Kongress der AIAG tagte in Rom

Die internationale Vereinigung der landwirtschaftlichen Spezialversicherer AIAG (Association Internationale des Assureurs de la Production Agricole) mit Sitz in Zürich hielt vom 4.bis 6. Oktober ihren alle zwei Jahre stattfindenden Kongress ab, diesmal in Rom.

Die internationale Vereinigung der landwirtschaftlichen Spezialversicherer AIAG (Association Internationale des Assureurs de la Production Agricole) mit Sitz in Zürich hielt vom 4.bis 6. Oktober ihren alle zwei Jahre stattfindenden Kongress ab, diesmal in Rom. Vertreter aus allen Klimaregionen der Welt waren vertreten: Über 300 Mitglieder aus über 40 Nationen haben gemeinsam nach Antworten gesucht, wie die Folgen der weltweiten, international sehr unterschiedlichen Wettergefahren finanziell beherrschbar werden könnten. Die jüngsten drastischen Meldungen aus Südostasien zeigen, wie überfordert nationale Regierungen sind, aus eigener Kraft die Folgen des Klimawandels abzufedern. Der Tropensturm Ketsana hat eine tausende Kilometer lange Schneise der Verwüstung mit Hunderten von Todesopfern hinterlassen, riesige Ackerflächen durch Erdrutsche zerstört und Feldfrüchte durch Überschwemmungen in noch nicht überschaubarem Umfang vernichtet. Solche Risiken sind technisch gesehen nicht versicherbar, auch nicht mit einer massiven internationalen Rückversicherungsbeteiligung.

Nachhaltige Ernteversicherungslösungen nur auf individueller Basis
Die Mitglieder der AIAG sehen sich in der Verpflichtung, mit bezahlbaren Lösungen den Landwirten weltweit zur Seite zu stehen und den Berufsstand gegenüber der internationalen Politik zu vertreten. Müsste eine Beteiligung des Staates nach dem Solidaritätsprinzip ins Auge gefasst werden, wenn ja, in welchem Rahmen oder in welcher Form? Indexlösungen, die mit rasterartig erfassten Messdaten Schadschwellen definieren, spiegeln die tatsächlichen Schäden selten wider. Je ungenauer die Daten, desto mehr gerät die Versicherung zum Lotteriespiel. Indices können bestenfalls als Hilfsparameter gelten oder für großräumige Klimaregionen als Grundlage dienen. Betriebsindividuelle Lösungen hingegen werden von den Kongressteilnehmern präferiert. Die Greenbox-Bestimmung, die bei staatlicher Prämienförderung 30 Prozent Selbstbehalt im Versicherungsfall vorsieht, stößt auf fehlende Akzep- tanz bei den Landwirten. Denn aufgrund fest definierter Schadschwellen gehen die Betriebe, die diese Schwelle nur knapp verfehlen, leer aus, während diejenigen, die sie knapp überschreiten, in den vollen Genuss der Entschädigung kommen. Dieser Vorgehensweise stünden die Versicherungsnehmer überwiegend ablehnend gegenüber, so der amtierende AIAG-Präsident Dr. Rainer Langner, Vorstand der Vereinigten Hagelversicherung VVaG in Gießen.

Bedarf an Versicherungsschutz wächst weltweit
Nach Einschätzung der AIAG wachse der Bedarf an Versicherungsschutz ständig. Für alle landwirtschaftlichen Betriebe – ob groß oder klein– sei es unerlässlich, sich gegen wetterbedingte Schäden abzusichern. Umso wichtiger werde der internationale Austausch darüber, wie mit diesem Potenzial umzugehen sei und welche Möglichkeiten es biete. Das betreffe auch die Tierversicherer, die seit 2007 der AIAG angehören. Sie begrüßen den internationalen Informationstransfer, weil dadurch Vor- und Nachteile in den unterschiedlichen Regelungen im Umgang mit Tierseuchen und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft offenbar würden. „Gemeinsam mit den neu gegründeten Versicherern aus Mittel- und Osteuropa haben wir hier in Rom die Grundlagen geschaffen, um den internationalen Wissenstransfer auszubauen“, so Dr. Langner.

Unwetter machen vor Grenzen keinen Halt
Um einen notwendigen, sinnvollen und machbaren Versicherungsschutz zu entwickeln, der die Grenzen der Versicherbarkeit einschließt, ist länderübergreifender Erfahrungsaustausch sehr hilfreich. Die AIAG möchte mit ihrem Kongress Impulse über Weiterentwicklungen und Innovationen im Versicherungsschutz ihrer Mitglieder geben. Anlässlich der Finanzkrise erhält die Eigenkapitalanforderung der Unternehmen, die über Solvency II geregelt wird, eine herausragende Bedeutung. Dieses Thema wurde ebenfalls diskutiert. Hierzu hat die Schweizer Hagelversicherung erste Ergebnisse auf der Tagung präsentiert. Auch die Schadenregulierung war Thema, wobei den Teilnehmern Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen und Berichte der internationalen Expertenseminare vorgestellt wurden.

AIAG seit fast 60 Jahren aktiv
Die Gründung der AIAG im Jahr 1951 ist dem Bedürfnis entsprungen, nach den trennenden Kriegsjahren internationale Kontakte aufzubauen. Auf ihren Kongressen, die alle zwei Jahre stattfinden, tauschen landwirtschaftliche Spezialversicherer aus der ganzen Welt ihre Arbeitsmethoden und Erfahrungen aus und überlegen, wie die Dienstleistungen an die Landwirtschaft verbessert und Vorsorgemaßnahmen effektiver gestaltet werden können. Die AIAG schenkt den international durchgeführten Versuchen, den angewandten Lösungen und den daraus resultierenden Ergebnissen ihre größte Aufmerksamkeit und führt selber verschiedene Studien durch. Der AIAG gehören 178 Mitglieder aus 40 Nationen an. (aiag)

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