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NL: Zierpflanzensektor von großem Wert
Prof. Dr. Annemieke Roobeek (Professorin für Strategie und Transformation, Nyenrode Business University), David van Mechelen (CEO a.i. Royal FloraHolland), Frank Ammerlaan (Inhaber der Gärtnerei Rosa Plaza) und Marcel Zandvliet (Chief Marketing & Sustainability Officer, Dutch Flower Group) sprachen offen über die Herausforderungen und Chancen für die Branche, die eine intensive Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb der Branche erfordern.
Hier die wichtigsten Fakten und Schlussfolgerungen zum Wert des Zierpflanzenanbaus für die Niederlande und darüber hinaus sowie einige Zitate aus der Podiumsdiskussion.
Innovation & Nachhaltigkeit
Jährlich werden in diesem wissensintensiven Sektor rund 1 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung investiert, was 5% aller niederländischen F&E-Ausgaben entspricht. Es ist auch klar, dass der Sektor viele Lösungen für gesellschaftliche und nachhaltige Herausforderungen bietet, wie Erdwärme, intelligente Energieversorgung und besseres Wassermanagement.
Ein weiteres Beispiel sind die CO₂-Emissionen aus der Industrie, die von Züchtern für den Anbau ihrer Blumen und Pflanzen genutzt werden. „Der Sektor ist einst dank billigem Gas groß geworden und spielt nun zunehmend eine Vorreiterrolle in der Energiewende“, so Annemieke Roobeek. Ein weiteres wichtiges Thema für das Panel war die Digitalisierung. Über die Handelsplattform Floriday werden Erzeuger und Händler weltweit miteinander verbunden, was Skaleneffekte ermöglicht. „Durch die Digitalisierung können wir nicht nur effizienter arbeiten, sondern auch unsere Geschichte viel besser erzählen: mit Fakten und Daten, nicht mit Meinungen”, sagt David van Mechelen. Die Daten - nicht nur über Produkte und Planung, sondern auch über Aspekte der Nachhaltigkeit - sorgen dafür, dass der Sektor wirklich transparent werden kann. „Transparenz ist nicht mehr nur eine Option, sondern etwas Entscheidendes, das wir als Dutch Flower Group und als Branche sehr schätzen. Darüber hinaus arbeiten wir selbst und auf internationaler Ebene, unter anderem über die Floriculture Sustainability Initiative (FSI), gemeinsam mit unseren Züchtern und Kunden an mehr Nachhaltigkeit. Das ist ein Muss“, betont Marcel Zandvliet.
Der Sektor hat den Einsatz der umweltschädlichsten Pflanzenschutzmittel in den letzten zehn Jahren weltweit um 78% reduziert. Niederländische Erzeuger von Topfpflanzen haben den Einsatz der umweltschädlichsten Mittel sogar um 96% und von Schnittblumen um 88% reduziert (Zahlen von MPS). Der Übergang des Zierpflanzensektors zu nachhaltigeren Anbaumethoden ist daher in vollem Gange. Die Podiumsteilnehmer sind sich einig, dass Zusammenarbeit und Transparenz für das Image der Branche immer wichtiger werden. „Wir müssen unsere Aussagen mit Daten untermauern”, wiederholt Van Mechelen. „Wir dürfen nicht auf Kritik warten, sondern müssen zeigen, was wir bereits tun und wie wir vorgehen. Die Fakten sind unser stärkstes Argument.”
Wirtschaftliche Stärke
Die Zierpflanzenbranche trägt 6,6 Mrd. Euro zum niederländischen BIP bei und hat einen Exportwert von 9,1 Mrd. Euro, wobei der Großteil davon innerhalb eines Radius von 700 km in Europa bleibt. Der Inlandsverbrauch von Blumen und Pflanzen in den Niederlanden beträgt ca. 1 Mrd. Euro. Die Niederlande sind ein führender internationaler Standort für den Zierpflanzenbau, der 9% der Agrarexporte ausmacht. Der weltweite Marktanteil der in den Niederlanden produzierten Zierpflanzen beträgt etwa 48%. Unser Land fungiert auch als Transitland für Blumen und Pflanzen aus Ländern wie Kenia und Äthiopien sowie aus aufstrebenden Produktionsländern wie Kolumbien und Italien. Etwa 80% der Exporte gehen nach Europa, wobei Deutschland der größte Abnehmer ist.
