Erntesituation bei Obst und Gemüse

Für die Obst- und Gemüsebauern sowie den gesamten Sonderkulturenbereich war das Jahr 2010 wieder durch starke Wetterextreme gekennzeichnet.

Für die Obst- und Gemüsebauern sowie den gesamten Sonderkulturenbereich war das Jahr 2010 wieder durch starke Wetterextreme gekennzeichnet. Einem zu kalten und nassen Frühjahr mit einem verzögerten Wachstum folgte ein zu heißer und zu trockener Juli, teilte der Deutsche Bauernverband (DBV) in seinem Erntebericht mit. Dies hatte zur Folge, dass sich die Kosten für die Bewässerung der Kulturen stark erhöht haben und zum Teil auch Kulturen durch extreme Hitze geschädigt wurden. Demgegenüber waren bisher in diesem Jahr die Ausfälle durch Hagel – auf das Bundesgebiet bezogen – geringer. Gleichwohl haben Hagelereignisse regional zu großen Ausfällen und damit auch zu wirtschaftlichen Schäden geführt. So wurden am 26. Mai 2010 insbesondere in der Hallertau und in der Region Bodensee Obst und Hopfen massiv geschädigt und am 10. Juni 2010 in der Pfalz hat es besonders den Wein und das Gemüse getroffen.

Obst
Nach der sehr großen Obsternte im Jahr 2009 fällt in diesem Jahr die Ernte geringer aus. Bei der wichtigsten Kultur, dem Apfel, haben – neben der großen Ernte des letzten Jahres, die dazu geführt hat, dass Apfelsorten eine starke Alternanz zeigen – die ungünstigen Witterungsbedingungen im Frühjahr und Hagelschäden ebenfalls zu einer kleineren Apfelernte beigetragen.

In Deutschland wächst nach derzeitiger Kenntnis eine Apfelernte von rund 890.000 Tonnen heran (im Vorjahr 1.071.000 Tonnen). Das bedeutet eine um 17 Prozent geringere Erntemenge als im vergangenen Jahr. In den wichtigsten Anbaugebieten werden in etwa folgende Ernten erwartet: Im Alten Land werden 265.000 Tonnen geschätzt. Am Bodensee werden 220.000 Tonnen erwartet und in Sachsen 80.000 Tonnen.

Die Europäische Apfelernte wird nach den Ergebnissen des Prognosfruit Kongresses vom 6. August 2010 auf insgesamt 9.796.000 Tonnen geschätzt. Gegenüber dem Vorjahr mit etwa 11.000.000 Tonnen bedeutet das auf europäischer Ebene ein Minus von 11%.

Bei Birnen erwarten wir in Deutschland eine Erntemenge von etwa 46.000 Tonnen. Gegenüber dem Vorjahr mit 52.000 Tonnen bedeutet das ein Minus von 12%. In der Europäischen Union werden mit insgesamt 2.155.000 Tonnen Birnen 19% weniger erwartet als im Vorjahr mit 2.646.000 Tonnen.

Die Süßkirschenernte in Deutschland fällt ebenfalls deutlich niedriger aus als im letzten Jahr und dürfte bei knapp 30.000 Tonnen liegen. Im Vorjahr wurden immerhin 39.500 Tonnen eingebracht.

Bei Sauerkirschen dürfte die diesjährige Erntemenge bei rund 21.000 Tonnen liegen und damit das Vorjahresergebnis mit 30.200 Tonnen ebenfalls deutlich unterschritten haben. Anders als im Vorjahr konnten allerdings die Sauerkirschen in diesem Jahr zumindest zu kostendeckenden Preisen vermarktet werden. Es bleibt aber zu gegenwärtigen, dass die deutsche Sauerkirsche auch in den nächsten Jahren eine Problemkultur bleiben wird aufgrund des starken Konkurrenzdrucks insbesondere aus Ungarn. Nur aufgrund geringerer Lieferungen aus Ungarn und der kleineren deutschen Ernte konnten zumindest in diesem Jahr kostendeckende Preise erzielt werden.

