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"1000 gute Gründe": Die Stadt wird grün
Es muss nicht immer der große Garten sein. Manchmal reicht nur ein luftiges Plätzchen und ein wenig Erde, um sich lebendiges Grün ins Leben zu holen. Urban Gardening ist längst mehr als nur ein Trend – Blumen, Gemüse und Kräuter gehören für viele selbstverständlich in die Stadt, denn mit den richtigen Ideen lässt sich ganz problemlos auf dem Balkon, im Hinterhof oder sogar an der Hauswand gärtnern. Die Pflanzenprofis der Initiative „Blumen – 1000 gute Gründe" haben dazu einige Tipps parat. Dabei geht es natürlich um mehr als nur ein neues Blümchen im Topf. Urban Gardening ist auch eine Haltung: hin zum Selbstgemachten statt zum Fertigen, zur bienenfreundlichen Blumenmischung statt zur Schotterfläche, zum guten Gefühl etwas wachsen zu sehen. Schöner Nebeneffekt: Urban Gardening wirkt im hektischen Alltag entschleunigend, es „erdet" – im wahrsten Sinne des Wortes.
Schneller Einstieg mit einfachen Mitteln
Vor allem seine Niedrigschwelligkeit macht Urban Gardening so beliebt. Denn dafür muss man weder viel Geld noch übermäßig Zeit aufwenden. Das Gärtnern in der Stadt lebt von Improvisation, Kreativität und einem gewissen Charme des Unfertigen. Worauf es ankommt, ist eine gute Idee, wie man die eigene Umgebung grüner machen kann: Alte Holzkisten werden zu Hochbeeten im Innenhof, leere Konservendosen zu Kräutertöpfen auf dem Fensterbrett, Obststeigen zu kleinen Regalen, Paletten zu vertikalen Beeten. Es muss nicht alles geschniegelt und durchdesignt sein. Im Gegenteil: Gerade die Mischung aus Funktion, Wiederverwendung und lebendigem Grün macht den Reiz aus. Wichtig bei diesem Upcycling: Die Gefäße brauchen auf jeden Fall Löcher oder einen durchlässigen Boden, damit überschüssiges Wasser abfließen kann.
Eine Sonderform, die vor allem bei engeren Wohnbedingungen in der Innenstadt groß rauskommt, ist das vertikale Gärtnern. Dabei wachsen die Pflanzen nicht nur in die Fläche, sondern auch an Wänden, Gittern, Geländern oder hängend von oben. Ampeln mit Erdbeeren, Kräutertaschen an der Wand, Rankhilfen für Erbsen oder Kletterbohnen – all das nutzt die Höhe und schafft Struktur. So wird selbst ein schmaler Balkon plötzlich zum Mini-Garten.
Die Mischung macht's
Auf kleinem Raum sollte der Mini-Garten mehrere Funktionen übernehmen: Er liefert duftende Kräuter für die Küche ebenso wie frische Früchte zum Snacken, und gut aussehen sollte er auch noch. Deshalb geht es beim Urban Gardening oft um clevere Kombinationen oder Pflanzen mit „Mehrfachnutzen".
