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Fungizidresistenzen: Reaktionsmöglichkeiten für die Praxis
Im Apfelanbau nimmt die Bekämpfung des Apfelschorfs eine zentrale Rolle ein, da schon ein geringer Befall zu bedeutenden wirtschaftlichen Einbussen führen kann. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, müssen alle vorhandenen Möglichkeiten optimal genutzt werden.
Im Laufe der Jahre hat man in der Schorfbekämpfung unterschiedliche Strategien angewendet. So wurden zu Beginn vor allem protektive Wirkstoffe wöchentlich "vorbeugend" eingesetzt, ab Mitte der Siebzigerjahre kamen die kurativen Schorffungizide dazu. Mit letzteren war eine gezielte Bekämpfung des Apfelschorfs mit Hilfe von Prognosemodellen möglich. Ein Nachteil dieser Wirkstoffe ist jedoch die große Anfälligkeit für Resistenzbildung. Bereits ab Mitte der Achtzigerjahre wurden die ersten Wirkungsverluste festgestellt. Agroscope entwickelte deshalb eine Bekämpfungsstrategie, welche die Wirksamkeit der kurativen Wirkstoffgruppen möglichst lange erhalten soll.
Strobilurin-Resistenz schweizweit verbreitet
In einem langjährigen Versuch mit dieser Bekämpfungsstrategie konnte eine Resistenz des Apfelschorfs gegenüber Strobilurin-Fungiziden festgestellt werden. Deshalb hat man im Rahmen einer Masterarbeit in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich ein Monitoring durchgeführt, um die Verbreitung dieser Resistenz im Schweizer Apfelanbau zu erfassen. In verschiedenen Parzellen wurden Proben genommen und im Labor auf das Vorkommen der für die Resistenz verantwortlichen Genmutation analysiert. An rund der Hälfte der Standorte konnten die Fachleute bestätigen, dass die vorhandene Schorfpopulation zu 60-100% die Mutation in sich trug. Obwohl bisher in der Praxis keine Wirkungsverluste der empfohlenen Strategie dokumentiert worden waren, warfen diese Erkenntnisse Fragen über Wirksamkeit und weitere Anwendung dieser für den Apfelanbau wichtigen Wirkstoffgruppe auf.
Tankmischungen bringen Vorteile
2013 wurde deshalb in einer Parzelle mit nachgewiesener Resistenz in der vorhandenen Schorfpopulation ein Wirksamkeitsversuch durchgeführt. Interessant ist, dass die Tankmischung von Strobilurin und Captan gegenüber den beiden Einzelwirkstoffen einen eindeutigen Wirkungsvorteil zeigte – dies, obwohl eine Strobilurin-Resistenz in der Parzelle nachgewiesen wurde, welche sich auch in der ungenügenden Wirkung der Strobilurin-Einzelanwendung widerspiegelt.
Anpassung in Pflanzenschutzstrategien und Bewilligungsänderungen
Aufgrund der Untersuchungsergebnisse empfiehlt Agroscope nun gegen Apfelschorf keine kurativen Anwendungen mehr mit Fungiziden aus der Gruppe der Strobilurine. Auch die Einschränkung der Anwendungshäufigkeit in den Bewilligungen wurde überarbeitet: Es dürfen nur noch maximal zwei Behandlungen in Folge durchgeführt werden. Der Einsatz von Strobilurinen kann aber nach wie vor sinnvoll sein, wenn gleichzeitig mit dem Apfelschorf der Echte Mehltau bekämpft werden soll. Mit der Entwicklung von wissenschaftlich abgestützten Strategien im Pflanzenschutz leistet Agroscope einen wesentlichen Beitrag zu einem ökologischen und ökonomisch erfolgreichen Obstanbau in der Schweiz. (ACW)

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