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Schweiz: Begehrte Bio-Kartoffeln werden importiert
In der Schweiz haben die Bauern im letzten Jahr auf über 120.000 Hektar Nahrungsmittel nach biologischen Richtlinien produziert, das sind 2.000 Hektar mehr als noch im Vorjahr. Trotzdem: Biologisch produzierte Kartoffeln gibt es in der Schweiz zu wenig. Darum lässt das Agrarhandelsunternehmen Fenaco in diesem Jahr 600 bis 800 Tonnen Bio-Kartoffeln in Deutschland produzieren, dies wurde vertraglich mit dem deutschen Händler "Bioland" vereinbart. Die Bio-Kartoffeln werden dann in der Schweiz zu Fertigprodukten wie Pommes-frites und Kartoffelstock verarbeitet.
An der Grenze zahlt die Fenaco den Kontingentszollansatz von 6 Franken pro 100 kg importierter Bio-Kartoffeln. Ob die importierten Bio-Kartoffeln der Fenaco billiger kommen als Schweizer Bio-Kartoffeln, kann Fritz Stucki, Leiter Kartoffeln bei der Fenaco, derzeit noch nicht sagen, weil die Kartoffeln erst im Herbst importiert werden.
Bei Bio Suisse sähe man es lieber, wenn die Bio-Kartoffeln in der Schweiz produziert würden. In der letzten Ausgabe der Bio Suisse-Mitgliederzeitschrift wurden die Bauern denn auch aufgerufen, mehr Bio-Kartoffeln zu pflanzen. Bio Suisse hat zum Ziel, die Nachfrage nach Bio-Industriekartoffeln mit inländischer Ware zu decken. Die Zeichen würden momentan gar nicht schlecht stehen, wie Bio Suisse-Sprecherin Jacqueline Forster sagt. "Die Weltmarktpreise für Industriekartoffeln sind am Steigen. Das könnte sich auch auf die Schweizer Produktion auswirken.
Risikoreiches Geschäft
Weit weniger rosig blickt Ruedi Fischer, Präsident der Kartoffelproduzenten, in die Zukunft. "Die Anbaufläche für Bio-Kartoffeln geht jedes Jahr zurück." Bereits der konventionelle Kartoffelanbau sei, verglichen etwa mit der Getreideproduktion, ein hartes Geschäft für die Bauern. Im Frühling müsse viel Geld in Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Dünger investiert werden. Im Herbst sei das Risiko gross, dass die Ernte schlecht ausfalle. Zudem brauche es für die Kartoffelproduktion, insbesondere für die Ernte, viele Arbeitskräfte.
Was für die konventionellen Bauern bereits ein hartes Geschäft ist, ist für die Biobauern noch härter: sie dürfen keine chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel einsetzen. "Der Ertrag bei den Bio-Kartoffeln ist darum viel schlechter als bei konventionellen Kartoffeln", sagt Bertrand Bollag, bei Bio Suisse zuständig für die Ackerkulturen.
"Biobauern leiden nicht unter den Importen"
Die Biobauern für die Produktion von Bio-Kartoffeln zu mobilisieren, wird für Bio Suisse also nicht leicht sein. Doch sie erhält Schützenhilfe von der Fenaco. Denn beim grössten Abnehmer von Bio-Industriekartoffeln würden Schweizer Bio-Kartoffeln den ausländischen vorgezogen, wie Stucki versichert. "Dieses Jahr übernehmen wir alle Schweizer Bio-Industriekartoffeln zu den in der Branche festgelegten Preisen." Auch letztes Jahr habe die Fenaco den Biobauern die Kartoffeln abgekauft, obschon die Qualität teilweise mangelhaft war. "Die Schweizer Biobauern leiden also nicht unter den Importen", folgert Stucki. Bereits früher habe die Fenaco Bio-Industriekartoffeln importieren müssen, weil in der Schweiz zu wenig angebaut wurden oder die Erträge aufgrund des schlechten Wetters limitiert waren. "Dieses Jahr müssen wir mehr importieren, weil die Nachfrage nach Bio-Produkten markant gestiegen ist."
Auch deutsche Bio-Kartoffeln erfüllen Schweizer Kriterien
Aus diesen Gründen hat auch Bio Suisse nichts gegen die Importe einzuwenden. Auch aus ökologischer Sicht seien die deutschen Bio-Kartoffeln nicht bedenklich, wie Bollag erklärt. Die Kartoffeln werden in Süddeutschland angebaut, der Transport in die Schweiz sei also völlig vertretbar. "Zudem gelten für die deutschen Bio-Kartoffelproduzenten die gleich strengen Vorschriften wie für die Schweizer Biobauern", sagt Bollag.

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