40. Steuerkolloquium tagte in Bonn

Das 40. Kolloquium über Steuerfragen im Gartenbau, das am 13. September in Bonn gemeinsam vom Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG) und dem HLBS - Hauptverband der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen e. V. veranstaltete wurde, verzeichnete in diesem Jahr wieder mit mehr als 170 Teilnehmern einen Besucherrekord.

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Das 40. Kolloquium über Steuerfragen im Gartenbau, das am 13. September in Bonn gemeinsam vom Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG) und dem HLBS - Hauptverband der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen e. V. veranstaltete wurde, verzeichnete in diesem Jahr wieder mit mehr als 170 Teilnehmern einen Besucherrekord. Unter der Leitung von Michael Speth, Vorsitzender des Arbeitsausschusses für Recht und Steuern des ZVG, und Steuerberater Ernst Schnekenburger, Vizepräsident des HLBS, wurde ein breites Spektrum an Themen erörtert. Dabei stellten die steuerlichen Fragen rund um die steuerliche Abgrenzung zwischen Landwirtschaft und Gewerbe und deren Änderung aufgrund der Rechtsprechung und der dazu entwickelten Verwaltungsauffassungen einen Schwerpunkt dar.

Den Auftakt machte Dipl.-Ing. agr. Jürgen Forster von der GUB - Gartenbau-Unternehmensberatungsgesellschaft mbH in Frankfurt/M. mit seinen Ausführungen zu den Fragen, welche Anforderungen an die steuerlichen Berater im Zusammenhang mit der Finanzierung von Gartenbaubetrieben gestellt werden. Anhand von Beispielen aus der Praxis eines Unternehmensberaters, der regelmäßig Betriebe in der Krise begleitet, konnte er wertvolle Tipps für die tägliche Arbeit geben. Dabei machte er außerdem deutlich, dass er die Trennung von Betrieben aufgrund der neuen steuerlichen Regelungen zur Abgrenzung zwischen Landwirtschaft und Gewerbe vor dem Hintergrund der Finanzierungsfragen kritisch sehe. Bei den Banken gebe es ohnehin ein großes Defizit bezüglich der Kenntnisse über die Branche Gartenbau. Wenn jetzt Erzeugerbetrieb und Vermarktungseinrichtung aufgrund steuerlicher Erschwernisse noch getrennt werden müssten, verbessere dies die Lage im Gespräch mit der Bank nicht.

Diplom-Finanzwirt Steffen Wiegand aus dem Bundesministerium der Finanzen (BMF), Berlin, erläuterte in seinem Vortrag den Sachstand der Abstimmungsgespräche zwischen Bund und Ländern zur Umsetzung der Neuregelungen zur Abgrenzung von Landwirtschaft und Gewerbe für den Gartenbau. Einen besonderen Schwerpunkt legte er dabei auf die Umsetzung der Zukaufsregelung in der Praxis und machte deutlich, dass nach derzeitigem Sachstand mit der Umsetzung der Neuregelung im Rahmen der Einkommensteuer-Richtlinien 2012 zu rechnen sei.

Rechtsanwalt Hubert Feldhaus von der PARTA in Bonn zeigte in seinem Vortrag die ertragsteuerlichen Konsequenzen für die Praxis auf, wenn aufgrund der neuen Zukaufsregeln die Ausgliederung einer Vermarktungseinrichtung erforderlich wird. Daneben gab er eine Reihe von Gestaltungshinweisen und setzte sich dabei insbesondere auch mit der so genannten Abfärberegelung des § 15 Abs. 3 Einkommensteuergesetz (EStG) auseinander, die insbesondere für Personengesellschaften zu erheblichen steuerlichen Konsequenzen führt.

