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Im Interview: Markus Kobelt
Herr Kobelt, wie sind Sie zu dieser Idee gekommen?
Lubera lebt ja vom Pflanzenverkauf und nicht vom Pflanzenverschenken...Das ist richtig, und daran erinnert mich mein Buchhalter auch sehr gerne ;-). Ich habe in den letzten 2 Jahren vor allem in der Schweiz gesehen, dass die Pflanzenphobie, ja der Pflanzenhass gegen sogenannte Neophyten, also neue oder einwandernde Pflanzen zunimmt. Pflanzen, die jetzt in böse Pflanzen und gute Pflanzen unterteilt werden, sind plötzlich zu einem Risiko geworden, das amtlich bewirtschaftet werden muss. Es gibt sogar Gemeinden und parastaatliche Organisationen, die gerodete Neophyten an sogenannten Umtauschaktionen gratis gegen die "guten" einheimischen Pflanzen tauschen und dann entsorgen. In der Schweiz gibt es ein Gesetzesprojekt, Pflanzen zu verbieten und dann sozusagen von Staates wegen auszurotten. Wir brauchen aber neben den vielen bewährten einheimischen Pflanzen auch neue Pflanzen, die sich bei uns angewöhnen, vor allem weil sich ja die Umweltbedingungen menschengemacht rasant ändern. Auf der anderen Seite sehen wir aber auch vermehrt sogenannte Pflanzentauschbörsen, an denen private Gärtnerinnen und Gärtner Pflanzen bringen und gegen andere Pflanzen von anderen Gärtnern tauschen. Diese Pflanzentauschbörsen sind nicht kommerziell, sie sind ein ursprünglicher Ausdruck der Pflanzenliebe und des Engagements von Hobbygärtnern. Das Ziel hier ist mehr Vielfalt in den Gärten, im eigenen Garten, mehr Diversität, ungeachtet der Herkunft der Pflanzen. Das möchten wir unterstützen, Diversität liegt uns in unserem Sortiment, vor allem aber auch in der Züchtungsarbeit am Herzen. Lubera hat in den letzten 25 Jahren weit über 100 neue Pflanzen gezüchtet, jedes Jahr kommen 10-15 Neuheiten dazu.
Was möchten Sie mit dieser Aktion erreichen?
Mehr Diversität, mehr Achtung, mehr Respekt vor Pflanzen, die auch Lebewesen sind. Pflanzen sind keine Nebensächlichkeiten, fast auf einer Stufe mit der unbelebten Materie. Sie sind die Grundlage unseres Lebens, sie produzieren die Luft, die wir atmen. Neue Forschungen zeigen, dass die Pflanzen auch über Intelligenz verfügen, aufgrund komplexer Informationen Entscheidungen fällen und ein Gedächtnis haben.
Pflanzen sind Lebewesen.Möchten Sie jetzt die Pflanzen auf eine Stufe mit Tieren und Menschen heben?
Das Stufendenken selber ist wahrscheinlich falsch. Wir können aber als Menschen nicht aus unserer Haut, wir sehen uns nun mal im Zentrum und als Krone der Schöpfung. Damit habe ich auch gar kein Problem. Ich plädiere für einen robusten Umgang mit Pflanzen, es ist – nach menschlichen Kriterien durchaus erlaubt, pflanzen zu jäten und damit auch zu "töten". Wen wir sie aber als Gattung, Sorte oder Art verfolgen und ausrotten wollen, überschreiten wir eine ethische Grenze, die wir als Lebewesen unter Lebewesen nicht überschreiten sollten.
Warum ist Diversität so wichtig?
Diversität ist in der Natur ein Wert an und für sich, letztlich eine Basis des Lebens. Diversität, mehr Arten, mehr Sorten, mehr Varianten bedeuten mehr Chancen fürs Überleben – für alle Lebewesen. Das Verfolgen von erfolgreichen einwandernden Pflanzen (nichts anderes ist das Gerede von den sogenannten invasiven Neophyten) gefährdet die Diversität, für die wir unbedingt auch frisches Blut, einwandernde und neue Pflanzen brauchen. Neophyten gefährden in kleinster Weise die Diversität, sondern besetzen die Zivilisationsnischen und Wüsten, die der Mensch hinterlässt. Eine Pflanze ist in jedem Fall besser als keine Pflanze ;-).
Was bedeutet Diversität im Garten?
