Hochschule Osnabrück: Förderpreises des Freundeskreises

Die Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) bildet die rechtliche Grundlage für die Rückführung der Fließgewässer in einen naturnahen Zustand. Problematisch ist häufig die Finanzierung der Renaturierungsprojekte.

Die Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) bildet die rechtliche Grundlage für die Rückführung der Fließgewässer in einen naturnahen Zustand. Problematisch ist häufig die Finanzierung der Renaturierungsprojekte. Nach dem kostenintensiven Gewässerausbau stellt die Gewässerunterhaltung eine finanzielle Langzeitbelastung dar. Es gilt also einerseits die Renaturierungsmaßnahmen kostengünstig, ökologisch sinnvoll und entsprechend den rechtlichen Vorgaben zu gestalten und anderseits auch einen langfristig zumutbaren Pflegeaufwand und damit eine dauerhaft kostengünstige Unterhaltung zu gewährleisten.

Ein Teil der Kosten kann durch Anrechnung renaturierter Bereiche als Kompensationsflächen, also Flächen, auf denen eine Biotopaufwertung stattfindet, aufgefangen werden. Die Steigerung des ökologischen Wertes dieser Fläche erhält einen monetären Wert in Form von Werteinheiten. Diese Werteinheiten können an Vorhabenträger veräußert werden, die mangels geeigneter Flächen nicht die Möglichkeit haben, eine Baumaßnahme auf ihren eigenen Flächen zu kompensieren.

Konkreter Gegenstand der Arbeit ist die naturnahe Umgestaltung von drei Gewässerabschnitten des Violenbachs in Melle. Hierfür waren die Aspekte Bestandsaufnahme, Zieldefinition, Möglichkeiten (mäandrierender Verlauf, Grundstücksfragen etc.) und Kosten des Gewässerausbaus und der Gewässerunterhaltung, die hydraulische Funktionstüchtigkeit und die Einbeziehung des Osnabrücker Kompensationsmodells (Landkreises Osnabrück) in Einklang zu bringen. Erfahrungen darüber, in welchem Umfang die Bewertung durch das Kompensationsmodell und die damit verbundene monetäre Bewertung den tatsächlichen Aufwendungen für einzelne Renaturierungsmaßnahmen entspricht, liegen nicht vor.

In Abstimmung mit dem Landkreis Osnabrück und dem Unterhaltungsverband Nr. 29 „Else“ hat sich die mit der Erstellung von Antragsunterlagen für das Plangenehmigungsverfahren „Umgestaltung des Violenbachs in Melle“ beauftragte HI-Nord Planungsgesellschaft bereit erklärt, das Projekt vorab im Rahmen dieser Abschlussarbeit bearbeiten zu lassen.

Die klassische ingenieurmäßige Planung und die Möglichkeiten einer Finanzierung durch Kompensationsmaßnahmen beeinflussen sich gegenseitig, so dass die Ergebnisse einzelner Bearbeitungsschritte immer wieder miteinander rückgekoppelt werden müssen, um letztlich zu einer tragfähigen Gesamtlösung zu kommen.

Im Ergebnis kann etwa ein Viertel der Herstellkosten durch die Anwendung des Kompensationsmodells bezuschusst werden. Dabei sind über das eigentliche Gewässer hinaus auch die Ufer- und angrenzenden Flächen zu berücksichtigen. Hier können artenreiche Wiesen, Wälder, Gebüsche oder Auen entstehen. Diese geben dem Gewässer Raum für dynamische Entwicklungen und generieren gleichzeitig Werteinheiten im Sinne des Kompensationsmodells. Der etwas erhöhte Planungsaufwand ist hinnehmbar. Die vorliegende Arbeit ist für die HI-Nord Planungsgesellschaft, den Landkreis Osnabrück und den Unterhaltungsverband Nr. 29 „Else“ ein wertvoller Baustein für die Planung der weiteren Entwicklung des Violenbachs.

Aufgrund der besonderen Leistungen, die bei der Anfertigung der Bachelorarbeit im Studiengang Ingenieurwesen im Landschaftsbau der Hochschule Osnabrück erbracht worden sind, wird an die Absolventin Christina Clausdeinken der Förderpreis im Fachgebiet Landschaftsarchitektur für herausragende Studienabschlussarbeiten vergeben. Der Förderpreis wird von der Absolventenvereinigung Freundeskreis Hochschule Osnabrück Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V. gestiftet. Voraussetzung für die Verleihung des Förderpreises ist ein guter Praxisbezug der Abschlussarbeit, eine überzeugende Problemlösung, ein neuartiger Gedankenansatz, ein außergewöhnlicher Aufwand sowie Klarheit in Aufbau und Sprache und eine sorgfältige Darstellung der Sachverhalte. Der Vorsitzende des Freundeskreises, Dipl.-Ing. (FH) Marc-Guido Megies, verlieh im Rahmen der akademischen Feier am 05.11.2015 Frau Clausdeinken den Förderpreis für herausragende Studienabschlussarbeiten, der aus einer Urkunde und einem Geldbetrag in Höhe von 500 Euro besteht. 

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