- Startseite
- Mehr...
- Dossiers
- Xylella
- Wissenschaft trifft Praxis: Wildbienensc...
Wissenschaft trifft Praxis: Wildbienenschutz im urbanen Raum
Das Unternehmen Flower Your Place (FYP) bündelt nun die Expertise renommierter Ökologen, um Städten und Kommunen wissenschaftlich fundierte Lösungen gegen den Verlust der Biodiversität und den Auswirkungen des Klimawandels anzubieten.
Phänologische Falle: Wenn die biologische Uhr falsch tickt
Durch die Klimaerwärmung gerät das sensible Zusammenspiel zwischen Insekten und ihrer Nahrungsgrundlage aus dem Gleichgewicht. „Wir beobachten eine zeitliche Entkopplung: Die Wildbienen erwachen früher aus ihrem Winterschlaf, doch die lebenswichtigen Pollenquellen blühen erst deutlich später“, erklärt Florian Lauer, Ökologe bei Flower Your Place. Lauer, der zuvor langjährig als Experte beim WWF tätig war und zahlreiche Fachpublikationen zum Thema Wildbienen veröffentlicht hat, warnt vor den Folgen dieser „phänologischen Falle“. Besonders spezialisierte Arten, die einen geringen Aktionsradius haben, sind in dieser Phase auf ein lückenloses Nahrungsangebot im direkten Umfeld angewiesen.
Das enorme Potenzial der Stadtnatur
Trotz dieser Herausforderungen bieten urbane Räume eine große Chance. Aktuelle Daten zeigen, dass die Grünflächen innerhalb von Siedlungsgebieten in Deutschland rund 7.649 Quadratkilometer umfassen. „Dieses Flächenpotenzial entspricht etwa 2% der Gesamtfläche der Bundesrepublik und ist damit so groß wie alle ausgewiesenen Naturschutzgebiete zusammen“, so die Ökologin und Landschaftsarchitektin Jessica Gabler. In Fachbeiträgen plädiert sie dafür, Städte gezielt als „Trittsteine“ für die Biodiversität zu nutzen.
Zielarten-Pflanzungen statt Zufallsprinzip
Gemeinsam mit Experten wie Gabler setzt Flower Your Place auf das Konzept der „Zielarten-Pflanzung“. Im Gegensatz zu herkömmlichen, oft instabilen Saatgutmischungen, werden hierbei langlebige Stauden (Gerüstbildner) mit gezielten Aussaaten kombiniert.
- Gezielte Förderung: Es werden gezielt Pollenquellen für spezialisierte Wildbienenarten und gefährdete Wildbienenarten der Roten Liste ausgewählt.
- Wissenschaftliche Basis: Durch das laufende Forschungsprojekt „Staudenwert“ (u.a. TH OWL Höxter, JKI Braunschweig, Universität Freiburg) wird untersucht, welche Sorten und einheimischen Pflanzen den höchsten ökologischen Wert als Pollenquelle bieten.
- Struktur und Ästhetik: Die Pflanzungen sind so konzipiert, dass sie ganzjährig attraktiv bleiben und somit auch die Akzeptanz in der Bevölkerung fördern.
Praktische Anwendung für Kommunen
Flower Your Place überführt diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in praktische Konzepte für den öffentlichen Raum. Durch spezielle frühblühende Zwiebelmischungen wird die gefährliche Versorgungslücke im Vorfrühling insbesondere für Hummeln geschlossen. Einheimische Wildblumen- und Staudenmatten bieten zudem eine sofortige, strukturstarke Lösung für biodiversitätsfördernde Grünflächen.
„Unser Ziel ist es, Wissenschaft und Gartenbau so zu verzahnen, dass funktionale und ästhetische Stadtlandschaften entstehen“, so Florian Lauer abschließend. Er steht als Fachansprechpartner für Kommunen und Planer zur Verfügung, um die Umsetzung wildbienengerechter Projekte voranzutreiben.

Kommentare (0)
Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.