Klärschlamm – ein Recyclingdünger wird verboten

Seit Einführung der Abwasserreinigung wird Klärschlamm im Sinne der Kreislaufwirtschaft von Bauern als Dünger eingesetzt. Heute werden das Risiko von Bodenbelastungen und der Gesundheitsgefährdung höher eingestuft als der Nutzen dieses Recyclingdüngers. Abwasser aus Haushalten, Gewerbe und Industrie wird in Kläranlagen gereinigt. Der daraus anfallende Klärschlamm wurde in den frühen Achtzigerjahren vorwiegend in der Landwirtschaft verwertet. Dank den Pflanzennährstoffen Stickstoff und Phosphor war Klärschlamm lange Zeit ein willkommener Dünger. Der Einsatz in landwirtschaftlichen Kulturen, insbesondere Menge und Qualität erfolgte unter Beratung und Kontrolle von Seiten der Kläranlagebetreiber. Lange Zeit wurde diese Verwertung aus ökologischer Sicht- weise im Sinne einer Kreislaufwirtschaft gefördert.

 

BSE-Krise stelle Klärschlamm als Dünger in Frage

Neben Nährstoffen enthält Klärschlamm aber auch organische Schadstoffe, Schwermetalle und Krankheitserreger. Dank einer konsequenten Ursachenbekämpfung und der Hygienisierung des Klärschlamms hat die Belastung mit diesen Stoffen in den letzten Jahren deutlich abgenommen, sie ist aber immer noch zu hoch. Es stellt sich daher die Frage, ob die Ausbringung auf die Böden langfristig sinnvoll ist.

 

Die Landwirtschaft befürchtet irreversible Bodenschäden und eine Beeinträchtigung der Qualität von Lebensmitteln. Zudem führen die Großverteiler zunehmend nur noch einheimische Produkte, die ohne Klärschlamm hergestellt wurden. In diesem Spannungsfeld wurden viele Landwirte vorsichtig. Insbesondere in der Folge der BSE-Krise konnten in den letzten Jahren nur noch 40% des Klärschlamms in der Landwirtschaft verwertet werden. Der Rest wurde entsorgt.

 

Klärschlammverbot - Vorsorgeprinzip beim Boden- und Gesundheitsschutz

Seit diesem Frühjahr ist der Einsatz von Klärschlamm auf Futter- und Gemüseflächen verboten. Auf allen übrigen düngbaren Flächen gilt das Verbot ab 2006. Damit müssen zusätzlich 80.000 Tonnen Klärschlamm entsorgt werden, was Kosten von rund 40 Mio. Franken verursacht. Der weitaus größte Teil des Klärschlamms wird in die Verbrennung gelangen.

 

Der Verband zur nachhaltigen Nutzung ökologischer Ressourcen VENÖR bedauert dieses aus seiner Sicht zu hastig

verfügte Verbot. Die Verwertung des Klärschlamms in der Landwirtschaft, für die 20 Jahre Aufbauarbeit notwendig waren, entspricht nach VENÖR einem gut etablierten Stoff-Kreislaufsystem. Zudem könnten mit diesem einheimischen Phosphordünger die global knapp werdenden Phosphorvorräte geschont werden.

 

Separierung von Urin zur Gewinnung von Nährstoffen

Im neuen Forschungsprojekt „Novaquatis“ befasst sich die Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz EAWAG mit der separaten Sammlung von Urin und Fäkalien zur Wiederverwendung der Nährstoffe. Der Vorteil liegt vor allem darin, dass die Nährstoffe ohne Belastung mit Schadstoffen anfallen und die Gewässer und die Abwasserreinigung weniger belastet werden.

 

Das BUWAL prüft andrerseits, ob der im Klärschlamm vorhandene Phosphor zurück gewonnen werden könnte. Forschungen an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung BAM in Berlin zeigen, dass es möglich ist, aus Klärschlammasche Phosphor als Düngemittel zurück zu gewinnen. Die Umsetzung dieser Forschungen in die Praxis wird aber noch Jahre beanspruchen. (lid)

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