Im anschließenden Vortrag beleuchtete Diplom-Finanzwirtin Andrea Köcher vom HLBS besondere umsatzsteuerliche Fragestellungen. Anhand der Zielsetzung für eine Ausgliederung, auf der einen Seite ein pauschalierendes Einzelunternehmen im Bereich der Land- und Forstwirtschaft und auf der anderen Seite eine regelbesteuernde GmbH als Handelsbetrieb zu haben, setzte sie sich besonders mit der umsatzsteuerlichen Organschaft auseinander. Sie erläuterte die Voraussetzungen sowie die Schwierigkeiten, die bei Vorliegen einer umsatzsteuerlichen Organschaft entstehen. Daneben gab sie Praxishinweise, um die umsatzsteuerliche Organschaft zu vermeiden und zeigte weitere Gestaltungsmöglichkeiten auf.

In der Diskussion zu diesem Themenblock wurde deutlich, dass diese Themen vielen Teilnehmern auf den Nägeln brennen. Auch wenn anerkannt wurde, dass das BMF sich in den bisher nur im Entwurf vorliegenden Einkommensteuer-Richtlinien 2012 bemüht habe, für die Abgrenzungsfragen praxisgerechte Lösungen zu finden. Daneben wurde aber auch deutlich gemacht, dass die feste Betragsgrenze beim Zukauf, die dazu führt, dass gewerbliche Einkünfte vorliegen, für den Gartenbau nicht geeignet sei.

Am Nachmittag beschäftigte sich Steuerberater Bernd Meyer zu Berstenhorst, LGG Steuerberatungsgesellschaft mbH, Stuttgart, mit ausgewählten rechtlichen Fragen zur Beschäftigung von Saisonarbeitskräften. Neben einem allgemeinen Überblick zur Beschäftigungssituation zeigte er auch die Schwierigkeiten auf, die sich derzeit bei Zulassungen von insbesondere rumänischen Saisonarbeitskräften durch die zentrale Abwicklung der Zulassungen ergeben. Insbesondere in Baden-Württemberg träten erhebliche Probleme bei der Rücksendung der Einstellungszusagen/Arbeitsverträge auf. Daneben behandelte er Lohnsteuerfragen und wies nochmals mit Nachdruck auf die Notwendigkeit des Abschlusses von Arbeitsverträgen, insbesondere auch mit Blick auf sozialversicherungsrechtliche Auswirkungen, hin. So könnten - wenn denn deutsches Sozialversicherungsrecht zur Anwendung kommen könnte - die Regelungen zur geringfügigen Beschäftigung nicht in Anspruch genommen werden, wenn nicht vorher ein befristeter Arbeitsvertag abgeschlossen worden sei.

Mit einer besonderen steuerlichen Fragestellung im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften setzte sich Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Horst-Dieter Riepe, Frankfurt/M., auseinander. Er beleuchtete die steuerliche Behandlung der Zurverfügungstellung von Unterkunft und Verpflegung für Saisonarbeitskräfte und zeigte auf, dass auch Sachbezüge, wie Kost und Logis, der Lohnsteuer unterliegen und bei den Sozialversicherungsabgaben zu berücksichtigen sind. Einen besonderen Schwerpunkt in seinem Vortrag bildete die umsatzsteuerliche Behandlung dieser Leistungen.

Einen Ausblick an die Anforderungen in der Zukunft gab Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Tobias T. Meyer von der DBB DATA Beratungs- und Betreuungsgesellschaft mbH, Bad Homburg, mit seinem Vortrag über die Anforderungen an die elektronische Rechnungserstellung nach neuen gesetzlichen Grundlagen. Dass das, was als Verwaltungsvereinfachung verkauft wird, oft nicht mit weniger Verwaltung in den Betrieben zu tun hat, machte auch dieser Vortrag wieder deutlich. Ebenso klar wurde aber auch, dass die Gartenbaubetriebe sich dem Thema nicht entziehen können, denn wenn Rechnungen in elektronischer Form eingehen, müssen die allgemeinen Regeln eingehalten werden.

Auch am Nachmittag zeigten die Diskussionsbeiträge zu den einzelnen Themenblöcken das große Interesse der Teilnehmer an den Fragestellungen.

Im Jahr 2012 werden ZVG und HLBS diese erfolgreiche Veranstaltung fortführen. Interessenten sollten sich schon jetzt den Termin 11. September 2012 in der Stadthalle in Bonn-Bad Godesberg vormerken. (ZVG)

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