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Agrar- & Gartenbauprodukte: Carbon-Footprint-Analysen
Zwei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekte der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) zum Thema CO2-Fußabdruck fanden Ende Oktober 2014 bei einer Veranstaltung im Wissenschaftszentrum Straubing (WZS) ihren Abschluss:
- Carbon-Footprint-Analysen entlang der Wertschöpfungsketten von Obst und Gemüse an ausgewählten Beispielen sowie Erarbeitung eines entsprechenden Zertifizierungs- und Labellingsystems
- Teilprojekt Effizienz & Akzeptanz von Carbon Footprints im Rahmen des Forschungsprojektes WeGa
Prof. Dr. Klaus Menrad, Leiter des Fachgebietes Marketing und Management
Nachwachsender Rohstoffe sowie Direktor des Wissenschaftszentrums und Frau Prof. Dr. Heike Mempel, Leiterin des Fachgebietes Technik im Gartenbau, hatten dazu Auftraggeber, Projektpartner, Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden und Landesanstalten sowie externe Referenten aus Forschung, Verwaltung und Handel nach Straubing eingeladen.
Die Zielsetzungen beim Projekt "Carbon Footprint" waren:
- Ermittlung des C02-Fußabdrucks für ausgewählte Obst- und Gemüsesorten entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Äpfeln und Tomaten
- Umsetzung der Ergebnisse der Berechnung in ein entsprechendes - Kennzeichnungssystem für den Konsumenten Die Zielsetzungen beim WeGa-Teilprojekt waren:
- Integration des Verbraucherverhaltens bei der Ermittlung des Product Carbon Footprints (PCF) bei vier Gartenbau-Produkten (Spargel, Erdbeeren, Schnittrosen, Orchideen)
- Vollständige PCF-Berechnung von Spargel, Erdbeeren, Schnittrosen, Orchideen
- Ermittlung des Verbraucherinteresses an Informationen zu PCF
PCF und PEF von Gartenprodukten - Beispiele aus Deutschland und Estland
Eveli Soode, Doktorandin am Lehrstuhl für Holzwissenschaft der TU München und Bearbeiterin des Unterauftrages zur PCF-Berechnung im Rahmen von WeGa stellte eine Studie vor, in der der PCF an ausgewählten landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Produkten von der Produktion bis zur Entsorgung ermittelt wurde. Der Fokus lag dabei auf dem gesamten Lebenszyklus eines Produktes ("Cradle to Grave"). Die Datenerhebung erfolgte in elf Produktionsbetrieben, bei einem überregionalen Großhandelsvermarkter sowie in einer umfangreichen Panelerhebung bei Verbrauchern zu den Kriterien Einkaufsfahrt, Verwendung und Entsorgung.
Als "Hotspots" (= Prozesse mit besonders großer Umweltwirkung) wurden Kundentransport, Stromverbrauch und Entsorgung in der Kundenphase identifiziert. In der Gesamtzusammenrechnung zeigte sich, dass die PCF-Optimierung auf Produktionsseite schon weit fortgeschritten, auf Konsumentenseite dagegen noch sehr unerforscht ist. D.h., wenn der Konsument nach dem "worst case" Prinzip handelt und z.B. 10 km fährt, um "nur" Spargel bei einem regionalen Anbieter zu kaufen, ist das Verhalten von Produzenten und Zulieferern im Grunde für die PCF-Bilanz belanglos. Das Kundenverhalten entscheidet! Bei Spargel, Erdbeeren, Rosen und Orchideen wurde versucht, den PCF im Ländervergleich ohne Kundenphase zu ermitteln. Fehlende Daten wurden der Literatur entnommen und durch analoge Systemgrenzen möglichst vergleichbar gemacht.
Das Fazit von Frau Soode war eine kritische Beurteilung des Versuchs, den PCF in einer Zahl zu erfassen. Die Variabilität bei Produktionssystemen, im Verbraucherverhalten und bei der PCF-Berechnung sei einfach zu groß. Die Distribution spiele dabei bei regionaler Erzeugung eine untergeordnete Rolle.
Bei der lebhaften Diskussion wurde eingeworfen, dass es sehr wohl große Unterschiede auf der Produzentenseite gibt, vor allem im Bereich der Heizsysteme, auch wenn sich das in der vorliegenden Gesamtbetrachtung nicht so deutlich auswirken würde. Zentrale Fragestellungen in dem gesamten Verfahren, so ein weiterer Beitrag, seien die Vergleichbarkeit und die Standardisierung von Verfahren.
Carbon Footprint entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Obst und Gemüse
Rumyana Ergül von der HSWT stellte die Ergebnisse zu Carbon Footprint entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Obst und Gemüse am Beispiel von Apfel und Tomaten vor.
Bisherige Studienergebnisse zeigten eine hohe Bandbreite bezüglich Datenbasis, Systemgrenzen, Methodik u.a., weswegen sich ein direkter Produktverglich schwierig gestaltete. Die Berücksichtigung der gesamten Wertschöpfungskette sei deshalb notwendig gewesen.