Auch die Pflaumen- und Zwetschgenernte dürfte mit rund 50.000 Tonnen deutlich unter dem Vorjahresergebnis mit 73.100 Tonnen bleiben. Nach der schwierigen Vermarktungssaison 2009 sind allerdings die Marktaussichten auch bei dieser Kultur für die Erzeuger besser.

Die diesjährige Erdbeerernte ist aufgrund der kühlen Witterung verzögert gestartet und hat den verzögerten Startbeginn bei der Menge dann nicht mehr aufholen können, so dass das Vorjahresergebnis mit rund 150.000 Tonnen nicht erreicht werden konnte und wir von einer Erdbeerernte in diesem Jahr von um die 140.000 Tonnen ausgehen. Allerdings hat ein gleichmäßiger Saisonverlauf zu einer guten Marktverteilung und einer ausgeglichenen Versorgungslage über die gesamte Saison geführt.

Auch beim Beerenobst, also Himbeeren, Johannisbeeren und Heidelbeeren, sind die Erntemengen niedriger als im letzten Jahr. Insgesamt dürfte die Johannisbeerenernte knapp unter 10.000 Tonnen liegen gegenüber 11.800 Tonnen im letzten Jahr. Bei Himbeeren ist nach 5.000 Tonnen im letzten Jahr von gut 4.000 Tonnen auszugehen und die Heidelbeeren dürften nach knapp 10.000 Tonnen im letzten Jahr in diesem Jahr bei 8.000 Tonnen liegen.

Gemüse
Die Gemüseanbaufläche dürfte sich nach jetziger Einschätzung im Vergleich zum Vorjahr wenig verändert haben. Das in den vorläufigen Ergebnissen der Bodennutzungserhebung ausgewiesene Plus bei Erdbeeren und Gemüse in Höhe von knapp 5% ist zumindest teilweise durch methodische Änderungen bedingt. Eine leichte Ausweitung bei den von der Fläche her bedeutendsten Kulturen ist aber durchaus wahrscheinlich.

Die Erntesaison 2010 begann bei fast allen Kulturen im ersten Halbjahr später als im langjährigen Durchschnitt und ein verzögerter Saisonbeginn – so insbesondere auch beim Spargel – bescherte der Gemüsesaison 2010 einen schlechten Start. Allerdings haben sich die Preise nach dem katastrophalen Jahr 2009 in 2010 erholt.

Die Spargelernte 2010 dürfte um 90.000 Tonnen gelegen haben und damit etwa 10% unter dem Vorjahr. Dafür sorgte das späte Frühjahr mit einem verzögerten Saisonbeginn und vergleichsweise kühlen Temperaturen.

Die Anbauflächen von Zwiebeln wurden im Vergleich zum Vorjahr wieder leicht ausgedehnt und liegen damit wieder auf dem Niveau von 2008. Die Erntemenge bei Zwiebeln dürfte aber, trotz ausgedehnter Flächen, niedriger liegen als im Vorjahr und rund 350.000 Tonnen erreichen.

Bei Möhren werden voraussichtlich um 500.000 Tonnen eingefahren werden.

Der Anbau von Salaten 2010 hat Höhen und Tiefen durchgemacht. So kennt das Jahr 2010 Zeiten mit einer vergleichsweise schlechten Marktversorgung aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen sowie Zeiten mit einem ausgiebigen und reichlichen Angebot. Insgesamt zeigten sich aber nach dem katastrophalen Jahr 2009 die Erzeugerpreise eher freundlich. Auch die übrigen Gemüsekulturen ließen sich bei gleichmäßiger Abernte im Vergleich zum letzten Jahr doch recht ordentlich vermarkten.

Auch im Unterglasanbau haben sich die Preise für Salatgurken und Tomaten in diesem Jahr gefestigt und das Niveau des Vorjahres wieder deutlich überschritten. (DBV)

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