Das ist letztlich der wichtigste Punkt. Da ist ja genau der Ort, wo wir konkret handeln, wo wir selber die Diversität beeinflussen, wo wir unsere Umwelt konkret und individuell gestalten Wir Gärtnerinnen, wir Pflanzenfreunde delegieren die Diversität nicht an den Gesetzgeber oder an Umweltingenieurbüros, sondern wir leisten Tag für Tag einen Beitrag dafür bei uns zu Hause, im Garten, im Schrebergarten, auf Balkon und Terrasse. Diversität wirkt sich im Garten auch ganz konkret positiv aus: Meine Frau und ich haben in unserem Garten vor über 20 Jahren mit einem fast reinen Rosengarten, mit 150 Rosen begonnen. Heute haben wir vielleicht noch 20 Rosen und eine riesige Pflanzenvielfalt in den gemischten Beeten. Das hat nicht nur die saisonale Vielfalt für uns Menschen und die Tiere und Insekten erhöht, sondern auch ganz konkret die Pflanzenresistenz verbessert: So sind unsere verbliebenen Rosen viel gesünder als früher, wir kommen ohne Pflanzenschutz aus; als Nadel im Heuhaufen – so kann man es sich vielleicht erklären – werden sie von Schädlingen und Pilzen nicht mehr so einfach gefunden und sind weniger anfällig.
Wer kann sich für das Pflanzensponsoring bewerben?
Jede Person oder Organisation, die ein solcher Pflanzentausch organisiert hat oder neu organisieren will.
Was geschieht dann mit den gesponserten Pflanzen?
An den Pflanzentauschbörsen bringen ja die Teilnehmer ebenfalls Pflanzen mit, die sie dann tauschen… Das überlassen wir den Veranstaltern, da möchten wir ihnen nicht dreinreden, sie kennen ihre Region, sie kennen die Besucher.
Gibt es bestimmte Bedingungen, die mit dem Sponsoring verbunden sind?
Nein eigentlich nicht, wir wollen das einfach und informell halten. Wir bitten die Veranstalter allerdings, uns nach der Veranstaltung ein kurzes Feedback und auch einige Bilder zukommen zu lassen. Und klar: Wir unterstützen keine Veranstaltungen, die der Vernichtung von ausländischen Pflanzen oder dem "Umtausch" von Neophyten gewidmet sind. Wir selber werden bei der Pflanzenzusammenstellung auf möglichst große Vielfalt schauen; ob die Pflanzen einheimisch sind oder nicht, ist uns egal.
Wie läuft das Pflanzensponsoring ab?
Wenn wir das Sponsoring zusagen, nehmen wir die Veranstaltung in unseren Kalender auf, der auf Lubera.com veröffentlicht wird und nächstes Jahr auch laufend im Newsletter veröffentlicht wird. Der Veranstalter erhält ca. 1 Woche vor dem Termin eine Palette mit Pflanzen aus unserer eigenen Produktion, also Obst/Beeren, Rosen, Blütensträucher, evtl.. auch Gemüse; dazu 50-100 Exemplare der Pflegeproschüre "Lubera hilft" und ebenso viele 10% Einkaufsgutscheine für Lubera.com. Ein bisschen Werbung sei uns erlaubt ;-). Gerne werden wir auch Fotos von den durchgeführten Veranstaltungen veröffentlichen.
Wie viele solche Anmeldungen erwarten Sie?
Gleich bei der ersten Newslettermeldung haben wir schon sehr viel positives Feedback erhalten. Wir werden die Aktion im Winter und Frühling 21/22 weiterpropagieren, und unser Ziel ist es 30-50 solche Pflanzentauschaktionen zu finden und zu fördern. Aber wir nehmen gerne auch 100.
Hand aufs Herz, Sie haben ja sicher auch ein geschäftliches Ziel, was bezwecken Sie als Lubera mit der Aktion?
Wie gesagt, mehr Diversität: Das ist eine Herzensangelegenheit von uns, auch von mir ganz persönlich. Dann – und das war ja der Anlass der ganzen Idee – möchten wir den unsäglichen Pflanzenvernichtungs- und Umtauschaktionen etwas den Wind aus den Segeln nehmen (die gibt es vor allem in CH). Und dann sind wir felsenfest davon überzeugt: Wer eine Pflanzentauchbörse organisiert, wer sie besucht, wer Pflanzen mitbringt, der liebt auch Pflanzen und der wird immer auch Pflanzen kaufen. Gerne von uns ;-).
Vielen Dank!

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