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DIW-Konjunkturbarometer: Noch kein Aufschwung
Da sich der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran zumindest vorübergehend beruhigt hat, hellen sich die konjunkturellen Aussichten etwas auf. Dennoch bleibt die geopolitische Unsicherheit hoch. Es dürfte auch noch Zeit brauchen, bis sich die Weltwirtschaft vom Energieschock und den Störungen einiger Lieferketten – etwa bei Düngemitteln – erholt. Die Inflation bleibt erhöht, und der vorsichtige Aufschwung der deutschen Wirtschaft, der sich im Winter angedeutet hatte, wird weiterhin merklich ausgebremst.
Gestützt wird die Konjunktur nicht nur durch die Beruhigung des geopolitischen Umfelds, sondern weiterhin von den Stimulierungspaketen der Bundesregierung, die bereits im ersten Quartal des laufenden Jahres zu einem soliden Wachstum des Bruttoinlandsprodukts beitrugen. „Die Konjunktur beruhigt sich, aber sie zieht noch nicht an“, sagt DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. „Spürbar mehr Schwung erwarten wir erst zum Jahresende – und auch das nur, wenn die geopolitischen Risiken nicht erneut eskalieren und die fiskalischen Impulse tatsächlich in Investitionen münden.“
Die Industrie bleibt ein Sorgenkind der deutschen Wirtschaft. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs hat die vorsichtige Zuversicht vom Jahresbeginn einen empfindlichen Dämpfer erlitten. Die Industrieproduktion dümpelt auf niedrigem Niveau vor sich hin. Die Auftragslage bleibt fragil: Zwar nimmt der Auftragsbestand noch leicht zu, doch der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist zuletzt deutlich gesunken (−3,8% gegenüber dem Vormonat), belastet vor allem durch rückläufige Auslandsorders. Auch der Einkaufsmanagerindex für die Industrie verharrt mit rund 50 Punkten an der Schwelle zwischen Wachstum und Schrumpfung. Strukturell belastend wirken aber weiterhin, dass die Weltwirtschaft nur moderat wächst und sich die deutschen Exporte vom globalen Handel entkoppeln – auch aufgrund protektionistischer Maßnahmen sowie der höheren Konkurrenz vor allem aus China. Sofern sich die Krise im Nahen Osten einigermaßen stabilisiert, dürften in den kommenden Monaten staatliche Nachfrageimpulse – insbesondere aus dem Verteidigungsbereich – zu einer allmählichen Aufwärtsdynamik beitragen. „Ein deutlicher und breit abgestützter Aufschwung ist momentan aber nicht in Sicht“, sagt DIW-Konjunkturexpertin Laura Pagenhardt.
Auch bei den Dienstleistungen präsentiert sich die Lage verhalten. Die Einzelhandelsumsätze sind schon seit Anfang des Jahres schwach: Bei den Verbraucher*innen dominiert weiterhin Pessimismus. Der vorübergehende Anstieg der Spritpreise, die weiterhin wenig dynamische Entwicklung der deutschen Wirtschaft und die gedämpfte Lage am Arbeitsmarkt drücken auf die Stimmung. Immerhin deutet sich beim Konsumklima nach einem Rückgang in den Frühjahrsmonaten eine leichte Erholung an. Das Bild der Frühindikatoren bleibt zwiespältig: Das GfK-Konsumklima hat sich zuletzt leicht erholt, der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungen ist dagegen weiter gesunken. Aus dem Dienstleistungsbereich dürfte darum erst allmählich mehr Schub für die deutsche Wirtschaft kommen.
„In Deutschland bleibt die wirtschaftliche Lage trotz der Beruhigung der Situation im Nahen Osten herausfordernd“, resümiert Konjunkturexperte Guido Baldi. „Wenn geopolitische Konflikte und Protektionismus wichtiger Handelspartner die deutsche Wirtschaft ausbremsen, hängt ein breiter und anhaltender Aufschwung umso mehr von eigenen Investitionen und Reformen ab.“

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