LVG: 22. Thüringer Obstbautag

22. Thüringer Obstbautag an der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt Am 14. Februar 2013 trafen sich rund 140 Fachexpert en aus dem gesamten Bundesgebiet zum Thüringer Obstbautag in der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau (LVG) in Erfurt.

22. Thüringer Obstbautag an der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt Am 14. Februar 2013 trafen sich rund 140 Fachexperten aus dem gesamten Bundesgebiet zum Thüringer Obstbautag in der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau (LVG) in Erfurt. Im Mittelpunkt stand die Diskussion um eine effi- ziente Produktion, die den Anforderungen des Marktes gerecht wird. Es wur- den Fragen zu Sorten und Schnittsystemen, technische Verfahren zur Risikominimierung sowie die Unterlagenproblematik, das Pflanzenschutzma- nagement und Bewässerungsmethoden erörtert. Ebenso wurden tendenzielle Klimaveränderungen dargestellt.

Frau Elke Mohnhaupt, Leiterin der LVG, eröffnete die Veranstaltung mit einem Rückblick auf das Obstjahr 2012 und seinen Herausforderungen.

Über die vielfältigen Aktivitäten der Bundesfachgruppe Obst berichtete der Geschäftsführer Jörg Disselborg. So engagiert sich der Berufsstand auf EU-Ebene zu Fragen der Gemeinsamen Agrarpolitik und der Marktordnung. Im Hinblick auf die Zulassungssituation steht er in Gesprächen mit dem Um- weltbundesamt um Zulassungslücken zu schließen. Weiterhin setzt sich die Fachgruppe aktiv bei Fragen zum Fachkräftemangel, der gesetzlichen Lohn- untergrenze oder der Versicherungssteuer bei Mehrgefahrenversicherungen ein.

Dr. Hardy Dembny, Geschäftsführer der Baumschule Oberdorla GmbH, stellte das Unternehmen der TUPAG-Gruppe vor. Mit einem breiten Sortenspektrum bei Gehölzen im Container und der Invitro-Vermehrungstechnologie bietet die Baumschule Dienstleistungen und Produkte für Obstproduzenten, den Forst- aber auch den Klein- und Hobbygartenbereich an. So hält die Baumschule ein Klondepot mit über 200 Klonen vor und vermehrt insbesondere schwachwachsende Kirschunterlagen für die weltweite Produktion.

Aktuelle Versuchsergebnisse aus dem Birnenanbau stellte Dr. Franz Rueß von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg vor. Aus dem breiten Sortenangebot empfahl er insbesondere die Sorten 'Harrow Delight' für die frühe Vermarktung und 'Xenia' ( 'Novembra‘ ) für den Vermarktungszeitraum November mit einer Lagerfähigkeit bis Ende Mai. Des Weiteren erläuterte er verschiedene Erziehungssysteme.

Björn Kirchner (Absatzgenossenschaft „Fahner Obst“ e.G., Gierstädt) stellte den internationalen Markt für Süßkirschen vor. Er ermutigte dazu, den Anbau zu erweitern, da einerseits der Selbstversorgungsgrad deutschland- weit zwar bei ca. 50% liegt, im LEH aber nur bei 20%. Wenn eine stabile Marktversorgung über die gesamte Saison in entsprechenden Qualitäten von deutschen Anbauern gewährleistet wird, kann Importware verdrängt werden.

Martin Schmidt vom Deutschen Wetterdienst belegte in seinem Vortrag zur Klimaentwicklung in Mitteldeutschland , dass sich die Vegetationsperiode in den letzten 50 Jahren in Thüringen um etwa 20 Tage verlängert hat. Der Beginn der Vegetationsperiode setzt früher ein. Es ist zu erwarten, dass Gewitter und Starkregen häufiger eintreten, die Sommer trockener werden und die Niederschläge in den Herbst und Wintermonaten zunehmen.

Über betriebswirtschaftliche Untersuchungen zur Süßkirschenüberdachung referierte Christiane Schmidt-Rose (ehem. LVG). Deutlich zeigte sich, dass die Sorte 'Kordia' gegenüber 'Burlat' unter Überdachung bessere Ergebnisse in Thüringen erzielte. Positive Effekte der Überdachung ergeben sich betriebswirtschaftlich durch höhere Qualitäten und höheren Preisen über die gesamte Ernteperiode sowie einer höheren Ernteleistung je Arbeitsstunde. Auch zukünftig sollten Versuche unter betriebswirtschaftlichen Aspekten ausgewertet werden, damit die ökonomischen Auswirkungen von Verfahrensentscheidungen beurteilt werden können.

Monika Möhler (LVG) stellte Versuchsergebnisse der zehnjährigen Unter- lagenprüfungen bei Süßkirsche, der Sauerkirschunterlagenprüfung sowie der Bewässerungs- und Abdeckversuche bei Süßkirsche vor. So hat sich gezeigt, dass Gisela-Unterlagen eine regelmäßige Ertragsfähigkeit bei Kirschen besser garantieren. Die Bewässerungsversuche ergaben höhere Erträge insbesondere beim Dammverfahren gegenüber Tensiometersteuerung oder täglicher Wassergabe. Im Vollertragsstadium gestaltete sich die Zusatzbewässerung mit 2 größeren Wassergaben je Woche als günstigste Variante. Ein positiver Einfluss der Dammpflanzung konnte auf die außergewöhnliche Fruchtgrößenverteilung nachgewiesen werden. Bei Sauerkirschen wurden die höchsten Anfangserträge des 3.-5. Standjahres bei der Sorten– Unterlagen-Kombination 'Ungarische Traubige' mit Gisela 5 gemessen.

Das Management zur Rückstandsminimierung durch Umsetzung der Prinzipien des Integrierten Obstbaus stellte Eveline Maring von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Referat Pflanzenschutz vor. Als ein Schwerpunkt zur Rückstandsminimierung wurde eine lückenlose Bestandesüberwachung und die Einhaltung von Bekämpfungsrichtwerten hervorgehoben. Gleichzeitig unterstrich die Referentin die Bedeutung der mechanischen, biologischen und biotechnischen Bekämpfungsverfahren. Abschließend berichtete Axel Swoboda (Fachgruppe Obstbau des Landes- verbandes Gartenbau Thüringen e.V.) von der Arbeit der Fachgruppe Obstbau in Thüringen. Er stellte klar, dass das Agrarinvestitionsförderungsprogramm für die Betriebe lebenswichtig ist, weil damit Investitionen wie beispielsweise Neuanpflanzungen von Obstanlagen oder der Bau von Überdachungssystemen erst möglich werden. Bezug nehmend auf den Bericht der Expertenkommission zur Struktur- und Gebietsreform in Thüringen kündigte Axel Swoboda eine Stellungnahme des Berufsstandes an, um die bundesweite Bedeutung der LVG und deren Beitrag als Lehr- und Versuchsstandort deutlich zu machen. (LVG)

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