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Österreich: Lust auf Bio-Produkte
So wie bereits in den Jahren davor verzeichnet die biologische Landwirtschaft in Österreich 2017 und 2018 eine steigende Tendenz sowohl im Bereich der Fläche als auch bei den Betrieben und dieses Wachstum setzt sich auch 2019 fort: Die Zahl der Bio-Betriebe steigt demnach von 2017 auf 2019 um etwa 1.300 Betriebe oder 5,6%, während die biologisch bewirtschaftete Fläche im selben Zeitraum um etwa 45.000 Hektar anwächst. Das entspricht einer Steigerung von 7% bzw. der dreifachen Fläche des Fürstentums Liechtenstein. Die Bio-Fläche in Österreich ist in diesem Zeitraum pro Tag um etwa 86 Fußballfelder gewachsen. Auch der Marktanteil von Bio folgt einem stetigen Aufwärtstrend, er beträgt im LEH bereits 9,6% (RollAMA 1. Quartal 2019).
In Oberösterreich gab es mit Ende 2018 4.423 Biobetriebe (+1,6% zu 2017), das entspricht einem Anteil von 18,9% an den Gesamtbetrieben. 87.994 ha wurden in Oberösterreich biologisch bewirtschaftet (+3% zu 2017), das sind 17,5% der Gesamtfläche. Ca. 2.500 Bio-Betriebe sind in Oberösterreich Mitglied beim Bio-Verband BIO AUSTRIA, sie erfüllen dadurch deutlich höhere Produktionsstandards als das Gesetz vorschreibt.
„Wer in der EU biologische Lebensmittel produziert, diese weiterverarbeitet oder mit Bio-Lebensmitteln handelt, muss sich an die gesetzlich verpflichtenden Vorgaben der EU-Bio-Verordnung halten. BIO AUSTRIA-Bäuerinnen und -Bauern erfüllen aus Überzeugung darüber hinaus die Richtlinien von BIO AUSTRIA, die in vielen Bereichen über die gesetzlichen Grundlagen hinausgehen. Diese Verbandsrichtlinien gewährleisten mehr Tierwohl, Umwelt-, Klimaschutz und Artenvielfalt – und diese Bereiche werden immer wichtiger,“ betont Franz Waldenberger, Obmann von BIO AUSTRIA OÖ.
Die biologische Landwirtschaft ist eine klimafreundliche Landwirtschaft
Die biologische Landwirtschaft bietet weit mehr als hochwertige Bio-Produkte. Biologisch wirtschaften heißt in einem ganzheitlichen Sinne wirtschaften. Dadurch erbringen die Biobäuerinnen und Biobauern vielfältige Leistungen für die Gesellschaft. Durch die Art der Bewirtschaftung nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, den Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel und den Einsatz biologischer Futtermittel verringert Bio-Landwirtschaft Treibhausgase, baut gesunde Böden auf, schützt das Trinkwasser und fördert die biologische Vielfalt von Tieren und Pflanzen.
Gerade beim Klimawandel ist die Landwirtschaft gleichzeitig Verursacher und potentieller Problemlöser. Laut Thomas Lindenthal von der BOKU Wien beträgt der Anteil der Landwirtschaft an den Treibhausgas-Emissionen in Österreich offiziell 10,2% (UBA 2019b) aber de facto rund 14%, wenn der Energieeinsatz für Stickstoff-Mineraldünger und andere Betriebsmittel (z.B. für Lagerhaltung, für Futtermitteltransporte im Inland) inkludiert werden (Berechnung durch T. Lindenthal basierend auf BMELV 2008 und IPCC 2007). Der Anteil der Landwirtschaft steigt auf 18%, wenn Treibhausgas-Emissionen, die in anderen Ländern anfallen, aber von der österreichischen Landwirtschaft verursacht werden – v.a. durch importierte Futtermittel wie Soja. „BIO AUSTRIA- Betriebe setzen auf heimische Futtermittel – überwiegend vom eigenen Bio-Hof. Sie verwenden kein Soja aus dem Ausland in der Fütterung. Seit Jahren ist ausreichend heimischer Bio-Soja vorhanden, der laut unseren Richtlinien von unseren Mitgliedsbetrieben auch verfüttert wird. Auch die Futtermittelwerke, die BIO AUSTRIA-Partner sind tun dies, wir prüfen das auch jährlich – so wird sichergestellt, dass BIO AUSTRIA-Futter vom Acker bis zur fertigen Futtermischung durchgängig kontrolliert ist. Durch den Verzicht auf importierten Soja schützen wir Regenwaldflächen vor Abholzung“, betont Waldenberger.
