilen des Bundesgebiets.

Julia Klöckner: „Gute Ernten sind unsere Lebensgrundlage. Wie wichtig es ist, sie zu sichern, dafür ist in der Corona-Pandemie neues Bewusstsein entstanden – es geht um Ernährungssicherung. Und für unsere Landwirte um ihr Einkommen. Die Erträge sind im Bundesdurchschnitt besser als erwartet, wenn auch leicht unterdurchschnittlich. Dabei gibt es starke regionale Schwankungen – je nach Bodengüte und Wasserversorgung. Im dritten Jahr in Folge hatten die Landwirte vor allem mit der Trockenheit, aber auch vermehrt mit Spätfrösten zu kämpfen. Das zeigt nochmals deutlich, wie entscheidend die verstärkte Anpassung an den Klimawandel ist.“

Gemüse Europäische Union: Trotz Corona-Einschränkungen gesicherte Versorgung

In den südeuropäischen Zentren der europäischen Gemüseerzeugung herrschten zu Jahresbeginn widrige Witterungsbedingungen. Sturmtiefs mit niedrigen Temperaturen und kräftigen Niederschlägen hatten bis in den Februar hinein ein knapperes Angebot unter anderem an Salaten und feinen Kohlgemüsen zur Folge. In den weiter nördlich gelegenen Regionen, die außerhalb der eigenen Vegetationsperiode stark auf Zufuhren aus dem Süden angewiesen sind, schlug sich dies in deutlich höheren Verbraucherpreisen nieder. Als sich die Versorgungslage ab Mitte Februar entspannte, begann das Corona-Geschehen die Marktentwicklung zu dominieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten aufgrund verhängter Reisebeschränkungen und wieder aufgenommener Grenzkontrollen funktionierten die europaweiten Lieferketten wieder weitgehend störungsfrei. Die Verbraucherinnen und Verbraucher finden daher ein gewohnt breites Angebot an Gemüsearten im Handel vor, allerdings teilweise zu höheren Preisen als im Vorjahr - nicht nur, aber auch wegen der Corona-bedingten Mehrkosten. Einer Umfrage zufolge steigt bei den europäischen Gemüseanbauern aufgrund der Corona-Erfahrungen das Interesse an automatisierten mechanischen Ernteverfahren.

Deutschland: Kleinere Spargelernte wegen Flächenrückgang und Corona

In Deutschland betreiben rd. 6.300 Betriebe kommerziellen Gemüseanbau, überwiegend im Freiland, teils unter Schutzvorrichtungen wie Gewächshäusern und Folientunnels. Die Erntemengen werden durch die alljährliche Gemüseerhebung erfasst, die in der zweiten Jahreshälfte durchgeführt wird und deren Ergebnisse im Folgejahr zur Verfügung stehen. Im Jahr 2019 belief sich die deutsche Gemüseernte vom Freiland und aus geschütztem Anbau auf rd. 3,9 Mio. t. Hierzu trugen hauptsächlich Nordrhein-Westfalen mit rd. 776.000 t, Bayern mit rd. 681.000 t, Rheinland-Pfalz mit rd. 607.000 t und Niedersachsen mit rd. 560.000 t bei. Inwieweit sich Spekulationen über eine Verschiebung des Anbauspektrums hin zu weniger handarbeitsintensiven Kulturen in der Gemüsesaison 2020 bewahrheiten, bleibt abzuwarten. Hinsichtlich der Anbauflächen ist Spargel die wichtigste Freilandgemüseart in Deutschland, gefolgt von Kohlgemüse, Möhren/Karotten und Speisezwiebeln. Bis zum Jahr 2018 wurden die Spargelflächen (Summe aus im Ertrag stehenden Flächen und Junganlagen, die noch nicht beerntet werden) kontinuierlich ausgeweitet bis auf rund 28.500 ha; dies war nahezu eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2000. Dieser Trend setzte sich nicht fort, nachdem 2018 die Erzeugerpreise stark eingebrochen waren.

