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VGL: Pflanzenwissen im Ausbildungsfokus
Der jährliche Azubi-Tag der im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. (VGL) organisierten Ausbildungsbetriebe der Region Südlicher Oberrhein fand erneut großen Anklang. Hier ließ sich das Pflanzenwissen dank besonderer Experten sinnvoll erweitern. Auch zukunftsfähige trockenheitsresistente Pflanzungen standen auf dem Programm.
Von A wie Acer bis W wie Wollemia
Gärtnermeister Harald Schwanz leitet die Kurparkgärtnerei in Badenweiler und ist der Vielfalt der Pflanzenwelt ebenso leidenschaftlich verfallen wie Ulrich Herzog, Pflanzenexperte bei Fautz die Gärten aus Bad Krozingen. Diese beiden botanischen Koryphäen führten die jungen Nachwuchskräfte in zwei Gruppen durch die Schaugärten der Landesgartenschau und gaben dabei jede Menge Wissen und Erfahrung weiter. „Bei Hortensien ist vor allem die Temperatur und die Trockenheit ein Problem. Die Rispenhortensien (Hydrangea paniculata) vertragen mehr Sonne als die Bauernhortensien (Hydrangea macrophylla), die sich im Halbschatten wohler fühlen“, erläutert Herzog, als er an einer besonders üppigen Rispenhortensie vorbeikommt.
Im Garten der Bädergemeinschaft gibt es eine Kakteensammlung zusammen mit fossilen Stücken aus der Pflanzenwelt zu bewundern, welche das Kurpark-Museum Badenweiler zur Verfügung gestellt hat. Hier findet man auch unterschiedliche Ginko-Arten, die sich vor allem in der Blattgröße unterscheiden. „Ginko biloba ist ein geologischer Durchläufer, circa 65 Millionen Jahre alt und erst nach 25 Jahren fruchtbar. Wenn eine männlich und eine weibliche Pflanze nebeneinanderstehen, entstehen Früchte, die durch ihre enthaltene Butter-säure im reifen Zustand äußerst unangenehm riechen. Die Samen allerdings schmecken fast wie Pistazien“, beschreibt Herzog.
Drei Wollemia nobilis im Topf wecken die Aufmerksamkeit der Azubis. Auch hierüber wissen die Herren Schwanz und Herzog jede Menge zu erzählen: „Diese Araucariaceae wurde 1994 in einem kleinen Seitental in Australien entdeckt. Alle Pflanzen sind genetisch identisch. Durch vegetative Vermehrung kamen die ersten Exemplare in den Handel und fanden reißenden Absatz zu hohen Preisen. Inzwischen gibt es an den Pflanzen in Badenweiler männliche Blütenkätzchen, aber noch keine weiblichen Pflanzen, die für eine genetische Vielfalt sorgen könnten. Auch wenn es irgendwann Samen gibt, weiß noch niemand, wie man sie zum Keimen bringt. Experimente zur Winterhärte laufen, auf der Insel Mainau ist die Wollemia allerdings nach zwei Jahren ausgefallen“, berichtet Schwanz.
Auch die Trockenflora der Zukunft ist Thema des Rundgangs und im Gartenteil von Bad Bellingen zu entdecken. Hier sprießen das Spanischen Gänseblümchen, Katzenpfötchen, Katzenminze, Prachtkerze, Blauraute, Thymian und Lein um die Wette. „Das Beet hat sich wirklich prachtvoll entwickelt in diesem trockenen Sommer“, ist Herzog begeistert. Acer palmatum, der Fächerahorn, ist hoch empfindlich auf Verticillium-Welke sowie Phytophtora-Arten (Wurzelfäule), erläutert Schwanz an einem besonders beeindruckenden Exemplar. Eine Pflanze mit Zukunft ist dagegen mit Sicherheit die Wintergrüne Ölweide (Eleagnus ebbingei), da sie trockene Hitze sehr gut verträgt. Zudem liefern ihre kleinen Blüten im Spätherbst, also von Oktober bis November, reichlich Nektar für Insekten. Über die Haare an den Blättern ist es der Pflanze sogar möglich Wasser aufzunehmen. Lediglich schwere Lehmböden mag die Ölweide nicht“, weiß Schwanz. Die Azubis sind sichtlich beeindruckt von der Wissensvielfalt beider Gärtnermeister.
Pflanzenralley
Nach der Theorie folgte die Praxis: Die Azubis bekamen eine Liste mit 20 botanischen Pflanzennamen, die es auf dem Gelände zu entdecken galt. Als Dokumentation war das richtige Foto auf dem Smartphone ausschlaggebend. Insgesamt hatten die Teams eineinhalb Stunden Zeit. Die Sieger benötigten lediglich 43 Minuten für 20 Richtige, obwohl die Pflanzenliste einige Herausforderungen enthielt. So war beispielsweise der Essigbaum (Rhus typhina) nur durch einen Blick in ein Nachbargrundstück zu fotografieren. „Ich bin begeistert, alle Teams waren wirklich flott dabei, sehr engagiert und weit unter dem Zeitlimit fertig“, freut sich Herzog. Zusammen mit Dominik Bartsch sowie Tobias Skörries von der Firma Böcherer, werteten sie die Teams aus. Den ersten drei Gewinnerteams winkten Buchpreise: Sieger waren Tim Brugger und Marius Mutter von der Firma Böcherer aus Freiamt.
Etablierte Fortbildung
Den Azubitag der Region Südlicher Oberrhein gibt es bereits seit 17 Jahren und er war dank Ulrich Herzog jedes Mal ein Highlight für die Auszubildenden des Garten- und Landschaftsbaus. Ab dem nächsten Jahr übernimmt dieses Amt Dominik Bartsch von der Pfefferer Baumkultur GmbH aus Müllheim, dem dieses Jahr bereits die Organisation oblag. Der Azubitag ist mittlerweile zu einer jährlichen Institution geworden und wird fortgeführt, da sind sich die Ausbildungsbetriebe der Region einig. (VGL)

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