Lohnt sich der Arznei-, Kosmetik- und Gewürzpflanzenanbau?

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch MdL: "Wirtschaftszweig Arznei-, Kosmetik-, und Gewürzpflanzen birgt große Chancen für Baden-Württemberg".

„Die natürlichen und klimatischen Voraussetzungen für den Anbau von Arznei-, Kosmetik-, und Gewürzpflanzen sind in Baden-Württemberg ideal. Die kleinräumige Agrarstruktur unseres Landes kommt den Bedürfnissen der Industrie entgegen, die in der Regel kleine Mengen nachfragt. In Baden-Württemberg können wir mit Qualitätssicherungssystemen die seitens der Verarbeiter und des Gesetzgebers geforderte hohe Qualität der Rohware diese Art von Pflanzen sicherstellen“, sagte die Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum, Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, am 17. Oktober in Stuttgart.

Anlässlich der Fachtagung 'Arznei- Kosmetik- und Gewürzpflanzen - Lohnt sich der Anbau in Baden-Württemberg?' an der Universität Hohenheim diskutierten Vertreterinnen und Vertreter verarbeitender Firmen sowie der Landwirtschaft und Wissenschaft über die Potentiale von Baden-Württemberg in diesem neuen Sektor.

Die Nachfrage nach Produkten aus den natürlichen Rohstoffen erfahre einen kontinuierlichen Zuwachs. „Viele Menschen entscheiden sich für einen bewussten und gesunden Lebensstil, auch um das Gefühl zu haben, mit der Natur in Einklang zu leben“, betonte Gurr-Hirsch. Seit Jahren verzeichne die Naturkosmetikbranche enorme Zuwächse und das Prädikat 'made in Germany' bürge auch im Ausland für die hohe Qualität der Ware. Der Anteil der in Deutschland verkauften rezeptfreien pflanzlichen und homöopathischen Arzneimittel nehme mittlerweile fast ein Drittel der rezeptfrei verkauften Produkte ein und ist aus dem Handel nicht mehr wegzudenken.

„In einer alternden Gesellschaft hat sich der Markt rund um das Thema Gesundheit und Wellness zu einem boomenden Wirtschaftszweig mit immer mehr Arbeitsplätzen entwickelt“, so Staatssekretärin Gurr-Hirsch. Gerade die Zielgruppe der älteren Kundschaft treffe ihre Kaufentscheidung vor allem nach Kriterien wie Qualität und Umwelt. Dies sei einer der Gründe für die guten Prognosen in diesem Wirtschaftszweig.

Während Baden-Württemberg vor allem bei mittelständischen Unternehmen an der bundesweiten Spitze liegt, rangiert das Land bei der Produktion der Rohware noch am Ende der Skala. Mit nur knapp 300 Hektar Produktionsfläche, meist in gartenbaulichen Betrieben, zeigen die baden-württembergischen Landwirte noch große Zurückhaltung bei ihrer Entscheidung für den Anbau der natürlichen Rohstoffe. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie reichen von der fehlenden technischen Ausrüstung, über mangelnde Spezialkenntnisse beim Umgang mit diesen Pflanzen bis hin zu wirtschaftlicher Unsicherheit. Zudem steht der Anbau im Wettbewerb mit dem Angebot von Rohware auf dem globalen Markt. Das birgt Risiken. Viele Länder der Welt sind in der Lage, wesentlich kostengünstiger zu produzieren, zudem spielen saisonale Schwankungen im weltweiten Handel keine Rolle mehr.

„Die Tagung soll einen Beitrag leisten, erkennbare Chancen für alle Beteiligten zu nutzen und bestehende Hemmnisse zu beseitigen. Von einem heimischen Anbau könnten alle Beteiligten nur profitieren“, betonte Friedlinde Gurr-Hirsch. (mlr.bw)

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