Die im Ertrag stehende Spargelfläche nahm 2019 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 2% ab und verringerte sich nach den vorläufigen Angaben aus der Gemüsevorerhebung in diesem Jahr nochmals um knapp 5% auf rund 21.900 ha. Dieser doch recht deutliche Rückgang in der Erntesaison 2020 muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Flächen nicht mehr produktiv sind und anderweitig genutzt werden. Möglicherweise wurden sie - zumindest teilweise - in diesem Jahr wegen fehlender Arbeitskräfte und/oder Absatzmöglichkeiten nicht beerntet. Aus einigen Regionen wurde zudem berichtet, dass die Erntequalität (Stangendicke) unter der Trockenheit der Vorjahre und des Frühjahrs gelitten habe und auf den betroffenen Flächen die Ernte schon vor dem offiziellen Saisonende am 24. Juni beendet worden sei. Wegen Corona fiel die Gastronomie als Hauptabnehmer von Spargel in dieser Saison weitgehend aus. Dafür flossen deutlich größere Mengen in den Absatz an Privathaushalte. Berichten zufolge verbuchten Wochenmärkte, Hofläden und mobile Verkaufsstände spürbare Nachfragezuwächse. Wegen der knappen Arbeitskräfte setzten einige Betriebe sogar auf die Alternative „Spargel selber stechen“. In der Saison 2020 wurde nach den vorliegenden vorläufigen Angaben insgesamt rund 106.400 t Spargel geerntet. Damit fällt die Ernte um 19% geringer aus als im Vorjahr. Mit rund 26.500 t (-5% gegenüber 2019) wurde der meiste Spargel in Niedersachsen gestochen, gefolgt von Brandenburg mit rund 19.100 t (-12%) und Nordrhein-Westfalen mit rund 18.600 t (-17%). Besonders starke prozentuale Rückgänge der Erntemengen gegenüber dem Vorjahr waren in Bayern mit 33% und in Baden-Württemberg mit 26% zu verzeichnen. Aufgrund der verringerten Erntemengen kam es in der Spargelsaison trotz der fehlenden Nachfrage aus der Gastronomie nicht zu Überangebotsphasen. Die Erzeugerpreise lagen höher als im Vorjahr; allerdings standen diesen auch höhere Kosten im Zusammenhang mit den Corona-Schutzmaßnahmen gegenüber.

Mit dem steigenden Angebot an Freilandgemüse aus heimischer Erzeugung und der Normalisierung der Gemüsenachfrage der privaten Haushalte war die Entwicklung der Erzeugerpreise ab der Jahresmitte unbefriedigend, insbesondere unter Berücksichtigung der gestiegenen Erntekosten aufgrund der Corona- Schutzmaßnahmen.

Obst Europäische Union: Witterungsbedingt geringere Erntemengen

Die Erzeugung von Zitrusfrüchten litt unter ungünstigen Witterungsbedingungen während der Blüh- und Fruchtbildungsphase. Nach Schätzungen des USDA liegt die Erntemenge in der EU bei Orangen um 9% unter dem Vorjahresniveau und bei Zitronen/Limonen um 16%. Auch im Hinblick auf die Erzeugung von Aprikosen, Pfirsichen und Nektarinen wird nach Mitteilung der KOM ein starker Einbruch erwartet, teils witterungsbedingt, teils als Reaktion auf niedrige Erzeugerpreise in den Vorjahren. Die Importpreise für Obst aus dem Mittelmeerraum spiegeln die geringere Warenverfügbarkeit wider. Im Juni lagen diese bei Pfirsichen um 31% und bei Zitrusfrüchten um rund 17% über dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Anfang August stellte die World Apple and Pear Association (WAPA) ihre alljährliche Ernteprognose vor. In Bezug auf die EU beinhalten die Schätzungen noch die Daten für das Vereinigte Königreich (VK) trotz des BREXIT. Für die EU und das VK rechnet die WAPA mit einer Apfelernte von rd. 10,7 Mio. t. Dies wäre ein Rückgang um 1% gegenüber dem Vorjahr und um 4% gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019. Für Polen, den größten Apfelerzeuger in der EU, wird nach dem sehr schlechten Vorjahresergebnis ein Zuwachs von 17% erwartet. Rückläufige Erntemengen zeichnen sich in den für den deutschen Markt wichtigen Lieferländern Frankreich (-13%), Niederlande (-14%) und Belgien (-31%) ab, während die italienische Ernte fast an das Vorjahresniveau heranreicht und den dreijährigen Durchschnitt um 3% übertrifft.

