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DWD: Referenz-Ensembles liefern verlässliche Datenbasis
Bereits in den Vorjahren hatten Starkregenereignisse und Hochwasser – etwa rund um Ems, Weser und Elbe zu Weihnachten 2023 oder in Süddeutschland im Sommer 2024 – deutlich gemacht, wie stark Wetterextreme Infrastruktur, Landwirtschaft und Gesellschaft belasten können.
Die klimatologische Einordnung solcher Ereignisse und ihre langfristige Entwicklung standen im Mittelpunkt der diesjährigen Klima-Pressekonferenz des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Neben der Klimabilanz des Jahres 2025 stellte der DWD erstmals Ergebnisse seiner neuen Referenz-Ensembles für Deutschland vor – eine qualitätsgeprüfte Datengrundlage für Klimaanpassung.
„Der Klimawandel betrifft uns alle, unabhängig von Region oder Sektor. Und das unterstreicht die Wichtigkeit von Klimaanpassung neben dem Klimaschutz", sagte Tobias Fuchs, Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt des DWD. „Mit den DWD-Referenz-Ensembles erhalten Bund, Länder und Kommunen verlässliche Daten, um Entscheidungen zur Anpassung an den Klimawandel fundiert treffen zu können."
Die Referenz-Ensembles beruhen auf der neuesten Generation internationaler Klimaprojektionen. Diese Klimaprojektionen berechnen, wie sich das Klimasystem entwickeln könnte – abhängig davon, wie sich Gesellschaft, Wirtschaft und Treibhausgasemissionen weltweit verändern. Ein zentrales Merkmal der DWD-Referenz-Ensembles ist ihre wissenschaftliche Qualitätssicherung. Der DWD hat ein mehrstufiges Verfahren entwickelt, um zu prüfen, wie gut einzelne Klimaprojektionen das vergangene Klima im Vergleich zu tatsächlichen Messdaten abbilden. Wenn sich in bestimmten Regionen oder für bestimmte klimatologische Größen Abweichungen, Ausreißer oder andere Auffälligkeiten zeigen, werden diese aussortiert. Nur die zuverlässigsten Projektionen fließen in die Referenz-Ensembles ein.
Erste Ergebnisse der DWD-Referenzensembles: Deutschland wird weiter wärmer
Die ersten Auswertungen beziehen sich auf einen Vergleich zwischen dem Zeitraum 2071 bis 2100 und der Referenzperiode 1961 bis 1990. Dieser Ansatz macht langfristige Veränderungen sichtbar. Dabei zeigt sich ein klares Signal für steigende Temperaturen in ganz Deutschland. Am stärksten fällt die Erwärmung in Süd- und Ostdeutschland aus. Konkret kann das insbesondere für Süd- und Ostdeutschland in den Sommermonaten eine Zunahme von Hitzewellen, Tropennächten und generell der Hitzebelastung bedeuten. Betroffen von der Erwärmung sind alle Jahreszeiten, die stärksten Signale zeigen sich dabei im Sommer.
Beim Niederschlag ergibt sich ein differenzierteres Bild, weil dieser stärkeren Schwankungen unterliegt. Die Bandbreite der Klimaprojektionen reicht im Winter und Frühling von leicht trockener bis deutlich feuchter im Vergleich zum Zeitraum 1961-1990. Die höchsten Niederschlagszunahmen werden dabei im Winter im Norden und im Frühling im Nordosten Deutschlands erwartet. Im Sommer und Herbst deckt die Bandbreite den gesamten Bereich von trockener bis feuchter ab. Im Sommer gibt es im Westen die stärksten Signale für trockenere klimatische Bedingungen und im Nordosten Bereiche mit den meisten Niederschlagszunahmen. Der Herbst zeigt die stärksten Abnahmen von Niederschlag im Südosten. Für Forst-, Land- und Wasserwirtschaft bedeuten sowohl trockenere als auch feuchtere klimatische Bedingungen enorme Herausforderungen, die von Fragen zu Bewässerungsplanung und Wassermanagement bis zu möglichen Ernteausfällen und Waldbränden reichen.
Höhere Auflösung der Klimadaten für konkrete Planungsfragen
Ein kommender Schritt für die DWD-Referenz-Ensembles ist ihre räumliche Verfeinerung. Während die ersten Ergebnisse auf Modelldaten mit einer Gitterweite von 12 Kilometern basieren, wird bereits daran gearbeitet, die Auflösung auf klimatische Naturräume in Deutschland zu erhöhen, um weitere räumliche Details zu erfassen. Klimatische Naturräume sind die kleinsten interpretierbaren Einheiten, für die der DWD verlässliche Werte ausgeben kann.
