Friedhöfe: "Lebendige Orte der Erinnerung"

Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur e.V. (VFFK) begrüßt, dass der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) "Historische Friedhöfe" zum Kulturdenkmal des Jahres 2015 gewählt hat.

Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur e.V. (VFFK) begrüßt, dass der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) "Historische Friedhöfe" zum Kulturdenkmal des Jahres 2015 gewählt hat.

Welche Stellung nahm der Verstorbene in der Gesellschaft ein? Welchen Glauben hatte er? Wie starb er? Und warum wurde eben dieser Ort gewählt, um ihn zur letzten Ruhe zu betten? Für Archäologen sind Gräber wertvolle Schlüssel zur Vergangenheit – doch nicht nur für sie: Das Taj Mahal und die Pyramiden von Gizeh sind nur zwei von zahlreichen Grabanlagen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören und Millionen von Besuchern anziehen. Zu Friedhöfen wie dem Cimetière du Père-Lachaise in Paris oder dem Historischen Friedhof Weimar pilgern jedes Jahr tausende Menschen, um gemeinsam Berühmtheiten wie dem Doors-Sänger Jim Morrison oder Johann Wolfgang von Goethe zu huldigen. Und wer ist nicht schon einmal aus purer Neugier über einen Friedhof geschlendert, um Inschriften auf Grabsteinen zu lesen, über kunstvolle Bauwerke zu staunen, oder sich am frischen Grün und der friedlichen Atmosphäre zu erfreuen?

"Friedhöfe sind weltweit Bestandteil vieler Kulturen und Zeugnisse gesellschaftlicher Entwicklungen", betont Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur e.V. (VFFK). "Deshalb freuen wir uns sehr darüber, dass der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) "Historische Friedhöfe" zum Kulturdenkmal des Jahres 2015 gewählt hat."

Denkmal, diesen Begriff versteht Andreas Mäsing als wortwörtliche Anregung: "Wir müssen dringend laut darüber nachdenken, welche Bedeutung Friedhöfe für unsere Gesellschaft haben. Denn der derzeitige Trend zu günstigeren Urnenbestattungen, Grabfeldern und anonymen Begräbnissen bedroht die Friedhöfe in ihrer Existenz." Jeder einzelne Friedhof, der aufgrund finanzieller Verluste geschlossen werden müsste, wäre ein enormer Verlust - und zwar nicht nur für diejenigen, die dort bislang einen Ort des Trostes und des Gedenkens fanden. So wie jedes einzelne Grab ein individuelles Denkmal ist, so können Friedhöfe Denkmäler historischer Ereignisse oder längerer kulturhistorischer Entwicklungen sein. "Ein Beispiel für eine solche kulturelle Entwicklung ist die Bedeutungserweiterung, die der Friedhof durch die globale Erwärmung erfahren hat", stellt Andreas Mäsing fest. "Friedhöfe sind durch ihre abwechslungsreiche Bepflanzung von unschätzbarem Wert für das Stadtklima und für die ökologische Vielfalt, das macht sie zu wertvollen Biotopen in einer zunehmend naturfremden Umgebung."

Als Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur e.V. wie auch als privater Friedhofsfan wünscht Andreas Mäsing sich vor allem eines: dass die Wahl zum Kulturdenkmal das Jahres 2015 den Wert der Friedhöfe an sich noch einmal unterstreicht. "Wenn wir Friedhöfe erhalten wollen, müssen wir deutlich machen, dass sie Orte der Lebenden sind. Attraktive Orte, Orte des Trostes, aber auch Orte zum Entspannen und Orte der Kommunikation – und zwar über alle Kulturgrenzen hinweg." Er rechnet fest damit, dass der Friedhof in absehbarer Zeit eine Renaissance erfahren wird. "Jungen Menschen sind Familie und Freundschaft wieder zunehmend wichtig; sie möchten für diejenigen sorgen, die sie lieben - zu Lebzeiten und danach." (VFFK)

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