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Xylella: Thüringen ergreift weitere Vorsichtsmaßnahmen
„Wir nehmen das Feuerbakterium sehr ernst, auch wenn der in Sachsen aufgetretene Befall in keiner Weise mit den Fällen in Italien oder Frankreich vergleichbar ist. Bisher wurde keine Ausbreitung nachgewiesen. Die Sicherheitsmaßnahmen sind dennoch richtig und wichtig, weil durch das Feuerbakterium Xylella hohe wirtschaftliche und landeskulturelle Schäden verursacht werden können“, sagte Agrar- und Forstministerin Birgit Keller anlässlich einer ergangenen Allgemeinverfügung.
Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) hat zusammen mit der Landesforstanstalt (ThüringenForst - Anstalt öffentlichen Rechts) eine Allgemeinverfügung erlassen, um die von der EU geforderten Vorsichtsmaßnahmen in der Pufferzone festzulegen. Im Juni war das sogenannte Feuerbakterium, ein Schadorganismus der Pflanzen befällt, in Sachsen und damit erstmalig in Deutschland nachgewiesen worden. Um eine Ausbreitung zu verhindern, wurde eine Pufferzone von 10 km errichtet, von der auch Thüringen betroffen ist. Nach der Allgemeinverfügung dürfen verschiedene Pflanzen aus dieser Pufferzone nicht entfernt werden. Sie stehen unter Pflanzenquarantäne. Auch die Bevölkerung ist zur Mitwirkung verpflichtet. Beispielsweise muss geduldet werden, dass Grundstücke in der Pufferzone zu Kontrollzwecken betreten werden.
Hintergrund:
In Pausa (Sachsen) wurde erstmalig in Deutschland die Xylella fastidiosa an einem Oleander festgestellt. Das sogenannte Feuerbakterium ist ein sogenannter EU-Pflanzenquarantäne-Schadorganismus. Am 16. Juni 2016 wurde der Befall der Europäischen Kommission gemeldet.
In Sachsen sind bereits umfangreiche Maßnahmen zur Beseitigung von Wirtspflanzen in einer Zone von 100 m um den Befallsherd angelaufen. Neben Sachsen ist auch Thüringen von der abzugrenzenden Pufferzone im Radius von 10 km betroffen. Das entspricht in Thüringen einer Fläche von mehr als 16.800 ha um die Befallszone herum, die sich auf 24 Gemeinden vollständig sowie 11 Gemeinden teilweise erstreckt. In der Pufferzone werden regelmäßig Kontrollen auf Anzeichen der Erkrankung durchgeführt; alle bisher untersuchten Pflanzen waren frei von Xylella fastidiosa.
Xylella fastidiosa ist ein Bakterium, das mehr als 300 Pflanzenarten, darunter auch viele Nutzpflanzen, befallen und zum Absterben bringen kann. Zu den wirtschaftlich bedeutendsten Nutzpflanzen zählen Zitrusarten, Oliven, Prunusarten (z.B. Steinobst), Ahorne, Eichen, Wein, Gräser und auch viele Arten aus dem Zierpflanzenbereich wie Oleander oder Rosengewächse. Das Bakterium befällt ausschließlich Pflanzen; Mensch und Tier sind nicht betroffen.
Die Symptome sind von der Pflanzenart abhängig. Im Allgemeinen welken die Blätter von der Blattspitze beginnend. Zwischen dem verbräunten Blattgewebe und dem anscheinend gesunden Bereich des Blattes ist ein deutlich gelber Übergang zu erkennen. Die Symptome erinnern an Salzschäden oder Überdüngung und können mit diesen verwechselt werden. Im späteren Stadium stirbt der Zweig oder Ast vollständig ab.
In Süditalien (Provinz Lecce) führte der massive Befall durch Xylella fastidiosa bereits auf mehr als 230.000 ha zu erheblichen Schäden an Olivenbäumen. Auch in Frankreich gab es Xylella-Befallsausbrüche auf Korsika sowie an der Côte d’Azur, jedoch an anderen Pflanzenarten. Das Bakterium wird insbesondere durch die weitverbreitete Wiesenschaumzikade unmittelbar übertragen.

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