Klimaschutz durch arbeiten mit der Natur
Für die Herstellung von Stickstoff-Mineraldüngern ist ein hoher Energiebedarf erforderlich. Die heimischen Bio-Bauern sparen durch den Verzicht auf chem.-synthetische Pflanzen- und Düngemittel klimaschädliche Gase ein. Der in der Landwirtschaft eingesetzte Dünger enthält Stickstoff-Verbindungen, die auf den Feldern von Bakterien teilweise zersetzt werden, wodurch Lachgas entsteht das in die Atmosphäre freigesetzt wird. Lachgas wirkt rund 300 Mal schädlicher auf das Klima als CO2. Das Einsparungspotential liegt bei 40,2% Reduktion der Lachgas (N2O)-Emissionen pro Hektar im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft (David Nelles, Serrer, Christian: Kleine Gase – Große Wirkung. Der Klimawandel. Friedrichshafen, 2018). Im Gegensatz dazu erfolgt im Bio-Landbau die Stickstoff-Versorgung einerseits über die Stickstoff-Fixierung von Leguminosen andererseits über organische Dünger.
Bio-Betriebe bauen Humusböden als CO2-Speicher auf. Humusmehrung und die Förderung der Aktivität des Bodenlebens sind wichtige Ziele der biologischen Landwirtschaft, denn sie sind die Basis für eine ausreichende und ausgewogene Nährstoffversorgung der Pflanzen. Humusreiche Böden haben darüber hinaus eine bessere Fähigkeit zur Wasserspeicherung und sind auch robuster gegenüber Bodenerosion.
Breite Initiative fordert Trendwende für Klima- und Artenschutz in österreichischer Landwirtschaft
Die Initiative “Klimafreundliche Landwirtschaft”, der neben BIO AUSTRIA auch Greenpeace, Sonnentor, Klimawissenschaftlerin Helga Kromp-Kolb, Fridays For Future, Umweltmediziner Hans-Peter Hutter und die ARGE Schöpfungsverantwortung angehören, fordert angesichts der drängenden Probleme durch die Klimaveränderung von der Politik mehr Unterstützung für Klima- und Umweltschutz in der österreichischen Landwirtschaft. Die nächste Bundesregierung wird die Entwicklung der Landwirtschaft in den nächsten Jahren maßgeblich prägen: Sie entscheidet über die Verteilung der Agrar-Fördermittel in Österreich für die Periode 2021 bis 2027. Dabei handelt es sich um nicht weniger als die wichtigste agrarpolitische Weichenstellung der nächsten Jahre. Daher fordert die Initiative eine Verdoppelung des Anteils an Fördergeldern für Klima-, Umwelt und Tierschutz sowie den Ausbau der biologischen Landwirtschaft von derzeit 25% auf 35% der Flächen bis 2028. Der Markt für Bio-Lebensmittel soll unter anderem durch einen Bio-Anteil von 60% in der Verpflegung öffentlicher Einrichtungen unterstützt werden. Darüber hinaus sollen künftig auf jedem Bauernhof biodiversitätsfördernde Maßnahmen umgesetzt werden, dafür muss für jeden bäuerlichen Betrieb eine Biodiversitäts-Fördermaßnahme angeboten und entsprechend abgegolten werden. Weiters fordert die Initiative “Klimafreundliche Landwirtschaft“ eine klima- und tierfreundliche Tierhaltung. „Unsere Betriebe leisten schon jetzt mit ihrer Art der Landwirtschaft und der Einhaltung der strengen BIO AUSTRIA Richtlinien einen vielfältigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Wer also eine klimafreundliche Landwirtschaft unterstützen will soll beim Einkauf besonders auf das BIO AUSTRIA-Logo schauen“, empfiehlt Waldenberger.
Ganz bio. Ganz sicher. Ganz regional.
Das BIO AUSTRIA-Siegel steht für Bio-Lebensmittel aus der Region, mit besonderer Qualität und Wertschöpfung in Österreich. Die lückenlose Qualitätssicherung und Kontrolle bei BIO AUSTRIA ermöglicht eine Herkunftskennzeichnung und Rückverfolgbarkeit der Bio-Produkte bis zum jeweiligen BIO AUSTRIA-Hof. „ BIO AUSTRIA-Produkte sind in erster Linie bei unseren direktvermarktenden Mitgliedsbetrieben zu erhalten. Mehr als 300 von ihnen produzieren in OÖ eine unglaubliche Vielfalt regionaler Bio-Produkte in bester handwerklicher Qualität. Zu finden ist der nächste Bio-Vermarkter im Internet auf unseren Bio-Maps, in unserem Einkaufsführer oder auf der APP „Gutes Finden“. Aber auch bei unseren Partnern im Gewerbe und im Handelt findet sich das BIO AUSTRIA-Zeichen immer öfter. Mit dem BIO AUSTRIA – Standard und mit unserem Bekenntnis zur kompromisslosen Regionalität erfüllen wir in einem auch bei Bio immer globaleren Markt den Wunsch der KonsumentInnen nach einem Mehr an Qualität und nach Genuss mit gutem Gewissen,“ ist Waldenberger überzeugt. (Bio Austria)

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