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Saatguternte im Wald
Waldbesucher im Raum Lauterbach-Sickendorf konnten Anfang November miterleben, wie Winterlindensaatgut in einem großen Privatwald geerntet wurde. Unter der Aufsicht eines Forstbeamten des Forstamts Romrod erntete dort eine Wertheimer Forstsaatgutfirma insgesamt 221 kg Saatgut von Winterlinden. „Dies verlangt angesichts der hohen und standfesten Baumstämme einigen Aufwand“, erläutert Jörn Minkoley, Saatgut-Fachmann der Oberen Forstbehörde des Gießener Regierungspräsidiums. In Sickendorf wurde die Saat mit einem Unimog mit Exzenter und Drahtseil von den Bäumen geschüttelt und in Netzen aufgefangen, danach grob gereinigt und in Säcke abgefüllt, erläutert er. In einer Baumschule werden dann daraus junge Winterlinden – eine der bei uns heimischen 27 forstlichen Hauptbaumarten - angezogen.
Die Saatguternte fiel in diesem Jahr recht mager aus, wie es weiter aus dem RP heißt. Für die zukünftigen Waldbestände spielt sie aber eine wichtige Rolle. „Im Gegensatz zum Landwirt legt sich der Waldbauer mit dem Saat- und Pflanzgut für 100 bis 200 Jahre fest“, so Minkoley. Demzufolge sei das Saatgut strengen Qualitätsanforderungen unterworfen, werde eingehend geprüft und sei entsprechend wertvoll – 1 kg Winterlindensaatgut sei über 200 € wert. Nur ein von der Landesstelle (RP Gießen) anerkannter Saatgutbestand dürfe beerntet werden, und für den Abtransport vom Ernteort in den Forstsaatgutbetrieb müsse ein sog. „Stammzertifikat“ erstellt werden. Bei der oben genannten Ernte in der Revierförsterei Sickendorf stellte das Forstamt Romrod auf dem Stammzertifikat Menge und Reinheitsgrad des Saatgutes fest und bescheinigt die ordnungsgemäße Durchführung.
„Dafür den richtigen Erntezeitpunkt festzulegen, verlangt viel Erfahrung“, ergänzt der Forstfachmann, „liegt er zu früh, fallen die noch nicht reifen Fruchtstände schlecht oder gar nicht. Kommt man zu spät, liegt ein großer Teil der Samen schon auf dem Boden“. Bucheckern und Eicheln ließen sich dagegen unproblematisch sammeln, was nach wie vor vielerorts von Schulklassen als „praktizierter Bio-Unterricht“ besorgt werde. Schwieriger sei dagegen etwa die Zapfenernte bei Douglasien und Tannen: Gängiges Verfahren sei heutzutage die Seilklettertechnik, ein nicht ganz ungefährlicher Job, den nur speziell ausgebildete Zapfenpflücker durchführen dürften. (rpg)

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