Die Birnenernte in der EU plus VK schätzt die WAPA auf rund 2,1 Mio. t und damit 12% höher als im Vorjahr. Für Italien, den größten Birnenproduzenten in der EU, wird eine Zunahme um 77% gegenüber der schlechten Ernte im Vorjahr erwartet.Inwieweit die erwarteten Erntemengen auch tatsächlich für die Marktversorgung zur Verfügung stehen werden, bleibt abzuwarten. Aus Belgien wurde bereits gemeldet, dass die Hitzewelle Anfang August zu erheblichen Sonnenbrandschäden geführt habe und daher möglicherweise 20 bis 30% der Äpfel und Birnen nicht vermarktbar seien.

Deutschland: Ertragsrisiko durch Spätfröste und Trockenheit nimmt zu

Aus dem deutschen Erwerbsanbau erwartet die WAPA eine Apfelernte von rund 951.000 t; das wäre ein Rückgang um rund 4% gegenüber dem Vorjahresergebnis (991.500 t) und erneut eine leicht unterdurchschnittliche Ernte. Die Schätzung der Ernte- und Betriebsberichterstatter liegt mit rund 942.000 t nur geringfügiger niedriger. In einigen Regionen, insbesondere in Sachsen und Sachsen-Anhalt, zeichnen sich frostbedingt stärkere Ernteeinbußen ab. Zudem gibt es eine Verschiebung im Sortenspektrum; es wird ein kleineres Angebot von Elstar und Jonagold erwartet. Grund hierfür sind neben den Frostschäden Alternanzerscheinungen, d. h. das Phänomen, dass sich insbesondere bei Äpfeln Jahre mit starkem Fruchtbehang mit solchen mit geringem Fruchtbehang abwechseln. Anders als im Vorjahr gab es in der laufenden Saison bisher keine größeren Hagelschäden, so dass trotz der etwas kleineren Ernte der Frischmarkt ausreichend versorgt sein dürfte. Erfreulich positiv sind die Ernteaussichten bei den Streuobstäpfeln, die überwiegend zur Getränkeherstellung (Apfelsaft und -wein) genutzt werden. Nach der äußerst schwachen Vorjahresernte erwartet der Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie aufgrund seiner alljährlichen Fruchtbehangschätzung eine Erntemenge von rd. 850.000 t. Auch die Eigenversorgung aus den Hausgärten dürfte besser ausfallen als im Vorjahr. Für die deutsche Birnenernte geht die WAPA von rund 43.000 t aus. Damit würde das Ernteergebnis des Vorjahres (42.500 t) leicht übertroffen.

Die Erdbeersaison 2020 wird geprägt durch höhere Produktionskosten (bedingt durch Corona-Auflagen), geringere Erntemengen und eine gute Nachfrage. Zulegen konnte vor allem die Direktvermarktung; auch die Selbstpflücke stieß wieder auf größeres Verbraucherinteresse und bot manchen Betrieben eine Möglichkeit, auf den Erntehelfermangel zu reagieren. Die Erdbeerernte im Freiland wird auf rund 99.000 t geschätzt und dürfte damit um 13% geringer ausfallen als im Vorjahr bzw. um gut ein Viertel niedriger als im Durchschnitt der letzten sechs Jahre. Neben den Ertragseinbußen durch Spätfröste und Trockenheit im Frühjahr, die regional die Blüten schädigten, wirkt sich die weitere Abnahme der ertragsfähigen Anbaufläche im Freiland auf bundesweit 10.800 ha (-7% gegenüber 2019) aus; dies ist die geringste Fläche seit 2003. Während im Freiland die Erdbeerernte ihren Höhepunkt überschritten hat, ist noch bis zum Herbst heimische Ware aus geschütztem Anbau (z. B. Folientunneln) verfügbar. Die unter diesen Produktionsbedingungen erzeugten Mengen werden erst im Herbst mit der Gemüseerhebung erfasst und das Gesamtergebnis der Erdbeerernte im kommenden Jahr veröffentlicht.

