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Obst und Gemüse: Erntesituation 2011
Für die Obst- und Gemüseanbauer sowie den gesamten Sonderkulturenbereich war das Jahr 2011 wieder durch starke Wetterextreme gekennzeichnet. Einem milden und bereits trockenen Januar und Februar folgten mit März, April und Mai viel zu trockene Monate, die auch deutlich wärmer waren als im Durchschnitt. Die Vegetation im ersten Halbjahr ist 10 bis 14 Tage vor dem langjährigen Mitteldurchschnitt.
Die lang anhaltende Trockenheit hatte zur Folge, dass sich die Kosten für die Bewässerung der Kulturen stark erhöht haben. Demgegenüber waren bisher in diesem Jahr die Ausfälle durch Hagel – auf das Bundesgebiet bezogen – geringer. Gleichwohl haben Hagelereignisse und Frost regional zu großen Ausfällen und damit auch zu wirtschaftlichen Schäden geführt. Nach der unterdurchschnittlichen Obsternte im Jahr 2010 fällt in diesem Jahr die Ernte auch nur durchschnittlich aus. Bei der wichtigsten Kultur, dem Apfel, haben Frost, Hagel, Trockenstress und Junifall dazu geführt, dass die Apfelernte kaum höher liegen wird als letztes Jahr. Aufgrund der Witterung im Juli und August geht die Fruchtgrößenentwicklung beim Apfel weiter und die Erntezeiten nach Sorten dürften rund zwei Wochen früher liegen. In Deutschland wächst nach derzeitiger Kenntnis eine Apfelernte von rund 896.000 Tonnen heran (im Vorjahr 835.000 Tonnen). Das bedeutet eine Steigerung um 7%.
Die Europäische Apfelernte wird nach den Ergebnissen des Prognosfruit-Kongresses vom 5. August 2011 auf insgesamt 10.195.000 Tonnen geschätzt. Gegenüber dem Vorjahr mit 9.697.000 Tonnen bedeutet das auf europäischer Ebene ein Plus von 5%.
Bei Birnen wird in Deutschland eine Erntemenge von etwa 40.000 Tonnen erwartet. Gegenüber dem Vorjahr mit 39.000 Tonnen bedeutet das ein Plus von 3%. In der Europäischen Union werden mit insgesamt 2.533.000 Tonnen Birnen 12% mehr erwartet als im Vorjahr mit 2.264.000 Tonnen.
Die Süßkirschenernte in Deutschland fällt ebenfalls nur leicht höher aus als im letzten Jahr und dürfte bei knapp 33.000 Tonnen liegen.
Bei Sauerkirschen wird die diesjährige Erntemenge voraussichtlich bei rund 20.000 Tonnen liegen und damit wiederum nur das mengenmäßig schlechte Ergebnis des Vorjahres erreichen. Fröste und weitere Rodungen haben zu der geringen Erntemenge beigetragen. In diesem Jahr ist aufgrund der kleinen Ernte eine Vermarktung zu akzeptablen Preisen möglich gewesen. Dennoch bleibt die Sauerkirsche weiterhin eine Problemkultur.
Die Pflaumen- und Zwetschgenernte wird nach nur rund 49.000 Tonnen im Vorjahr wieder deutlich höher ausfallen und zwischen 60.000 und 70.000 Tonnen liegen. Nach der mengenbedingt guten Vermarktungssaison 2010 sind die Marktaussichten für dieses Jahr leicht schlechter zu beurteilen.
Die diesjährige Erdbeerernte lag bei etwa 160.000 Tonnen (157.000 Tonnen im Vorjahr). Dabei hat die Ernte aufgrund der warmen Witterung deutlich früher begonnen. Ein gleichmäßiger Saisonverlauf hat zu einer guten Marktverteilung und einer ausgeglichenen Versorgungslage über die gesamte Saison geführt.
Beim Beerenobst – Himbeeren, Johannisbeeren und Heidelbeeren – sind die Erntemengen unterschiedlich zu beurteilen. Insgesamt werden die roten Johannisbeeren leicht über dem Vorjahr und die schwarzen Johannisbeeren unter dem Vorjahr liegen und insgesamt damit bei rund 12.000 Tonnen gegenüber 11.900 Tonnen im letzten Jahr. Bei Himbeeren ist wie 2010 Jahr von rund 5.000 Tonnen auszugehen, bei Heidelbeeren von 9.000 Tonnen (2010: 8.300 Tonnen).
Der Gemüsemarkt 2011 ist gekennzeichnet durch die größte Katastrophe seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl. Die EHEC-Krise hatte über vier Wochen den Gemüsemarkt fest im Griff. Die Nachwirkungen sind noch heute zu spüren. In der Zeit vom 26. Mai bis 10. Juni 2011 ist der Verkauf von Tomaten, Gurken und Blattsalaten aufgrund der amtlichen Verzehrwarnung fast vollständig zum Erliegen gekommen. Insgesamt war vermutlich die Hälfte des Gemüsemarktes in diesem Zeitraum betroffen. Die Schäden für die Gemüseanbauer liegen bei rund 75 Mio. Euro. Es ist von einer nicht-vermarktbaren Menge von rund 100.000 Tonnen auszugehen. Nach jetziger Einschätzung hat sich die Gemüseanbaufläche im Vergleich zum Vorjahr nur wenig verändert.
Die Erntesaison 2011 begann bei fast allen Kulturen im ersten Halbjahr deutlich früher als im langjährigen Durchschnitt und sorgte für einen guten Start. Allerdings waren bereits im Frühjahr die Bewässerungskosten extrem hoch. Die meisten Preise lagen dabei auf dem Vorjahresniveau. Und alles deutete auf eine normale Gemüsesaison bis zum Ausbruch der EHEC- Krise.
Die Spargelernte 2011 wird knapp unter 100.000 Tonnen betragen und liegt damit etwa auf dem Niveau von 2009. Durch den früheren Beginn der Spargelsaison und die Möglichkeit der Erntesteuerung über Folie war die Spargelsaison 2011 mit Enddatum 24. Juni in diesem Jahr etwas länger als sonst. Bei durchschnittlichen Preisen und kontinuierlicher Marktbeschickung ist die Spargelsaison als gut zu bezeichnen.
Die Anbauflächen von Zwiebeln wurden im Vergleich zum Vorjahr weiter ausgedehnt und liegen bei rund 9.500 Hektar gegenüber rund 9.000 Hektar im Vorjahr. Die Erntemenge bei Zwiebeln wird aufgrund der ausgedehnten Flächen höher ausfallen als im Vorjahr. Die Erntemenge wird somit die 400.000 Tonnen-Grenze übersteigen. Anfang August standen die Bestände auf den Feldern gut. Die regenreiche Witterung schränkt die Erntemöglichkeiten aber ein.
Bei Möhren werden voraussichtlich rund 500.000 Tonnen eingefahren.
Die EHEC-Krise hat gerade im Salatanbau die nachhaltigsten Spuren hinterlassen. Zwar war der Saisonstart vielversprechend, doch nach der Krise hat sich der Salatmarkt bis heute noch nicht erholt.
Im Unterglasanbau haben sich die Preise für Salatgurken und Tomaten nach der EHEC- Krise langsam gefestigt, aber der Vermarktungseinbruch über vier bis sechs Wochen ist in der Saison nicht aufzuholen. (BOG)

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