Arbeit & Wohlbefinden
In den Niederlanden bietet die Branche 65.000 Vollzeitstellen. International arbeiten 400.000 Menschen direkt in der Zierpflanzenzucht, was sich positiv auf die lokale Wirtschaft, das Bildungswesen und das Gesundheitswesen auswirkt. Jährlich werden mehr als 7 Mio. Euro an Fairtrade-Prämien für lokale Projekte ausgegeben.
Frank Ammerlaan wies auf den großen Wert der Zierpflanzenproduktion für ein Land wie Äthiopien hin, wo seine Gärtnereien ansässig sind, für Beschäftigung, Entwicklung und Bildung. „Ich sehe, dass ehemalige Mitarbeiter auf der Grundlage dessen, was sie bei uns gelernt haben, Unternehmen in anderen Branchen gründen, sodass die Auswirkungen groß sind. Mein Traum ist es, in Zukunft eine Demonstrationsfarm in Äthiopien zu gründen, in der Bildung und die Unterstützung der lokalen Bevölkerung mit unserem Wissen im Mittelpunkt stehen.“
Stolz & Verbundenheit
Die Niederlande sind weltweit als Blumenland bekannt und blicken auf eine reiche Geschichte seit dem 16. Jahrhundert zurück. Blumen und Pflanzen verbinden Menschen, spenden Trost und tragen nachweislich zu unserem geistigen und körperlichen Wohlbefinden bei.
David van Mechelen betonte, dass der Zierpflanzenanbau mehr ist als nur Handel oder Export. „Blumen und Pflanzen fördern das Wohlbefinden, das Glück und die sozialen Beziehungen und tragen zu gesunden, grünen Städten bei.“ Annemieke Roobeek fügte hinzu: „Blumen sind Teil unserer Kultur und unserer Zukunft. Sie stehen für Kreativität, Innovation und Schönheit. Genau das, was die Niederlande groß macht.“
Zukunft
Digitalisierung, Nachhaltigkeit (ESG) und Zusammenarbeit sind der Schlüssel, um auch in Zukunft weltweit führend zu bleiben. Der Sektor wandelt sich von einem traditionellen Cluster zu einem modernen Ökosystem, in dem Zusammenarbeit im Mittelpunkt steht.
Laut Annemieke Roobeek steht die Zierpflanzenbranche vor einem grundlegenden Wandel. „Die Erneuerung kommt nicht von innen, sondern durch die Zusammenarbeit mit Parteien außerhalb des Sektors. „Beyond Competition“ miteinander arbeiten – das ist die Zukunft“, erklärte sie. Der Sektor ist traditionell ein Cluster von Unternehmen, die geografisch nahe beieinander liegen, aber für echte Erneuerung ist ein Ökosystem erforderlich: ein Netzwerk, in dem Züchter, Technologieunternehmen, Wissensinstitute und Logistikpartner zu Themen wie Digitalisierung, Energie und Kreislaufwirtschaft zusammenarbeiten. Marcel Zandvliet stimmte dem voll und ganz zu: „Ohne einander kommen wir nicht voran. Beyond Competition, in Kollektivität, ist die Antwort.” Roobeek fügte hinzu: „Große Unternehmen können mit ihren Mitteln und ihrer Größe gerade den kleinen helfen, auch durch mobile Unterstützung, denn gerade diese kleinen Erzeuger, Nischenakteure, sorgen für Vielfalt, Kreativität und neue Sorten.”
In zwanzig Jahren, so die Panelteilnehmer, werde der niederländische Zierpflanzenanbau vollständig digital vernetzt sein. Erzeuger weltweit würden ihre Blumen und Pflanzen sowie Nachhaltigkeitsdaten über eine einzige Plattform austauschen, unterstützt durch transparente Logistik und verlässliche Fakten. Vor allem aber bleibe der Mensch im Mittelpunkt: Die Leidenschaft der Erzeuger, die Innovationskraft der Unternehmer und der Stolz auf eine jahrhundertealte Tradition.
David van Mechelen schloss die Podiumsdiskussion mit einem Appell: „Es ist wichtig, dass wir diese Gespräche fortsetzen. Die Zukunft unserer Branche erfordert gemeinsame Verantwortung, Mut und Offenheit.“

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