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Gartenbau Boland: Callunen, Technik, Vernetzung und Innovation
Einer der Betriebe, die diese charakteristische Heidepflanze kultiviert, ist Gartenbau Boland aus Kevelaer. Der Familienbetrieb blickt auf eine für die Region typische Entwicklung zurück: von der Landwirtschaft über den Gemüse- und Schnittblumenanbau bis zur Produktion von Topfpflanzen, insbesondere Eriken, Azaleen und Callunen. Seit mehr als 15 Jahren hat sich der Betrieb vollständig auf die Kultivierung von Callunen spezialisiert. Dabei stehen die kontinuierliche Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens im Mittelpunkt. Ein Grund, weshalb Gartenbau Boland Mitglied im Netzwerk Agrobusiness Niederrhein geworden ist und sich an einem gemeinsamen Forschungsprojekt beteiligt. Der Besuch von Dr. Anke Schirocki, Geschäftsführung von Agrobusiness Niederrhein, und Lena Manten, Mitarbeiterin im Projekt „AgriTech Innovation – TreeDigital“ zielte daher darauf ab, sich besser kennenzulernen und zur Projektarbeit auszutauschen.
Mit jährlich rund 1,7 Mio. Töpfen und 8,7 Mio. Stecklingen hat sich Gartenbau Boland als wichtiger Produzent in der Region etabliert. Geleitet wird der Betrieb von Dieter Boland. Sein Sohn Henning führt die angeschlossene Jungpflanzen GmbH und wird den Familienbetrieb künftig weiterführen.
Wie viele Gartenbaubetriebe steht auch Gartenbau Boland vor aktuellen Herausforderungen. Als besonders anspruchsvoll nennt Dieter Boland den Fachkräftemangel, die zunehmende Wasserknappheit sowie steigende bürokratische Anforderungen. Um diesen Entwicklungen zu begegnen, investiert der Betrieb konsequent in technische Innovationen und effizientere Arbeitsabläufe. Gleichzeitig engagiert sich Boland in verschiedenen Verbänden und Gremien für die Interessen des Gartenbaus und den Abbau bürokratischer Hürden.
Unternehmerisches Denken spielt dabei eine zentrale Rolle. Der Betrieb legt großen Wert auf eine breite Kundenstruktur. „Wir verteilen unsere Produkte auf möglichst viele Kunden. Unser Ziel ist es, mit keinem Kunden mehr als 20 Prozent des Jahresumsatzes zu erzielen. So bleiben wir auch in herausfordernden Marktphasen weitestgehend unabhängig.“
Die Arbeit im Betrieb ist abwechslungsreich. „Eigentlich mache ich alles gerne“, berichtet Boland. Nach kurzem Überlegen ergänzt er lachend: „Außer Stecken, damit kannst du mich in Ruhe lassen.“ Das muss er aber zukünftig auch definitiv nicht mehr, denn der Betrieb erhält Unterstützung durch moderne Steckroboter aus den Niederlanden. Mit der gesicherten Betriebsnachfolge durch Sohn Henning wurden umfangreiche Investitionen angestoßen. Rund 80% der bestehenden Gewächshausflächen wurden abgerissen und durch moderne Anlagen ersetzt. Aktuell wird die Sanierung der Freiland-Containerflächen fortgeführt. Die Modernisierung schafft die Grundlage, neue technische Entwicklungen effizient in die Produktionsabläufe zu integrieren. Zu den jüngsten Investitionen gehört eine neuartige Rückgabel für den Transport durch einen Gabelstapler. Damit können Pflanzen in Töpfen automatisch, präzise und schnell mit dem gewünschten Abstand auf die Flächen gestellt, sowie Arbeitsaufwand und Kosten langfristig reduziert werden.
Schon heute setzt der Betrieb auf digitale Technologien. Bereits seit fünf Jahren arbeitet Gartenbau Boland mit dem niederländischen Unternehmen Yookr zusammen. Daraus entstand auch die Beteiligung am Projekt „AgriTech Innovation – TreeDigital“, welches sich unter anderem mit der Früherkennung von Pflanzenkrankheiten und der Vereinfachung von Dokumentationspflichten beschäftigt. Über die Produktionsflächen verteilt liefern derzeit 48 Feuchtigkeitssensoren wichtige Informationen zum Wasserbedarf der Pflanzen und zur Funktion der Bewässerungssysteme. Dadurch lässt sich die Bewässerung besser planen und technische Probleme werden frühzeitig erkannt, bevor Schäden an den Kulturen entstehen.
Im Rahmen des Projekts spricht Dieter Boland regelmäßig Betriebsdaten in eine App ein. Die Aufnahmen fließen in die Entwicklung eines Sprachsystems, das künftig Betriebsdaten, Sensordaten und Multispektralbilder miteinander verknüpfen soll. Ziel ist es, Dokumentationsaufgaben zu erleichtern, betriebliche Informationen übersichtlich darzustellen und mögliche Pflanzenkrankheiten frühzeitig zu erkennen. Der Betrieb blickt optimistisch auf die weitere Entwicklung. Beim Einsatz von Multispektralbildern bleibt Dieter Boland jedoch noch zurückhaltend. „Zum Projektende werden wir wissen, welchen konkreten Mehrwert uns diese Bilder für die Praxis liefern“, sagt er.
Und wo sieht sich Dieter Boland selbst in Zukunft? „In der Rente“, antwortet er zunächst grinsend. Schnell wird jedoch deutlich, dass vollständiger Ruhestand für ihn kaum vorstellbar ist. Zwar ist die Betriebsübergabe an Sohn Henning gesichert, dennoch möchte er dem Unternehmen erhalten bleiben. „Mein Traum wäre es, so lange fit zu bleiben wie mein Vater. Wenn ich mit 89 Jahren noch aktiv im Betrieb mithelfen könnte, wäre das ein echter Segen.“
Das Projekt „AgriTech Innovation – TreeDigital“ wird unterstützt durch das Interreg-VI-Programm Deutschland-Nederland.




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