Nagelschmitz: Staat muss Schäden ersetzen

„Die Gesundheit der Menschen steht auch für uns Gemüsebauern absolut im Vordergrund“, aber es gilt auch, „dass wir uns als unschuldig Betroffene vom Staat und seinen Institutionen zunehmend alleine gelassen fühlen“.

„Die Gesundheit der Menschen steht auch für uns Gemüsebauern absolut im Vordergrund“, aber es gilt auch, „dass wir uns als unschuldig Betroffene vom Staat und seinen Institutionen zunehmend alleine gelassen fühlen“.

Dies stellte Christoph Nagelschmitz, Präsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauer (Bonn) und selbst Gurkenerzeuger in Wesseling, im Rahmen einer Pressekonferenz mit dem Titel „Tomaten- und Gurkenanbau im Rheinland – Rheinisches Gemüse ist sicher und gesund“ auf dem Gartenbaubetrieb Theo Germes in Geldern-Walbeck fest.

Nach der Warnung amtlicher Stellen, vom Verzehr roher Salate, Tomaten und Gurken abzusehen, sei der Absatz aller Gemüsesorten in den letzten Tagen völlig eingebrochen. Es bestehe eine breite Verunsicherung bei den Verbrauchern. Der Verzehrsrückgang halte unverändert an, obwohl etwa die genossenschaftlichen Vermarktungseinrichtungen für Obst und Gemüse durch Laboranalysen nachgewiesen hätten, dass ihre Salate, Gurken, Tomaten, Paprika, Radieschen und Kohlarten nicht mit dem EHEC-Erreger kontaminiert seien.

Da seit Tagen keine Ware mehr abfließe, verschlimmere sich die Situation der Erzeuger von Tag zu Tag. Bei weiter laufenden Kosten hätten die Betriebe keinerlei Erlöse mehr. In den Betrieben greife zunehmend Verzweiflung um sich.

Der gastgebende Betriebsleiter Theo Germes, Vizepräsident des Provinzialverbandes und Vorsitzender der Landsfachgruppe Gemüsebau, baut in seinem Unterglasbetrieb auf rund 30.000 qm Tomaten an. „Durch die Kaufzurückhaltung der Verbraucher sind viele Gemüsebaubetriebe in ihrer Existenz gefährdet“, so Germes. Bereits Ende der vergangenen Woche sei Salat gefräst worden, die Kühlkapazitäten für Gurken und Tomaten reichten kaum mehr aus. Damit drohe binnen kurzem auch die Vernichtung hochwertiger Gurken und Tomaten.

Dabei geschehe seitens der Erzeuger in Unterglas- wie in Freilandbetrieben alles, was nach menschlichem Ermessen geboten und möglich sei, um eine Verunreinigung von Gemüse mit EHEC-Erregern zu verhindern: Gemüse werde nicht mit Gülle gedüngt und Beregnungswasser werde regelmäßig auf den Keimgehalt untersucht. Bei Tomaten und Gurken, die in Gewächshäusern produziert würden, kämen Blätter und Früchte nicht einmal mit Beregnungswasser in Berührung, da ausschließlich mit Tropfschläuchen bewässert werde.

Durch die Teilnahme an Zertifizierungssystemen, wie QS, würden die Betriebe regelmäßig auf die Einhaltung umfangreicher Auflagen etwa hinsichtlich Hygiene und Wasserqualität kontrolliert. So sei beispielsweise vorgeschrieben, dass bei Gemüse, das vor der Vermarktung gewaschen werde, der letzte Waschgang mit Wasser in Trinkwasserqualität zu erfolgen habe, betonten die beiden Gemüseerzeuger.

„Wir hoffen sehr, mit unserer heutigen Veranstaltung einen Beitrag leisten zu können, dass trotz der anhaltend pauschalen Warnung vor dem Verzehr roher Produkte möglichst schnell wieder Vertrauen in unsere rheinischen Produkte und in Gemüse generell zurückkehrt“, so Nagelschmitz.

An die Politik gerichtet schloss der Verbandspräsident mit den Worten: „ Je länger die unklare Situation anhält und je größer unsere Verluste werden, umso mehr werden wir vom Staat verlangen müssen, unsere finanzielle Situation abzufedern und uns Hilfen zukommen zu lassen. Um es klar zu sagen: Wir fordern den vollen Ersatz des bei uns völlig unverschuldet entstandenen und entstehenden Schadens.“ (rlv)

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