Haage: 325-jährigen Bestehen

Sie verkaufen nicht nur Raritäten, sie sind auch selbst eine: Kakteen-Haage in Erfurt ist ein erfolgreiches Familienunternehmen und eines der wenigen mit einer jahrhundertealten Geschichte. Das Jubiläum zum 325-jährigen Bestehen feierte die Familie Haage am Freitag, 7. Mai, mit zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden.

Sie verkaufen nicht nur Raritäten, sie sind auch selbst eine: Kakteen-Haage in Erfurt ist ein erfolgreiches Familienunternehmen und eines der wenigen mit einer jahrhundertealten Geschichte. Das Jubiläum zum 325-jährigen Bestehen feierte die Familie Haage am Freitag, 7. Mai, mit zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden.

Darunter auch Thüringens Finanzministerin Marion Walsmann, die in ihrer Rede den Freunden und Gästen der Familie Haage aus der Seele sprach: Voller Stolz und Zuversicht schaue sie auf die alte Thüringer Familientradition und wünsche sich viele weitere Erfolgskapitel. Die Familie Haage habe das Prinzip des „ehrbaren Kaufmanns“ auch nach so langer Zeit nicht über Bord geworfen. Darum möge sie auch in Zukunft ihren Weg weitergehen, „so sympathisch und genial wie in den vergangenen Jahrhunderten."

Auch Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein würdigte die besonderen Leistungen des 1685 gegründeten und seit 1822 als Kakteenspezialgärtnerei etablierten Familienbetriebs: Als Oberbürgermeister der Blumenstadt Erfurt sei er besonders stolz darauf, dass die älteste Gärtnerei Deutschlands hier zu Hause sei.

Dr. Siegfried Scholz, Generalsekretär des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), überbrachte Grüße des ZVG-Präsidenten Heinz Herker und bekundete seinen großen Respekt vor der Familie Haage und ihrem Betrieb, der die Höhen und Tiefen seiner Zeit – inklusive diverser Finanzkrisen – überstanden habe. Den Grund hierfür sieht er vor allem in dem ausgezeichneten Fachwissen des Haage-Teams „nicht nur bezüglich der Pflege und Kultur, sondern auch im Hinblick auf die Verwendung und Wirkung der Pflanzen“. Er dankte Ulrich Haage für sein Engagement im Verband und kam zusammenfassend zu dem Schluss: „Die Gärtnerei Haage ist ein besonderer Edelstein in Erfurt.“

„Kakteen-Haage ist kein Exot unter den Gärtnern, sondern ein Erfolgsmodell. Dass es sich hierbei um eine Einzelhandelsgärtnerei handelt, erfüllt mich mit besonderem Stolz“, bewertete Jürgen Herrmannsdörfer, Vorsitzende des Bundesverbandes Einzelhandelsgärtner (BVE), die wohl einmalige gärtnerische Tradition, auf die der Spezialbetrieb für Kakteen und Sukkulenten im Jahr 2010 zurückblicken kann.

Karl Zwermann, Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 (DGG) und Schirmherr der Jubiläums-Veranstaltung, teilte diese Ansicht: Mit Blick auf die Tradition, aber auch auf den Innovationsgeist der Familie Haage habe er keinerlei Sorge, was die Zukunft des Betriebs anginge. Sehr emotional beschrieb er zudem die enge Beziehung zwischen Menschen und Pflanzen und verwies auf die damit einhergehende besondere Bedeutung des Gärtnerberufs: „Wir Gärtner sind berufen, wir dürfen Verantwortung nicht nur für Pflanzen, sondern müssen sie auch für unsere Mitmenschen übernehmen.“

Ganz im Sinne Zwermanns stellte Ulrich Haage die neu gegründete Stiftung „Netzwerk Pflanzensammlung“ vor. Ihre Aufgabe soll es sein, wertvolle Sammlungen vor dem Verfall zu retten. „Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens ganze Sammlungen von Kostbarkeiten zusammengetragen. Wenn sie sich im Alter jedoch nicht mehr darum kümmern können, gehen viele Schätze unwiederbringlich verloren. Das möchten wir ändern“, erklärte Ulrich Haage den Stiftungsgedanken – und erhielt prompt noch am selben Tag die erste Einlage. „Der Stifter hat sie von einem Bausparbuch aus Studentenzeiten abgeknapst“, zeigte sich Haage gerührt.

Respekt zollten die Festredner sowohl dem unternehmerischen als auch dem ehrenamtlichen Engagement, das die Familie Haage über die Jahrhunderte prägte. So verwies etwa Martin Gross-Albenhausen, Herausgeber „Der Versandhausberater“, nicht nur auf die geschichtlichen Wirren, die der Betrieb zu überstehen hatte, sondern auch auf die stetige Bereitschaft für Innovationen: Als Friedrich Adolph Haage 1824 den ersten Katalog herausbrachte, war noch nicht einmal die Briefmarke erfunden und der Postbote kassierte an der Haustür, was den Kunden der Katalog wert war. Eben jener Haage müsse wohl auch in Sachen Ehrenamt das Vorbild des heutigen Betriebsinhabers sein, lobte Christoph Seever, Vizepräsident des Landesverbandes Gartenbau Thüringen.

Nach den Festvorträgen ließen sich Freunde und Gäste den eigens für das Jubiläum kreierten Kakteen-Cocktail und andere exotische Kakteenspezialitäten schmecken und entdeckten auf einer Führung durch die Gärtnerei allerhand Staunenswertes. Immerhin wachsen in den Gewächshäusern rund zwei Millionen Pflanzen in etwa 3.500 Arten und 2.000 Sorten heran – vom kleinen Sämling bis zum ausgewachsenen 4-Meter-Solitär.

Damit haben die 14 Kakteengärtner des Betriebes rund ums Jahr ordentlich zu tun. Von den Pflanzen schicken die Haages rund 70 Prozent auf Reisen in die ganze Welt, während 30 Prozent direkt über den Ladentisch gehen. Darunter sind auch etliche Exemplare, die auf der Roten Liste stehen: Als zertifizierter CITES-Betrieb darf Kakteen-Haage vom Aussterben bedrohte Arten vermehren. Um das alles bewältigen zu können, muss jeder einzelne aus dem Team über umfassendes Fachwissen verfügen. Vom Azubi bis zum Diplom-Ingenieur sind alle Mitarbeiter auf ihrem Gebiet Spezialisten. Natürlich einschließlich des Chefs, von dem sich die Kakteen-Fans auf ihrem Rundgang wertvolle Tipps holen konnten – etwa wie man einen Kaktus anfasst, ohne danach selbst wie einer auszusehen. Auch Liebhaber seltener Pflanzen kamen auf ihre Kosten und so mancher fasste gleich ein neues Exemplar für seine Sammlung ins Auge. Mit großem Interesse verfolgten die Gäste auch die Eröffnung der Ausstellung „325 Jahre Haage – Gärtner in Erfurt“. Neben Einblicken in die Familiengeschichte und aktuellen Entwicklungen hält sie auch unterhaltsame Anekdoten bereit, etwa über das berühmt berüchtigte „Kakteenessen“, das jeden Sommer in den Haageschen Gewächshäusern stattfindet. Auch deswegen bekamen die Haages an diesem Tag eines immer wieder zu hören: Macht weiter so! (LVTH)

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