Düsseldorf: Brotpalmfarne setzen Zapfen an

Mehr als 250 Millionen Jahre alt und überaus selten: Unter anderem im Südafrikahaus im Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) wachsen mehrere Brotpalmfarne aus der Gruppe der Cycadeen.

Die leuchtendroten Samen sitzen, wenn die Zapfen aufgeplatzt sind - in Düsseldorf zuletzt 2015 -, an dessen Außenseite, während in der Mitte eine lange Spindel zurückbleibt. Bei den Samen ist Vorsicht geboten: Sie sind äußert giftig. Bild: HHU / Sabine Etges.

Diese haben nun beeindruckend große Zapfen ausgebildet, in denen später die Samen reifen werden: Wenn die Zapfen aufplatzen, wird sich ein farbenprächtiges Bild bieten.

Die Brotpalmfarne, botanisch Encephalartos natalensis, stammen ursprünglich aus Südafrika. Nach der Einrichtung des Botanischen Gartens in den 1970er Jahren wurden im Heimatland junge Pflanzen für das Kuppelgewächshaus gekauft. Mit Bau des Südafrikahauses vor 14 Jahren sind die südafrikanischen Brotpalmfarne dahin umgezogen, andere Palmfarne stehen weiter im Kuppelgewächshaus.

Dr. Sabine Etges, Wissenschaftliche Leiterin des Gartens: „Inzwischen wäre eine Anzucht aus südafrikanischen Wildsamen nicht mehr möglich, denn die Pflanzen stehen unter strengem Artenschutz: Sie sind auf der CITES-‚Rote Liste‘ der bedrohten Arten vermerkt.“

Die Stämme der sehr langsam wachsenden Pflanzen können bis zu 15 Meter hoch werden. Der Lebensraum dieser lebenden Fossilien – sie kamen schon im Erdzeitalter Perm vor 250 bis 300 Millionen Jahren vor – ist akut bedroht. Ebenfalls wurden viele der Pflanzen gefällt, um an ihr stärkehaltiges Mark zu kommen, und sie sind begehrte Objekte für Gärtner.

Sabine Etges: „Der Name Palmfarn ist irreführend, denn die Pflanzen gehören weder zu den Palmen noch zu den Farnen. Aber ihre Wuchsform und die gefiederten Blätter erwecken leicht den Eindruck einer solchen Verwandtschaft.“ Tatsächlich gehören sie zu einer eigenen Pflanzenklasse unter den Samenpflanzen, den Cycadopsida. Sie zählen neben den Koniferen und den Ginkgo-Gewächsen zu den sogenannten Nacktsamern.

Bei den Cycadeen befinden sich männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzen. So gibt es auch in Düsseldorf Brotpalmfarne beiderlei Geschlechtes. Die männlichen Pflanzen bilden in ihren Zapfen Pollen, die von Käfern und anderen Insekten zu den weiblichen Pflanzen getragen werden. Dort wächst ein Pollenschlauch zur Eizelle und entlässt Spermazellen mit Geißeln.

Die Zapfen haben jetzt ihren großen Auftritt: Seit März 2021 entwickelt eine weibliche Pflanze drei Zapfen, eine männliche fünf. Jeder dieser Zapfen ist mittlerweile gut einen halben Meter groß. Es kann über ein Jahr dauern, bis die Samen reif sind und die Zapfen aufbrechen. Dann ist ein weiteres beeindruckendes Schauspiel zu erwarten: Die rund fünf Zentimeter großen, leuchtend roten Samen sitzen dicht an dicht an der Außenhülle des Zapfens, während innen eine lange Spindel zurückbleibt.

„Die Zapfenbildung ist ein seltenes Ereignis: Da die Zapfen so groß sind, muss die Pflanze viel Energie aufwenden, um so viel Biomasse zu erzeugen. Das schafft sie nicht jedes Jahr. Zuletzt war dies in Düsseldorf 2014 der Fall, 2015 öffneten sich dann die Zapfen“, erinnert sich Dr. Etges.

Aber woher kommt nun der Begriff „Brot“ in den deutschen Pflanzennamen? Tatsächlich kann aus dem Mark im Inneren der Stämme und auch aus den Samen eine stärkehaltige Substanz gewonnen werden. Doch sie ist nur essbar, wenn diese auch ausreichend gekocht werden, sonst sind die Samen und andere Pflanzenbestandteile äußerst giftig.

Wer noch mehr über den faszinierenden Brotpalmfarn wissen möchte: Im Blog duesselbotanica, der regelmäßig über Highlights und Wissenswertes aus dem Botanischen Garten berichtet, erschien gerade ein Beitrag „Winterzeit ist Sommerzeit“ über das Südafrikahaus. (HHU)

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