- Startseite
- Mehr...
- Dossiers
- Neuheiten von Inkarho
- VLK: Prognose der Wirtschaftsentwicklung...
VLK: Prognose der Wirtschaftsentwicklung 2023/24
Witterungsbedingungen im Kalenderjahr 2023 zeigten sich von extremer Seite
Zu Beginn der Vegetationsperiode und mit beginnender Ernte hatten die Landwirte besonders im Norden und Westen mit Dauerniederschlägen zu kämpfen, die zu einer verzögerten Getreideernte mit erheblichen Qualitätseinbußen führten. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen machten Überschwemmungen die Hackfruchternte stellenweise sogar unmöglich.
Ernteerträge durchschnittlich
Die Kartoffelernte 2023 ist bundesweit zufriedenstellend ausgefallen. Im Durchschnitt wurden je Hektar mehr als 40 Tonnen Kartoffeln und damit etwa 3% mehr als 2022 geerntet. Regional gab es deutliche Schwankungen: Späte Bestellung der Flächen, sommerliche Trockenheit und witterungsbedingt örtlich unbefahrbare Äcker bei der Ernte verursachten Qualitätsprobleme. Sie verringerten besonders in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen den Anteil marktfähiger Ware.
Preise der Marktfrüchte uneinheitlich
Die Ertrags- und Qualitätseinbußen der Kartoffeln durch die Wetterkapriolen haben zu einer angespannten Versorgungslage und zu weiter steigenden Kartoffelpreisen geführt. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein Plus von überwiegend 30%.
Betriebsmittel: Situation normalisiert sich langsam
Hohe Steigerungen der Betriebsausgaben und eine stark gestiegene Inflation kennzeichneten das Vorjahr. Aktuell normalisiert sich die Situation wieder. Die gestiegene CO2-Abgabe und höhere Transportkosten werden sich auf Betriebsmittel wie Heiz- und Kraftstoff sowie auf Strom auswirken. Diese Einflüsse auf die Betriebsergebnisse werden regional unterschiedlich eingeschätzt.
Marktfruchtbetriebe mit heterogenen Entwicklungen
Gegensätzlich verlaufende Marktentwicklungen der Getreide- und Hackfruchtbetriebe führen im Ackerbau zu unterschiedlichen Gewinnerwartungen. In Niederachsen sollte wegen des hohen Hackfruchtanteils in der Fruchtfolge mit 117.000 EUR das Unternehmensergebnis des Vorjahres zu erreichen sein. Für die Ackerbaubetriebe in Nordrhein-Westfalen wird ein leicht rückläufiges Unternehmensergebnis von 99.700 EUR erwartet. In den überwiegend auf Getreide und Raps ausgelegten Marktfruchtbetrieben in Schleswig-Holstein oder Rheinland-Pfalz sind dagegen deutliche Gewinneinbrüche auf 51.000 bzw. 45.000 EUR je Betrieb zu befürchten.
Empfindlicher Einbruch im Weinbau
Die Prognose der Wirtschaftsergebnisse für den Weinbau geht im zweiten Jahr in Folge von rückläufigen Ergebnissen aus. Mit -26% wird ein weiter, gravierender Rückgang der Ergebnisse erwartet. Ursachen sind die Kaufzurückhaltung beim Flaschenwein einerseits und gravierende Kostensteigerungen andererseits. Mit dem Ende der Pandemie gab es 2023 wieder Zuwächse beim Absatz an die Gastronomie. Dafür reduzierten die Verbraucher bei gestiegener Inflation ihren Einkauf im Lebensmitteleinzelhandel (LEH), dem mengenmäßig wichtigsten Vertriebsweg. Beobachtet wird zudem eine gestiegene Preissensibilität insbesondere im Groß- und Einzelhandel aber auch, wenn auch in geringerem Maße, die Direktvermarktung und den Fachhandel.
Unternehmensergebnisse erreichen Größenordnungen des langjährigen Durchschnitts
Mit Ausnahme der Schweineproduktion sind die Einkommen in der deutschen Landwirtschaft durchgängig rückläufig. Zumindest in den Hochburgen der Veredlungswirtschaft wird dadurch der deutliche Gewinnrückgang in den anderen Betriebsformen in nennenswerter Form abgefedert. In Summe sinken die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe um mehr als ein Drittel. Es werden Durchschnittsgewinne zwischen 60.000 EUR und 100.000 EUR erwartet. Von regionalen Besonderheiten abgesehen, werden die Unternehmensergebnisse im Wirtschaftsjahr 2023/24 in etwa auf die Größenordnungen des langjährigen Durchschnitts zurückgehen. Dieses Niveau ist nicht ausreichend, um einer angemessenen Entlohnung und Risikodeckung zu entsprechen. Die für 2023/24 erwarteten Unternehmensergebnisse reichen für einen Familienbetrieb im Schnitt nicht aus, um davon zunächst die privaten Lebenshaltungskosten sowie Einkommenssteuern zu bestreiten. Zudem müssen betrieblich bedingte Ausgaben wie Sozialversicherungen, die Mitversorgung des Altenteils, die Tilgung der privaten Darlehen sowie Zukunftsinvestitionen aus dem Gewinn finanziert werden. Um in die von Gesellschaft und Gesetzesgeber geforderte Neuausrichtung der Tierhaltung investieren zu können und nachhaltig zu wirtschaften, wäre für einen Haupterwerbsbetrieb ein Unternehmensergebnis von mindestens 100.000 EUR erforderlich.

Kommentare (0)
Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.