Die Kirschenernte wurde in einigen Regionen sehr stark durch Frostschäden in der Blüte dezimiert. Insbesondere aus Baden-Württemberg, wo 46% der deutschen Süßkirschen angebaut werden, und aus der Fränkischen Schweiz, dem größten zusammenhängenden Süßkirschenanbaugebiet in Deutschland, wurden erhebliche frostbedingte Ertragsausfälle gemeldet. Auch die Folgen der Trockenjahre 2018 und 2019 sowie die diesjährige Frühjahrstrockenheit wirkten sich in einigen Regionen ertragsmindernd aus. Mit knapp 36.800 t dürfte die Süßkirschenernte in diesem Jahr um 17% niedriger ausfallen als 2019. Bei den Sauerkirschen wird mit rd. 14.700 t ein Rückgang um 6% gegenüber dem Vorjahr erwartet. Anders als bei den Süßkirschen ist die Anbaufläche bei den Sauerkirschen rückläufig. Während Süßkirschen bundesweit auf gut 6.000 ha stehen, beläuft sich der Sauerkirschenanbau nur noch auf knapp 1.900 ha mit Schwerpunkt in Rheinland-Pfalz und Sachsen.

Auch bei Pflaumen/Zwetschen wird nach ersten Schätzungen die Vorjahresmenge um rd. 17% verfehlt und die Erntemenge nur bei rund 38.800 t liegen. Lediglich bei Mirabellen/Renekloden zeichnet sich ein leichter Zuwachs um 2% auf knapp 5.400 t ab.

Der Anbau von Strauchbeeren, die aufgrund ihres positiven Gesundheitsimages zunehmend nachgefragt werden, wurde auch im vergangenen Jahr wieder ausgeweitet, allerdings nicht mehr so stark wie in den Vorjahren.

Bundesweit werden auf rund 9 .400 ha verschiedene Strauchbeerenarten kultiviert. Ein Drittel dieser Fläche entfällt auf Kulturheidelbeeren. Wegen der besonderen Bodenansprüche (niedriger pH-Wert) der Sträucher konzentrieren sich zwei Drittel der Heidelbeeranbauflächen in Niedersachsen. Eine besonders kräftige Anbauausdehnung, allerdings von niedrigem Ausgangsniveau, erfuhren zuletzt die Aroniabeeren, die vor allem in Brandenburg und Sachsen angebaut werden. Da die Ernte von Strauchbeeren mit hohem Handarbeitsaufwand verbunden ist, benötigen die spezialisierten Betriebe viele Saisonarbeitskräfte und mussten sich mit den Corona-bedingten Auflagen arrangieren. Offizielle Ernteergebnisse aus der diesjährigen Strauchbeerenerhebung werden Anfang 2021 vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht.

Bei den meisten Beerenarten dürfte die Ernte 2020 schwächer ausfallen als im Vorjahr. So gab es bei den Aroniabeeren in den Hauptanbaugebieten massive Frostschäden, die teilweise zum Totalausfall geführt haben. In den Heidelbeerplantagen wurde teilweise ein verringerter Fruchtansatz bedingt durch Alternanz beobachtet, und es gab regional auch Schäden durch Spätfröste und Hagel. Vor diesem Hintergrund gehen Marktbeobachter davon aus, dass die letztjährige Rekordernte um 20 bis 30% unterschritten werden könnte. Gemäß der AMI-Saisonvorschau, einer Befragung der wichtigsten Erzeugermärkte, wird auch bei Johannisbeeren und Himbeeren von einer geringeren Erntemenge als im Vorjahr ausgegangen. Wie schon seit längerem in der Erdbeererzeugung zu beobachten, wächst zum Schutz vor Hagel- oder Regenschäden und anderen negativen Witterungseinflüssen (z. B. Sonnenbrand) sowie vor Schädlingen auch bei anderen Obstarten seit einigen Jahren die Bedeutung des geschützten Anbaus. Bei Himbeeren stammen mittlerweile gut 60% der deutschen Erzeugung aus geschütztem Anbau dank höherer Flächenerträge als im Freiland. (BMEL)

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.