Pflanzenschutzmarkt 2020: Leichter Umsatzrückgang

Der Nettoinlandsumsatz (NIU) der Mitgliedsfirmen des Industrieverbands Agar e. V. (IVA) mit Pflanzenschutzmitteln in Deutschland betrug im Geschäftsjahr 2020 1,146 Mrd. Euro. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr (1,193 Mrd. Euro) ein Minus von 3,9% im Direktgeschäft zwischen der im IVA organisierten Industrie und dem Pflanzenschutz-Großhandel.

Der Herbizidumsatz blieb mit 545 Mio. Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Bild: GABOT.

Im ersten Quartal fürchteten Handel und Landwirte aufgrund der Corona-Pandemie Versorgungsengpässe bei Pflanzenschutzmitteln, was zu einer verstärkten Nachfrage führte. Trotz Lockdown von März bis Mai und der Störung der internationalen Handelsströme kam es aber nicht zu Lieferengpässen.

Die Ackerbaukulturen haben den Winter von 2019 auf 2020 ohne nennenswerte Auswinterungsschäden überstanden und entwickelten sich im Frühjahr gut. Die Pflanzenschutzsaison begann vergleichsweise früh und war im Februar und März positiv. Ab April setzte regional eine sehr unterschiedliche Witterung ein, die sich bis zum Herbst mit ihren Auswirkungen durchzog: ausreichend bis überdurchschnittliche Niederschläge im Süden Deutschlands und zu trockene Witterung im Westen und nördlich des Mains. Die späten Fungizidmaßnahmen im Getreide und zahlreiche Anwendungen im Bereich der Spezialkulturen Wein und Obst wurden reduziert oder entfielen ganz. Die Herbstsaison hatte im Vergleich zum Vorjahr einen besseren Verlauf, jedoch konnten die Verluste des ersten Halbjahres nicht ausgeglichen werden.

Der Herbizidumsatz blieb mit 545 Mio. Euro auf dem Niveau des Vorjahres (+/- 0%). Der Einsatz von Getreideherbiziden sank auf der ebenfalls rückläufigen Wintergetreidefläche sowohl im Herbst 2019 um 11% als auch im Frühjahr 2020 um 9%. Der Rübenherbizidmarkt ist gegenüber den Vorjahren stark zurückgegangen. Ein Grund hierfür ist sicherlich der zum Teil zu hohe Bestand dieser Produkte im Markt. Die Maisanbaufläche und der Maisherbizidmarkt stiegen leicht um circa 3%. Auch die Rapsanbaufläche ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 10% auf 950.000 Hektar gestiegen. Der Marktwert der eingesetzten Rapsherbizide bewegte sich aber auf dem Niveau des Vorjahres.

Der Fungizidumsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 5,5% zurück und beträgt 411 Mio. Euro. Der Marktwert der Getreidefungizide ist 2020 deutlich gesunken. Auf der Fläche bedeutet dies ein Minus von 19% im Vergleich zum Vorjahr. Der Krankheitsdruck entwickelte sich bis Mitte Mai, aufgrund ausreichender Niederschläge in den süddeutschen Anbaugebieten, auf einem durchschnittlichen Niveau. Eine Behandlung mit Fungiziden fand seitens der Landwirte entsprechend statt. In den übrigen Teilen Deutschlands sorgte die erneute Trockenheit für einen deutlich niedrigeren Krankheitsdruck. Hier entfielen die frühen Behandlungen oder fanden zu einem späteren Zeitpunkt statt, was zur Folge hatte, dass viele Bestände nur einmal in der Saison behandelt wurden. Der Fungizideinsatz im Raps ist minimal gestiegen und der Markt-wert der Rapsfungizide konnte sich nach den drastischen Verlusten in den Jahren 2018 und 2019 wieder stabilisieren. Der Markt für Kartoffelfungizide ist erneut leicht angestiegen. Der unterschiedliche Pilzdruck sorgte für regionale Unterschiede. Da in Regionen, die unter Trockenheit litten, die Kartoffeln zu großen Teilen beregnet wurden, waren hier intensive Fungizidmaßnahmen erforderlich.

Der Insektizidumsatz einschließlich Akariziden und Synergisten lag mit 112 Mio. Euro um 16,4% unter dem Wert des Vorjahres. Der Markt für Rapsinsektizide ist im Frühjahr 2020 abermals deutlich um 20% gesunken. Auch der Marktwert für Getreideinsektizide sank im Frühjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 25%. Ursachen hierfür sind die rückläufige Getreidefläche, der Einsatz günstigerer Produkte, aber auch das verminderte Schädlingsauftreten und die dadurch reduzierten Aufwendungen. Die Insektizidanwendungen in den Spezialkulturen entwickelten sich hingegen stabil und blieben auf Vorjahresniveau.

Der Umsatz der „sonstigen“ Pflanzenschutzmittel wie beispielsweise Repellents, Wachstumsregulatoren, Rodentizide (Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren) und Molluskizide (Schneckenmittel) ging um 1,3% auf 78 Mio. Euro zurück. Der Marktwert der eingesetzten Wachstumsregulatoren ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 20% gesunken. Zum Zeitpunkt der Applikation hatte die einsetzende Trockenheit die Entwicklung der Getreidebestände bereits verzögert und die Notwendigkeit von Halmverkürzungen reduziert. Bei den Molluskiziden ist eine geringfügige Besserung zum Vorjahr zu erkennen, da das Schneckenaufkommen im Vergleich zu 2019 leicht erhöht war.

Der Umsatz für Pflanzenschutzmittel für Haus und Garten lag im Jahr 2020 bei insgesamt 60,4 Mio. Euro, was einer Steigerung um etwa 14% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Berechnungsbasis sind die Bruttopreise der Hersteller an den Handel.

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