Ziele des Forschungsprojekts waren:
- Carbon Footprint über die gesamte Wertschöpfungskette für ausgewählte Obst- und Gemüsearten (Apfel und Tomate)
- Ermittlung der räumlichen und zeitlichen Variabilität innerhalb der Wertschöpfungsketten
- Ermittlung der Haupteinflussfaktoren bei Produktion, Transport und Lagerung
- Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Produkte Ermittlung von CO2-Reduktionspotenzialen
Nach den Einzelergebnissen zu Produktion, Transport und Lagerung stellte Frau Ergül eine Gesamtbetrachtung an. Die vollständige Wertschöpfungskette sei gekennzeichnet durch eine hohe Variabilität bezüglich Energieverbrauch für Wärme- bzw. Kältebedarf sowie durch die Wahl des Energieträgers. Der Anteil der Logistik am PCF sei dabei von der Produktart abhängig, diese habe eine geringe Bedeutung bei Produkten mit emissionsintensiver Produktion, dagegen eine hohe Bedeutung bei Importprodukten mit geringer Energieintensität bei der Produktion.
Abschließend zählte die Doktorandin eine Reihe von Reduktionspotenzialen für Freiland- und Gewächshausanbau, Transport und Lagerung auf und bezifferte jeweils das Einsparpotenzial.
Vermarktungswege von Spargel im Kontext von Verbraucher, Handel & Regionalität
Paul Lampert vom WZS referierte über Vermarktungswege von Spargel im Kontext von Verbraucher, Handel & Regionalität und stellte die Frage, ob Selbstvermarktung klimafreundlich sei.
Dabei wurde die Wertschöpfungskette Supermarkt mit der Wertschöpfungskette Verkaufsstand + Hofladen verglichen. Die zugrunde liegenden Daten stammten von zwei Produktionsbetrieben, einem Großhandelsvermarkter sowie aus einer Panelerhebung über Einkaufs- und Verwendungsverhalten zu Spargel.
Als Emissionstreiber seitens der Verbraucher wurden bei dieser Panelbefragung ganz klar die Einkaufsfahrt mit dem PKW sowie der Kochprozess identifiziert. "500 g Spargel mit 5l Wasser kochen - der Konsument verhagelt die schöne Bilanz des Hofladens gewaltig", so die deutlichen Worte von Paul Lampert. Dem Produzenten könne aufgrund dieser Untersuchungen ein eindeutiges Ja zur Klimafreundlichkeit attestiert werden, dem Verbraucher nur, wenn er die Vermarktungsschiene "Hofladen" in angemessener Entfernung nutze.
Dieses Fazit löste eine angeregte Diskussion zur Rolle des Verbrauchers bzw. dessen Bewusstheitsgrad aus. Einigkeit herrschte darin, den Verbraucher für solche Sachverhalte stärker zu sensibilisieren und nicht nur vom Gärtner eine klimaschonende Erzeugung einzufordern.
Klimakennzeichnung und Herkunft – Bedeutung bei der Kaufentscheidung für Obst und Gemüse
Dr. Agnes Klein vom WZS stellte weitere ausgewählte Ergebnisse aus dem Konsumenten-Teil des Projekts Carbon Footprint vor: "Klimakennzeichnung und Herkunft – Bedeutung bei der Kaufentscheidung für Obst und Gemüse"
Nach einer Zielstellungs- und Methodenbeschreibung sowie einer umfangreichen Ergebnispräsentation beantwortete Dr. Klein ihre eingangs gestellten Fragen in der Zusammenfassung:
F1: Machen sich Konsumenten über die Auswirkungen der eigenen Ernährung auf das Klima überhaupt Gedanken?
A1: Ja, ein substanzieller Teil der Befragten hat sich schon mit der Thematik beschäftigt.
F2: Welche Bedeutung hätte ein Klima-Label im Vergleich zu anderen wichtigen Produkteigenschaften (z. B. Herkunft) im Kaufentscheidungsprozess bei Lebensmitteln?
A2: Klima-Label würde im Vergleich zu anderen Produkteigenschaften, (insbesondere Herkunft) untergeordnete Rolle im Entscheidungsprozess spielen.
F3: Welche Bedeutung spielt die Herkunftsinformation bei der Bewertung der Klimawirkung von Produkten?
A3: Herkunft ist vermutlich ein wichtiges Kriterium zur Bewertung der Klimawirkung von Produkten
Daraus zog Frau Dr. Klein folgende Rückschlüsse für die Wertschöpfungskette Obst und Gemüse:
Klimaschutz/Klima-auswirkungen thematisieren
Ein Klima-Label könnte eingeschränkte, zusätzliche Vorteile für heimische Produkte liefern; jedoch Label praktisch kaum umsetzbar (Methodik, Akzeptanz, Kosten…)
Positive Aspekte von regionalen Produkten/ Produktionsweisen im Bereich Klimaschutz herausstellen
Diskussion und Abschluss der Veranstaltung
Im Anschluss entflammte eine lebhafte Diskussion um die Ergebnisse der Verbraucherstudie und mögliche weitere Einflussfaktoren auf das Verbraucherverhalten. In seinen Schlussworten zeigte sich Prof. Menrad sehr zufrieden mit Verlauf, Präsentationen, Diskussionen bei dieser Projektabschlussveranstaltung und traf damit offensichtlich auch die Meinung der meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer. (HSWT)

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