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FDF: Nachhaltigkeit in Produktion und im Fachhandel
Thema des Treffens war die derzeit laufende Überarbeitung des Zertifizierungssystems „Florist Barometer“ in Holland. Es dient als Gütesiegel für nachhaltige Floristikbetriebe. Rund 300 Floristinnen und Floristen sind im Nachbarland derzeit mit dem Gütezeichen zertifiziert.
Austausch der Perspektiven
An der digitalen Runde nahmen neben Christiane Hornikel von SMK, Nicola Fink vom FDF e.V. Bundesverband sowie Tina Steger und Christine Steinbach aus dem FDF-Fachausschuss für Wirtschaft, Handel und Nachhaltigkeit teil. Das aktuelle Zertifizierungsschema ist seit dem 1. Januar 2023 in Kraft. Ziel des Austauschs war es, praxisnahe Impulse und Vorschläge für die Weiterentwicklung des Florist- Barometers zu sammeln. In dem Online-Meeting brachten die Teilnehmenden ihre jeweiligen Perspektiven aus Praxis, Verbandsarbeit und Nachhaltigkeitsmanagement ein.
Nachhaltigkeit in den Niederlanden
Die Nachhaltigkeits-Entwicklungen in den Niederlanden sind durch Initiativen von Royal FloraHolland und die Floriculture Sustainability Initiative richtungsweisend. Royal FloraHolland will seine Mitglieder und Lieferanten bis 2027 schrittweise durch die Floriculture Sustainability Initiative (FSI) zertifizieren lassen, um die Nachhaltigkeit im Blumenzuchtsektor zu steigern. Das betrifft insbesondere den kontrollierten Pestizid- Einsatz. Hintergrund ist, dass die Verbraucher in den Niederlanden hohe Transparenz in der Kette fordern und die Gesetzgebung immer anspruchsvoller wird. Zudem werden in den Niederlanden sehr viel deutlichere Nachweise in Bezug auf Nachhaltigkeit in der Zierpflanzenproduktion gefordert.
Deutschland: Nachhaltigkeitsforderungen an Branchentagen
Diese Situation stellt sich in Deutschland anders dar. Hier wird die Nachhaltigkeit in der Floristik vorwiegend zu umsatzstarken Tagen wie insbesondere dem Valentinstag durch die Medien fokussiert. Gerade wenn die aus dem globalen Süden importierten großkopfigen Rosen bevorzugt vermarktet werden, erlebt die Branche regelmäßig eine negative Berichterstattung über belastete Blumen. Ansonsten spielen Nachhaltigkeit und die Zertifizierung grüner Produkte im aktiv kommunizierten Kundeninteresse derzeit keine übergeordnete Rolle im deutschen Floristikfachhandel. Gleichzeitig zeigen Erfahrungen aus anderen Branchen, insbesondere dem LEH, dass nachhaltige und regionale Produkte durchaus nachgefragt werden, häufig jedoch ohne dass Kunden dies im Kaufprozess direkt benennen. Vieles geschieht hier eher selbstverständlich oder unbewusst.
Nachhaltigkeit als Chance für erfolgreiches Marketing
Für den Fachhandel ergibt sich daraus die Chance, vorhandene nachhaltige Leistungen bewusster zu kommunizieren und gezielt als Teil der eigenen Marktpositionierung zu nutzen. Auch im B2B-Bereich, etwa bei kommunalen Auftraggebern oder Firmenkunden, gewinnen entsprechende Nachweise bereits an Bedeutung. Im FDF-Fachausschuss ist man sich einig, dass eine transparente Kommunikation über die Nachhaltigkeit und eine strategische Aufstellung in diesem Thema für viele Blumengeschäfte ein wirkungsvolles Marketing darstellen können.
Unterschiedliche Branchenstrukturen in Deutschland und Holland
Unabhängig davon unterscheidet sich das Angebot im deutschen Floristikfachhandel in seiner Struktur deutlich von dem in den Niederlanden. Während dort eine ganzjährige, stark standardisierte Produktion vorherrscht, ist die heimische Schnittblumen-Produktion in Deutschland stärker saisonal geprägt und vielfach im Freiland organisiert. Regionale Ware steht daher vor allem in bestimmten Zeitfenstern zur Verfügung. Zierpflanzen sind in der Regel nicht im gleichen Maße formal zertifiziert, was unter anderem auf kleinteiligere Betriebsstrukturen zurückzuführen ist.
Regionale Produktion und Zusammenarbeit mit regionalen Zulieferern
In Deutschland arbeiten viele Betriebe in überschaubaren Einheiten, in denen Zertifizierungen mit erheblichem Aufwand verbunden sind und sich wirtschaftlich nicht immer darstellen lassen. Stattdessen basieren die Geschäftsbeziehungen im Fachhandel vielfach auf langjähriger, vertrauensvoller Zusammenarbeit mit regionalen Zulieferern. Regionale Produkte, etwa aus Programmen wie „Ich bin von hier“, stoßen dabei auf positive Resonanz und treffen den Nerv der Kundschaft. Entscheidend wird sein, diese vorhandenen Stärken künftig klarer sichtbar zu machen und strategisch zu nutzen. Berufsneuordnung FloristIn fokussiert Nachhaltigkeit Es ist zudem davon auszugehen, dass mit dem Inkrafttreten der Berufsneuordnung FloristIn das Thema Nachhaltigkeit sich zukünftig auch in der Floristikausbildung stärker vermittelt. Dabei geht es nicht nur um den Einkauf von Schnittblumen und Pflanzen, sondern um ein breites Spektrum betrieblicher Entscheidungen: von Materialeinsatz über Ressourcennutzung bis hin zu unternehmerischen Abläufen. Viele dieser Aspekte sind bereits heute gelebte Praxis in den Betrieben, werden jedoch häufig nicht bewusst als Teil einer übergeordneten Nachhaltigkeitsstrategie wahrgenommen oder entsprechend kommuniziert und eingeordnet.
FDF geht eigenen Weg: Webinar FDF-Nachhaltigkeitsflorist*in
Der Fachverband Deutscher Floristen e.V. Bundesverband geht in der Nachhaltigkeits-Thematik deshalb einen eigenen Weg. Im Fachausschuss Wirtschaft, Handel und Nachhaltigkeit wurde ein mehrteiliges Webinar entwickelt, welches die Nachhaltigkeit in den Blumenfachgeschäften in den verschiedenen Unternehmensbereichen durchleuchtet. Teilnehmer*innen werden dabei die vielfältigen Aspekte der Nachhaltigkeit nahegebracht - mit dem Ziel zu informieren, zu motivieren und als Einladung zum Mitmachen. Am Ende dieses Programms steht keine Zertifizierung, wie beim Florist Barometer in den Niederlanden, sondern eine Teilnahme- Bestätigung des Fachverband Deutscher Floristen. Sie weist nach, dass der teilnehmende Florist sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und mit Kompetenz, Wissen und Engagement seine eigene Nachhaltigkeitsstrategie individuell entwickelt hat. Die Auseinandersetzung mit nachhaltigen Strukturen und deren Einordnung bleibt damit ein zentrales Thema für den Fachhandel. (FDF)

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