Wer gerade erst einsteigt, kann gut mit Kräutern beginnen: Sie liefern schnell Erfolgserlebnisse, denn man kann sie sofort für die Küche schneiden, sie sind pflegeleicht und oft auch noch hübsch anzusehen. Für vollsonnige, trockene Plätze eignen sich zum Beispiel mediterrane Sorten wie Thymian, Salbei, Rosmarin oder auch Basilikum, wenn man ausreichend gießen kann. Schnittlauch, Petersilie oder Minze mögen es etwas frischer. Dazu kommen pflückbare Salate, Radieschen oder Rucola – alles Kulturen, die wenig Platz brauchen und relativ unkompliziert sind. Zudem gibt es heute tolle Beeren- und Gemüsepflanzen für den Kübel oder Balkonkasten: Die Familie Velmans zieht in ihrem Unternehmen bereits seit Jahren verschiedene dieser Pflanzen im Topf. Andrea Velmans empfiehlt zum Beispiel gerne die Rosen-Erdbeeren: „Dabei handelt es sich um Sorten mit besonders großen, oft pink- oder rosafarbenen Blüten. Sie bieten nicht nur köstliche Früchte zum Naschen, sondern sehen im Balkonkasten auch noch attraktiv aus. Die Sorte ‚Toscana' zum Beispiel zeigt von Mai bis Oktober immer wieder hübsche dunkelrosa Blüten und trägt die ganze Zeit leckere Früchte, die dekorativ nach unten hängen." Auch klassische Gemüse wie Tomate oder Paprika kann man laut dem Pflanzenprofi Stephan Velmans gut auf engem Raum pflanzen: „Es gibt Sorten, die eher kompakt wachsen und meist kleinere, aber dafür mehr Früchte tragen – ideal zum Snacken zwischendurch. Das gilt zum Beispiel für viele Buschtomaten oder für spezielle Zwerg- oder Balkontomaten. Und wer keine Tomaten mag: Auch von Paprika oder Zucchini findet man passende Züchtungen." Und er hat noch einen weiteren Tipp: „Noch relativ neu ist die so genannte ‚Tomatenkartoffel': Dabei wird eine Tomatenpflanze oben auf eine Kartoffel unten aufgesetzt. Beide gehören zur Familie der Nachtschattengewächse, deshalb kann man das in der Produktion mit der traditionellen Methode der Veredelung machen. Für die Gärtnerinnen und Gärtner hat das einen neuen Effekt: Im Sommer erntet man süße Kirschtomaten und im Herbst holt man Kartoffeln aus dem Topf. Und das Beste: Das funktioniert sogar im Kübel." So nutzt man den begrenzten Platz optimal.
Aber auch das Auge will genießen, deshalb gehören Blumen unbedingt dazu. Essbare Blüten wie Kapuzinerkresse oder Ringelblume sorgen für Farbtupfer im Balkonkasten und auf dem Teller. Insektenfreundliche Pflanzen wie Lavendel, Cosmeen, Kornblumen oder Duftwicken locken Bienen und Schmetterlinge an. Sie bringen Farbe, Duft und Bewegung in den kleinen Stadtdschungel und schaffen genau jene Leichtigkeit, die Urban Gardening so attraktiv macht.
Leichter gärtnern
Wer in der Stadt gärtnert, muss oft mit extremen Bedingungen arbeiten: Kleine Töpfe auf einem geschützten Südbalkon trocknen fast schneller aus, als man gießen kann. Und in eine enge Häuserschlucht kommt nur wenig Licht. Sonne, Wind, Wasser und Umgebung entscheiden also mit, was möglich ist. Urban Gardening funktioniert am besten, wenn man mit dem Ort arbeitet, nicht gegen ihn. Dann braucht man auch keine aufwändige Pflege und ständiges Um- und Neupflanzen. Ein paar Routinen sollte man sich aber schon angewöhnen: Regelmäßiges Gießen ist auf Balkonen und Terrassen oft das Wichtigste, denn Gefäße trocknen schneller aus als Gartenboden. Gute Erde, ausreichend große Töpfe und ein wenig Mulch zum Abdecken der Erde helfen dabei enorm. Und dann gilt: lieber klein anfangen als sich übernehmen. Drei gut gepflegte Töpfe machen meist mehr Freude als ein überambitioniertes Pflanzenprojekt, das nach zwei Wochen in Stress ausartet. Apropos anfangen: Auch das Pflanzen selbst kann man sich einfach machen – und dabei auch noch Müll sparen. Das Unternehmen Topfpflanzen Velmans geht hier neue Wege, wie Sohn David Velmans erläutert: „Seit einigen Jahren bieten wir Pflanzen in einem kompostierbaren Topf an. Damit setzen wir auf natürliche Rohstoffe, in unserem Fall auf Kompostbasis, statt Plastik zu verwenden. Und für die Käuferinnen und Käufer ist es auch praktisch – und sauber: Der Topf wird einfach mit eingepflanzt. Um der Pflanze den Start und das Einwurzeln zu erleichtern, sollte man ihn aber vorher einmal zerbrechen."
Gerade jetzt im Frühling beginnt die Lust aufs Gärtnern oft ganz von selbst: Das Licht wird freundlicher, Blütenduft liegt in der Luft, und plötzlich wirkt eine graue Beton-Ecke wie eine Einladung zum Begrünen. Worauf also noch warten? Tipps und Ideen dazu hat die Initiative „Blumen – 1000 gute Gründe" auf der Website www.1000gutegruende.de und bei Facebook oder Instagram. Gemeinsam kann man die Stadt etwas bunter machen: Blüte für Blüte, Topf für Topf, Balkon für Balkon.

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