Regionale Unterschiede wie zwischen einem Mittelgebirge und dem umliegenden Flachland oder zwischen Küstenregionen und Binnenland werden so deutlicher. Für die Klimafolgenmodellierung werden die aufbereiteten Daten mit 5 Kilometern Gitterweite auf Datenservern bereitgestellt, um Anschlussberechnungen beispielsweise für den zukünftigen Abfluss des Rheins oder die Bodenfeuchte in unterschiedlichen Tiefen starten zu können. Zusätzlich werden in den kommenden Monaten aus den Basisgrößen Temperatur und Niederschlag weitere Kennzahlen wie die Anzahl heißer Tage, die Intensität von Starkregenereignissen oder die Dauer von Trockenperioden abgeleitet – Angaben, die insbesondere für die Planung von Klimaanpassungs-Maßnahmen wichtig sind.
Klimatologische Bilanz des Jahres 2025: Global das drittwärmste Jahr seit Messbeginn
Der Rückblick auf das Jahr 2025 bei der DWD-Klimapressekonferenz zeigte: Der langfristige Erwärmungstrend setzt sich fort. Mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,0 °C lag das vergangene Jahr in Deutschland weiterhin deutlich über den klimatologischen Referenzwerten früherer Jahrzehnte. Gleichzeitig machte eine ausgeprägte Trockenphase im Frühjahr deutlich, dass zunehmende Verdunstung und veränderte Niederschlagsmuster die Wasserverfügbarkeit in Deutschland zunehmend beeinflussen können. Im globalen Maßstab zeigte sich ein ähnliches Bild: Nach Angaben internationaler Klimadienste gehörte 2025 weltweit zu den drei wärmsten Jahren seit Beginn der Messungen.
Welche Folgen solche Entwicklungen für unterschiedliche Lebens- und Wirtschaftsbereiche haben können, verdeutlichte der DWD auch anhand beispielhafter Perspektiven, sogenannter Personas, also fiktiver Darstellungen von DWD-Kundinnen und Kunden, die aber auf realen Daten und wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. So steht etwa Edda, eine ältere Bewohnerin einer Stadt im Oberrheingraben, stellvertretend für Menschen in Regionen, die besonders häufig von sommerlicher Hitze betroffen sind. Längere Hitzeperioden und warme Nächte können dort zunehmend zur Belastung für Gesundheit und Alltag werden.
Ein anderes Beispiel ist Britta, eine Landwirtin in Brandenburg. Für sie spielen Niederschläge im Frühjahr, Bodenfeuchte im Sommer und die Häufigkeit von Hitzeperioden eine zentrale Rolle. Die Trockenphase im Frühjahr 2025 zeigte bereits, wie empfindlich Landwirtschaft und Wasserhaushalt auf solche Entwicklungen reagieren können.
„Diese Beispiele verdeutlichen, dass sich der Klimawandel nicht nur in Temperaturkurven zeigt, sondern zunehmend auch im Alltag vieler Menschen und in wirtschaftlichen Entscheidungen", sagte Dr. Andreas Becker, Leiter der Abteilung Klimaüberwachung des DWD. „Der Deutsche Wetterdienst wird seine Informations- und Beratungsangebote daher weiter darauf ausrichten, zielgruppenspezifische Unterstützung für Vorsorge und Anpassung bereitzustellen." Die neuen Produkte werden im Laufe des Jahres auf der DWD-Webseite bereitgestellt.
Energiewetter 2025: Bedeutung des Wetters wächst durch Ausbau erneuerbarer Energien
Neben der Klimabilanz analysiert der DWD jährlich auch die meteorologischen Bedingungen für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Im Jahr 2025 ist der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland auf 55,1% gestiegen. Damit stammt inzwischen deutlich mehr als die Hälfte der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Wind- und Solarenergie.
„Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien gewinnt das Wetter als Einflussfaktor für die Stromerzeugung weiter an Bedeutung", betonte Jaqueline Drücke, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Energieprogramm der DWD-Abteilung Klima und Umwelt. „Unsere Analysen zum Energiewetter helfen dabei, Wind- und Solarbedingungen im langfristigen Kontext einzuordnen und ihre Bedeutung für das Energiesystem besser zu verstehen."
Meteorologisch war das Jahr 2025 in Deutschland insgesamt windärmer als im langjährigen Mittel, während die Sonneneinstrahlung überdurchschnittlich ausfiel. Solche Schwankungen sind für Wind und Strahlung typisch. Betrachtet man Europa insgesamt, gleichen sich regionale Unterschiede häufig aus: Während einzelne Regionen windärmere Phasen erleben, können andere gleichzeitig windreicher sein. Gerade im europäischen Verbund spielt diese räumliche Ergänzung eine wichtige Rolle: Wind- und Solarenergie ergänzen sich sowohl über das Jahr hinweg als auch über verschiedene Regionen Europas. Diese Vielfalt kann dazu beitragen, wetterbedingte Schwankungen bei der Stromerzeugung besser auszugleichen. Mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien wächst auch die Bedeutung meteorologischer Analysen für Planung, Betrieb und Bewertung der Energieversorgung. Der DWD stellt dafür langfristige Datensätze und Auswertungen bereit, die helfen, energierelevante Wetterbedingungen in einen klimatologischen Kontext einzuordnen.

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