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Bundesfachgruppe Obstbau: Schreibt Brandbrief
Laut der Bundesfachgruppe Obstbau gibt alle zwei Tage ein Obstbauer in Deutschland seinen Anbau auf. In dem Brandbrief heißt es: „[…] Die deutschen Obstbaubetriebe produzieren unter höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards. Sie investieren seit Jahren in Biodiversität, Wasser- und Klimaschutz sowie moderne und Ressourcen schonende Produktionsverfahren. Sie sichern Arbeitsplätze, erhalten Kulturlandschaften und sorgen für kurze Transportwege und regionale Wertschöpfung.
Gleichzeitig werden die Rahmenbedingungen immer schwieriger. Produktionskosten und insbesondere die Löhne steigen massiv an. Sonderregelungen für arbeitsintensive Sonderkulturen fehlen. Wer heute einen Obstbaubetrieb führt, muss längst nicht mehr nur mit Wetterextremen umgehen können, sondern auch mit politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die immer häufiger gegen ihn arbeiten. […]“
Nachfolge für 48% der Erdbeer- und Spargelbetriebe ungewiss
Die extreme Hitze hat in diesem Jahr viele Erdbeererzeuger dazu gezwungen, früher als beabsichtigt die Erdbeerernte zu beenden. Zu hoch waren die körperliche Belastung für die Erntehelfer und Erntehelferinnen, die Ernteausfälle und mindere Erdbeer-Qualitäten, die ein Weitermachen unmöglich werden ließen. Doch noch schlimmer waren die hohen Produktionskosten, der starke Preisdruck und die vielen bürokratischen Auflagen.
Die Ergebnisse der Umfrage des Netzwerkes der Spargel- und Beerenverbände e.V., an der vom 4. bis 24. Juli 2026 über 200 Erdbeer- und Spargelerzeuger teilnahmen, sind alarmierend: 48% der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Fortführung ihres Betriebes ungewiss sei. 8% planen den Erdbeer- und den Spargelanbau in den kommenden 1-3 Jahren einzustellen. Nur 38% der Erzeuger gaben an, dass die Fortführung des Betriebs langfristig gesichert sei.
„Wir sind angesichts dieser Ergebnisse, obwohl wir an sich gut über die Branche informiert sind, stark beunruhigt. Jeder 12. Betrieb will in den nächsten 1-3 Jahren den Anbau aufhören. Bei knapp der Hälfte der Spargel- und Erdbeerbetriebe ist die Zukunft aufgrund mangelnder Rentabilität und bzw. oder der ungeklärten Nachfolge ungewiss. Das bringt den Produktionsstandort Deutschland und mit ihm die Versorgungssicherheit ins Wanken. Doch die Situation ist nicht nur für Erdbeeren äußerst kritisch, sondern für den ganzen Obstbau in Deutschland. Die europaweiten großen hitzebedingten Ertragsausfälle zeigen deutlich, dass gute Ernten keine Selbstverständlichkeit sind“, erklärt Simon Schumacher, Vorstandsmitglied von Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V.
Preise decken gestiegene Produktionskosten nicht
Im Grunde sind die Ergebnisse nicht überraschend: Von Jahr zu Jahr steigen die Produktionskosten, aber die Verbraucherpreise kaum. Die Durchschnittspreise über alle Vermarktungswege für inländisch produzierte Erdbeeren lagen über weite Strecken hinweg sogar unter denen des Vorjahres. Laut AMI lag der Durchschnittspreis für Erdbeeren aus Deutschland im ersten Halbjahr in Discountern sogar noch unter dem des Vorjahres, während er im Lebensmittelhandel im selben Zeitraum geringfügig höher lag.
Vor Pfingsten gab es ohne Erdbeermenge – Diese waren gesucht. – eine Preisaktion von 2,49 Euro pro Schale heimische Erdbeeren in den Discountmärkten. Laut der Umfrage-Ergebnisse sind 62% der Erdbeererzeuger davon überzeugt, dass der Discount Aktionen dieser Art durchführt, um Kunden und Kundinnen in die Läden zu locken, um dann bei fehlender deutscher Ware vor allem Importerdbeeren zu verkaufen. 72% gaben an, dass auf diese Weise die Preise auf allen Verkaufsebenen gedrückt würden, da der Discount die Preisführerschaft herstellen müsse. Rund 49% der Betriebe gehen davon aus, dass sie dadurch auch gezwungen sind, die Preise in der Direktvermarktung zu senken.
68% der an der Umfrage teilnehmenden Erdbeererzeuger gab an, dass sich die gestiegenen Produktionskosten spürbar negativ auf ihren Betrieb auswirken. Mehr als 17% sehen darin sogar eine Existenzbedrohung für ihren Betrieb. Folglich werden rund 13% der Erdbeererzeuger für die kommende Saison ihre Anbaufläche drastisch reduzieren, 31% werden sie leicht reduzieren, rund 44% werden ihre Anbaufläche beibehalten, und 11% werden die Anbaufläche etwas erweitern.
36% der in der Hauptsaison gekauften Erdbeeren sind Importware
Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) kauften die privaten Haushalte in der Erdbeerhauptsaison leicht mehr importierte Erdbeeren als im Vorjahr*: Eine AMI-Analyse auf Basis des Haushaltspanels von YouGov CP Germany zeigt, dass von den Erdbeerkäufen privater Haushalte in Deutschland im Zeitraum Kalenderwoche 16 bis Kalenderwoche 26 in diesem Jahr rund 64% auf deutsche Ware und entsprechend 36% auf Importe entfielen. Im Vorjahr waren im selben Zeitraum 65% deutsche Ware und 35% Importe.
*In diesen Zahlen nicht enthalten sind Erdbeeren, die z. B. für die Gastronomie gekauft wurden.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen verbessern
Da die Arbeitskosten im Obstbau bis zu 60% der gesamten Produktionskosten ausmachen, die seit 2021 um mehr als 46% gestiegen sind, bittet die Bundesfachgruppe Obstbau die Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Landtage sich für folgende Maßnahmen einzusetzen, um die Produktion von Obstbau wieder wettbewerbsfähig zu machen:
- Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Saisonarbeitskräfte schaffen: 20% Abschlag auf Mindestbruttostundenlohn bei gleichzeitiger Untergrenze von 13,90 Euro je Stunde
- Zugang zu Saisonarbeitskräften sichern: praktikable, rechtssichere und unbürokratische Rekrutierungsverfahren für Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten
- Rechtssicherheit schaffen: eindeutige gesetzliche Regelungen bei kurzfristigen Beschäftigungen

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